Funde von Wurzelquarziten in der Niederlausitz
Beim Streifzug über die Grundmoränen nördlich von Bronkow fiel am Wegrand ein dunkelgrauer Quarzit ins Auge – offenbar ein Ergebnis der laufenden Erdarbeiten zum Windpark. Auf seiner Oberfläche zeigten sich seltsam gewundene Abdrücke.
| Foto 1: Dunkelgrauer, feinkörniger und stark verkieselter Sandstein mit gewundenen, Fragmenten von Wurzelabdrücken. |
| Foto 2: Teile der Oberfläche des Wurzelquarzits wirken wie „wurmstichiger“ Sandstein. |
| Foto 3: Tunnel im verkieselten Sandstein. |
Wie entsteht Wurzelquarzit?
Unter der heimischen Lupe zeigt sich, es handelt sich um einen stark verkieselten ehemaligen Sandstein. Genau diese Verkieselung verleiht dem Gestein seine besondere Härte und Widerstandsfähigkeit. Der Grund dafür: Wenn während der Sedimentation oder zu einem späteren Zeitpunkt Kieselsäure in die Poren des Gesteins eindringt und sich dort ablagert, verfestigt sie das Material zu einem ausgesprochen harten Gestein mit der Festigkeit von Quarzit.
Kieselsäure (chemische Formel: H₄SiO₄) ist eine Verbindung aus Silizium, Sauerstoff und Wasserstoff. Sie kommt in der Natur sehr häufig vor und ist meist in Wasser gelöst – selbst in unserem Trinkwasser. Wer mehr darüber wissen möchte, findet weitere Informationen unter: Wikipedia Kieselsäure
Unter der Lupe klärt sich auch das Rätsel der vermeintlichen Grabspuren. Eine feine Filamentstruktur innerhalb der Gänge weist eindeutig auf ehemalige Wurzeln hin. Ähnlich wie Adern in einem Gewebe durchziehen sie das Gestein und haben bleibende Abdrücke hinterlassen.
| Foto 4: Gut erkennbar – Wurzelabdrücke im verkieselten Sandstein. |
| Foto 5: Wurzelquarzit mit deutlich erkennbarer Sandsteinkörnung. |
Wo kommt Wurzelquarzit her?
Als Herkunftsgebiete werden häufig Regionen in Südskandinavien genannt – von Jütland über den Boden der südlichen Ostsee bis nach Schonen in Südschweden. Diese Funde weisen meist eine hellere Grundfarbe auf.
| Foto 6: Fundstück vom Kap Geinitzort bei Dietrichshagen, westliche Ostseeküste, 1990. Auffällig ist die helle Grundmasse. |
| Karte: Verbreitung von Grund- und Endmoränen verschiedener Eiszeiten im Raum Bronkow. |
Aus verschiedenen Quellen ist bekannt, dass im unteren Odertal tertiäre Gesteine durch Salztektonik lokal angehoben wurden. Die drei Saale-Vereisungsphasen transportierten dieses Material anschließend nach Süden. Auffällig ist, dass die Wurzelquarzite der Niederlausitz meist einen dunkleren Habitus besitzen. Auch der Bronkower Fund zeigt ein Dunkelgrau.
Ein weiteres Beispiel stammt aus der Gegend nordöstlich von Betten bei Finsterwalde. Es wurde unmittelbar in den Aufschüttungen einer Endmoräne der Saale-II-Vereisung (Drenthe-Phase) gefunden. Dieses Stück weist einen noch deutlicher ausgeprägten Wurzelcharakter und ebenfalls einen dunkelgrauen, fast bläulichen Farbton auf.
| Foto 7: Grau-blauer Wurzelquarzit von Betten bei Finsterwalde, Außenseite. Fundjahr 1993. |
| Foto 8: Grau-blauer Wurzelquarzit von Betten bei Finsterwalde, Innenseite, frischer Bruch. |
| Foto 9: Nahaufnahme mit kleinen schwarzen inkohlten und verkieselten, rote Kreise. |
| Foto 10: Nahaufnahme der Innenseite des Wurzelquarzits von Betten. In den Hohlräumen der Wurzelgeflechte schimmert der Kristallrasen aus winzigen Quarzkristallen. |
| Foto 11: Interessantes Detail: Durchblick auch durch einen Wurzelgang im Fundstück von Betten. |
Wie aber gelangten die Wurzeln überhaupt in den verkieselten Sandstein?
Der zunächst naheliegende Verdacht, die Wurzeln könnten sich in den harten Fels gebohrt haben, ist falsch. Wurzelhorizonte in Sedimentgesteinen sind in der Erdgeschichte häufig. So wurden im Versuchsschacht Doberlug-Kirchhain, unterhalb der Anthrazit-Kohlenschichten, fossile Wurzeln und Reste ganzer Baumstümpfe gefunden. Auch in späteren Kohlebildungsphasen der verschiedenen Lausitzer Braunkohlenflöze treten sie immer wieder auf – oftmals als massive Stümpfe mit vollständig erhaltenem Wurzelteller. Ein eindrucksvolles Beispiel ist in der mineralogischen Ausstellung (Kaue) der Brikettfabrik Louise bei Domsdorf zu sehen.
Solche Wurzelhorizonte entstehen, wenn Pflanzen auf feinsandigen oder tonigen Böden wachsen. Bleiben die Wurzeln nach dem Absterben der Pflanzen noch eine Zeit lang erhalten, prägt das umgebende Sediment deren Form ab. Dringt währenddessen Kieselsäure aus dem Bodenwasser in diese Strukturen ein, wird der Abdruck dauerhaft konserviert. Aufgrund des insgesamt sauren Charakters der Kieselsäure wird das organische Wurzelmaterial langsam aufgelöst. Kommt dieser Prozess zum Stillstand, können selbst Holzreste verkieseln und erhalten bleiben – wie beim Fundstück aus Betten bei Finsterwalde (siehe Foto 8 oben).
Der Erhaltungsgrad der Abdrücke im Gestein hängt maßgeblich von der Feinheit des umgebenden Sediments zum Zeitpunkt der Verkieselung ab. Unsere Fundstücke von Bronkow und Betten sind in feinkörnigem Sand erhalten geblieben – doch es geht noch besser. Das folgende Beispiel zeigt ein Stück, das sich in einem besonders feinen, tonigen Sediment gebildet hat.
| Foto 14: Wurzelabdruck in Tonstein. Fund aus der Nähe von Gollmitz. |
| Foto 15: Nahaufnahme der Wurzelabdrücke. Gut erkennbar die helle Kontaktverfärbung mit den ehemaligen Wurzeln. |
Fazit
Die hier vorgestellten Wurzelquarzite offenbaren einige interessante geologische Details und Aspekte. Ihre Fundstellen lassen zeitliche Einordnungen und grob Rückschlüsse über ihren Weg zu. Für weitergehende Erkenntnisse ist die öffentliche Quellenlage noch unzureichend. Doch es lohnt sich also mit offenen Augen durch die heimatliche Landschaft zu gehen – denn es gibt immer etwas zu entdecken und die Geschichte dahinter zu ergründen.
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Quellen:
Geologischer Führer für den Norddeutschen Geschiebesammler
W. Schulz
c/w Verlagsgruppe Schwerin, 2003
Stadtmuseum Berlin
Sammlung des Stadtmuseums Berlin
Dr. Wolfgang Zessin
Dr. rer. nat., Dipl. Phys. Vice President at Naturforschende Gesellschaft Mecklenburg Mitteilungen der NGM – 5. Jahrgang Heft 1 Juli 2005 Großer Wurzelquarzit mit Windschliff aus Jasnitz, Mecklenburg
Geologische Streifzüge, Großgeschiebe in der Niederlausitz
Wurzelquarzit (Nr. 513, Cottbus-Nord)
Link: Grossgeschiebe, Sedimente
Mineralienatlas – Fossilienatlas,
Forum Tagebau Zwenkau
Strandsteine.de/Wurzelquarzit
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Blog: Mit 8 Megapixeln durch die Niederlausitz.
Autor: Vel Thurvik
Fotos: Vel Thurvik