Mittwoch, 25. Februar 2026

Schacksdorf, es zempert – Niederlausitzer Begegnungen -

Eine nicht ganz so ernst gemeinte fotografische Begleitung eines alten Kulturguts in Schacksdorf.


Samstag, der 17. Januar 2026, ist kein Tag wie jeder andere – zumindest nicht in Schacksdorf bei Finsterwalde. Gegen 8:30 Uhr trafen vor dem Dorfgemeinschaftshaus allerlei bunt kostümierte Mitglieder des Freiwilligen Feuerwehrvereins ein. Ein erstes wichtiges Ereignis des neuen Jahres stand an: das Zempern (niedersorbisch) – auf Deutsch „Zampern“.


Foto 1: Schacksdorfer beim Zampern 2026.
Es wird fleißig aus- und aufgerüstet. Bunt geschmückte Handwagen werden beladen, Getränke geholt und die „Teufelsbox“ auf einer umgerüsteten Gehhilfe festgeschnallt. Alles wirkt routiniert und gut abgestimmt – Feuerwehr eben.

Foto 2: Vorbereitungen vor dem Dorfgemeinschaftshaus in Schacksdorf: Befestigung der Musikbox auf einem umgebauten Rollator.
Ein Blick auf die Wetterlage: Temperaturen um den Gefrierpunkt, leichter Wind, hohe Luftfeuchtigkeit und ein durchgehend trüber Himmel – eine Herausforderung fürs Zempern und fürs Fotografieren.

Noch eine gemeinsame Absprache über die Tour und die einzelnen Stationen – der Zeitplan ist eng. Einladungen für das in Kürze stattfindende Kinderzempern werden noch bereit gelegt. Anschließend entsteht ein Gruppenfoto vor dem Dorfgemeinschaftshaus in Schacksdorf. Dafür wurde eines der ältesten Gemeindemitglieder, Frau Helga Habermann, hinzugebeten.

Foto 3: Frau Habermann, Lehrerin im Ruhestand (links), beim Fotoshooting.
Als langjährige Lehrerin fiel ihr die Aufgabe zu, das jährliche Gruppenfoto zu machen – eine Aufgabe, die sie mit Bravour meisterte.

Foto 4: Gruppenfotos der Zemperer vor dem Gemeindehaus Schacksdorf. 
Damit das Unterfangen auf das nötige Fortune hoffen konnte, waren eine Reihe von Glücksboten als Unterstützer eingetroffen – allen voran die Blaue Glücksfee, selbstverständlich ausgerüstet mit einem Zauberstab, der im Laufe des Tages noch einige wichtige Funktionen übernehmen sollte.

Foto 5: 9:49 Uhr. Segen der Blauen Glücksfee Bianca mit dem Zauberstab.
Klar, dann drei Marienkäfer als Glücksboten schlechthin.

Foto 6: Die Schacksdorfer Marienkäfer-Brigade.
Foto 7: Gut vorbereitet – Spendenbox der Marienkäfer-Brigade.
Damit es an himmlischem Beistand nicht mangelte, hatte die Amtskirche sogar zwei ihrer Würdenträger entsandt. Wie sich im Laufe des Tages zeigen sollte, wurde deren himmlische Hilfe wiederholt in Anspruch genommen.

Foto 8: Die Amtskirche, vertreten durch Bruder Daniel und Bruder Peter im Amtsornat.
Als weitere Unterstützer gesellten sich das Einhorn, Bugs Bunny, Mischka, Turtle, Pooh-Bär, Cat und ein Vertreter von Team Rocket dazu. Da Schacksdorfs Geschichte weit in prähistorische Zeiten zurückreicht, ließ es sich Fred Feuerstein nicht nehmen, an diesem Termin teilzunehmen.

Kurz darauf ertönte die Teufelsbox, und mit dem Vorsitzenden Mario Wagner an der Spitze setzte sich der Umzug in Bewegung – zum Nachbarhaus, wo die Gruppe bereits erwartet wurde.

Foto 9: 9:50 Uhr – Zug fröhlicher Zemperer auf der Schacksdorfer Dorfstraße.
Es sollte ein turbulenter, ereignisreicher Tag mit Tänzen, Showeinlagen, Akrobatik, Ersteigungen, Motivationstraining, religiösen Momenten, Sport, himmlischer Erleuchtung und vielem mehr werden – aber der Reihe nach.

Mit Schwung ging es die Dorfstraße hinunter und anschließend wieder hinauf bis in den Mühlweg.

Foto 10: Zemperer in Schacksdorf.
Die Schacksdorfer Einwohner zeigten sich gut vorbereitet und spendenfreudig. Wie es Brauch ist, gaben viele Dorfbewohner Eier und verschiedene Lebensmittel.

Foto 11: Eier bester Qualität für die Zemperer.
Schon nach kurzer Zeit kam auch der Zauberstab der Blauen Fee zum Einsatz – eine äußerst hilfreiche Einrichtung, vor allem für weniger rüstige Dorfbewohner.

Foto 12: 10:12 Uhr – Der Zauberstab im ersten Einsatz.
Foto 13: Wie es Tradition ist, gibt es für die Spender natürlich den gemeinsamen Kurzen.
Foto 14: Selbstverständlich wurde überall dort ein Tänzchen gewagt, wo’s ging.
Foto 15: Und natürlich wurde die Tanzeinlage mit rhythmischem Beifall begleitet.
So ging es weiter durchs Dorf – hier weitere fotografische Eindrücke.

Foto 16: Der Zauberstab erneut im Einsatz.
Foto 17: 10:28 Uhr – Dem Vorsitzenden wurden neue Richtungsvorgaben bekannt gegeben, hier bei der Einweisung der Mitglieder aus dem Wunderland.
Entlang der Strecke warteten auf die Teilnehmer verschiedene Zwischenstopps. Wie sich zeigte, waren sie bei der ungemütlichen Witterung auch nötig. Der erste Zwischenstopp fand bei der stellvertretenden Vorsitzenden Doreen Biskupski statt.

Foto 18: Aufwärmen und kurzes Ausruhen bei den Biskupskis im gemütlichen Kellerraum.
Eine gute Gelegenheit, einen kurzen Blick auf die Hintergründe des Zemperns zu werfen. In den meisten niederlausitzer Dörfern ist das niedersorbische Zempern (deutsch: Zampern) Bestandteil der Fastnacht und eine feste Größe im Jahreslauf – zweifellos ein wichtiges gesellschaftliches Ereignis. Auch in Schacksdorf ist das nicht anders. In der Niederlausitz wird zwischen  einem Samstag Mitte Januar bis Mitte März gezempert. Traditionell ziehen die Zemperer von Hof zu Hof, sammeln Eier, Geld und Lebensmittel, trinken mit den Spendern zumeist einen Schnaps, scherzen und tanzen. Später werden die Spenden für ein gemeinsames Fest oder einen Dorfabend verwendet. Der Termin dafür stand in Schacksdorf bereits fest – siehe Foto.

Foto 19: Schwartenabend in Schacksdorf.
In vorchristlichen sorbisch-wendischen Zeiten diente der Brauch Fruchtbarkeitsriten oder dem Austreiben von Wintergeistern. Während der Christianisierung der sorbisch-wendisch-lusitzschen Völker gelang es der Amtskirche nicht, diese Tradition zu unterbinden. So versuchte es Bischof Johannes IV. von Meißen 1442 mit einem Verbot des Umzuges. Allerdings erfolglos wie wir heute in Schacksdorf sehen. Spätere Kirchenfürsten war da etwas cleverer, verliehen dem Brauch ein christliches Gewand und sprach ihm ihre Duldung zu. Vermutlich blieb auch nichts anderes übrig, denn in anderen Gegenden des Reiches gab es in der vorösterlichen Jahreszeit ähnliche Bräuche.

Über die Niederlausitz zwischen Schwarzer Elster, Neiße und Bober (Polen) haben sich im Laufe der Jahrhunderte verschiedene Ausführungen des Zemperns (auch Semperns) entwickelt. In der heutigen Welt der hohen Mobilität und des Pendlerlebens hat diese Tradition eine andere, wichtige verbindende Funktion im Dorf übernommen.

Wer mehr über das Zempern wissen möchte, findet hier weiterführende Informationen und Quellen: Zempern Wikipedia

Einen etwas ausführlicheren Aufsatz haben Susanne Hose und Christina Kliem auf der Internetseite: Sorabicon veröffentlicht.

Doch zurück in die Gegenwart. Nach zwei Gruppenfotos mit den Wirtsleuten …

Foto 20: Gruppenfoto mit den freundlichen Spendern.
Foto 21: Herr Biskupski im Kreise der Zemperer Schacksdorf.
… ging es weiter, vorbei am ehemaligen Feuerwehrgerätehaus in die Massener Straße. Dort ergab sich die nächste Gelegenheit für einen Tanz – etwas, das der Vorsitzende persönlich in die Hand nahm.

Foto 22: Tanz mit der Hausherrin in der Massener Straße.
Foto 23: Zwischenzeitlicher Autostopp in der Massener Straße.
Hunde und Menschen sind ja seit Jahrtausenden enge Partner – in Schacksdorf wurde das eindrucksvoll belegt. Fred Feuerstein traf einen alten Bekannten wieder.

Foto 24: Wiedersehen macht Freude.
Zurück in der Dorfstraße erhielt der Trupp Verstärkung durch einen Eishockeyspieler. Anschließend gab es bei den Fröschkes einen nächsten Aufwärmstopp – übrigens garniert mit sehr lecker belegten Brötchen.
Foto 25: Aufwärmen in Moe’s Tavern.
Foto 26: Fred Feuerstein und Team Rocket in der Pausenpose.
Überhaupt bekam der Zug im weiteren Verlauf Zuwachs. In Moe’s Tavern gesellte sich ein Bär dazu. Und auch vor den Senioren im Ort machte der faszinierende Sog des Zemperns nicht Halt. So wurde kurze Zeit später „Das alte Paar“ von der guten Laune der Truppe unerbittlich mitgerissen.

Foto 27: Zuwachs durch das alte Paar.
Aufgewärmt, gestärkt und verstärkt ging es zwei Häuser weiter. Unter der Beobachtung der schwarzen Katze landete der Zug an der Nummer 23.

Foto 28: Dorfplausch beim Zempern. Neugierig betrachtet die sonst scheue Hauskatze vom Fenster oben das bunte Treiben.

Gleich danach kam es zur ersten sportlichen Bewährungsprobe. Traditionell wird in Schacksdorf beim Zempern das Leben an der Gelben Wand auf den Kopf gestellt.

Foto 29: Traditioneller Gruppen-Kopfstand an der Gelben Wand.
Natürlich gab es auch Einzelvorführungen mit solidarischer Unterstützung.

Foto 30: Unterstützung für das Einhorn.
Foto 31: Auch Bären mussten einmal Kopf stehen.
Nach der sportlichen Einlage bogen die Zemperer in die Sallgaster Straße ab.

Foto 32: Zemperer in der Sallgaster Straße.
Zemperer sind harte Gesellen – das hat deren Technik offenbar unterschätzt, und der Akku der Teufelsbox kapitulierte vor den niedrigen Temperaturen. Ein Umstand, der das lustige Völkchen jedoch nicht aufhielt. Es folgte das nächste Highlight des Umzugs: Gruppenfotos, nach Geschlechtern getrennt, in der Bushaltestelle.

Foto 33: Traditionelles Frauengruppenfoto in der Bushaltestelle Schacksdorf.
Foto 34: Einweisung des Nachzüglers.
Foto 35: Männer-Gruppenfoto.
Kurzfristig wurde auch ein Ersatz für die Teufelsbox beschafft – na ja, Feuerwehr eben.

Foto 36: Freundlicher Empfang am Ende der Sallgaster Straße.
Am anderen Ende der Sallgaster Straße gab es neben einem herzlichen Empfang auch einen typischen Zemper-Rollentausch.

Foto 37: Rollentausch der Generationen.
An der Gaststätte Schacksdorf wurden die Zemperer vom neuen Besitzer aus Schwaben begrüßt. Er zeigte sich auf das Treiben sichtlich neugierig, meinte aber auch in Schwaben gibt es so etwas.

Foto 38: Würdevoll waltete Glücksfee Bianca ihres Amtes.
Nach dem Empfang vor dem Elster-Stübel Schacksdorf führte der Weg des Zuges weiter in die Chaussee. Mit dem Besuch aus den Weiten des Alls wuchs die Teilnehmerzahl auf 25 an. Nein, nicht E.T., sondern eine Astronautin begrüßte die Zemperer – wie? Natürlich astronautisch.

Foto 39: Himmlische Begegnung. Wer hätte gedacht, dass sich Glaube und Wissenschaft einmal in den Armen liegen würden? In Schacksdorf geht so etwas.

Eine so große Teilnehmerzahl rief prompt die Staatsmacht auf den Plan. Diese schickte ihren örtlichen polizeilichen Ordnungshüter Jeremy, der sein Amt sofort mit voller Ernsthaftigkeit aufnahm.

Foto 40: Freundlich beantwortete das Einhorn die Fragen des strengen Schacksdorfer Ordnungshüters.
Offenbar konnte das Wesen aus der Märchenwelt jegliches Misstrauen der Polizei zerstreuen, worauf sich der Ordnungshüter dem Umzug zum Zweck der weiteren Beobachtung anschloss. Ordnung muss ja sein.

Am frühen Nachmittag legten die Zemperer einen Zwischenstopp bei den Brauers ein. Dort erwartete die bunte Truppe ein leckerer Empfang mit warmen Würstchen, Schmalz- und Leberwurststullen.

Foto 41: Herzlicher Empfang im Hof der Familie Brauer.
Foto 42: Gekonnt übernahm die Verteilung des Essens die Marienkäfer-Brigade.
An dieser Stelle noch mal Dank an Familie Brauer und die übrigen Wirtsleute für die nette, aufwärmende Bewirtung des Fotografen.

Getarnt im Schnee, ein heimlicher schweigsamer Beobachter. Um welchen Dienst es sich handelt war nicht festzustellen.

Foto 43:  Scheinbar traute die Staatsmacht dem Treiben im Orte nicht so recht.
Hier kam es zu einem spontanen religiösen Ereignis. Einer der Teilnehmer schüttete dem Vertreter der Amtskirche sein Herz und seine Sünden aus. Um welche es sich handelt bleibt selbstverständlich Beichtgeheimnis. So schlimm kann es nicht gewesen sein. Es wurde Absolution erteilt.

Foto 44: Spontane Beichte vor einem der Schacksdorfer Mönche.
Inzwischen ging es für die übrigen Zemperer mit einem kurzen Fußballspiel weiter.

Foto 45: Fußball in Schacksdorf beim Zempern.
Foto 46: Tor im Busch.
Wieder auf der Chausseestraße empfingen die Zemperer eisiger Wind und spürbar fallende Temperaturen. Geologisch gesehen liegt dieser Teil Schacksdorfs auf einer uralten eiszeitlichen Grundmoräne. Offenbar hatte eine der Eiszeiten beschlossen, sich am Umzug zu beteiligen – zumindest mit ihrem eiskalten Gruß. Doch so etwas schreckte die Schacksdorfer Zemperer nicht, schließlich hatte man hier alle Eiszeiten überlebt.

Foto 47: Voller Entschlusskraft geht es weiter.
In der Finsterwalder Straße 10 wurde der Zug mit einer großen Flasche Glühwein begrüßt – was angesichts des glazialen Hauchs lautstark bejubelt wurde.

Foto 48: Glühwein zur Begrüßung bei Familie Nestler.
Doch dabei sollte es nicht bleiben: Kurz darauf erschien der Hausherr Norbert Nestler mit seiner Klingenthaler Piano-Harmonika „Barcarole“ – buchstäblich ein Instrument mit Geschichte. Norbert griff sofort mit Leidenschaft in die Tasten. Kunst kommt eben von Können – logisch, dass es bei den Zemperern kein Halten mehr gab.

Foto 49: Norbert Nestler spielt gekonnt und kräftig auf.
In den nächsten zwanzig Minuten ging es mit einem bunten Potpourri durch die Welt der Stimmungsmusik.

Foto 50: Zemperer beim Schunkeln. Selbstverständlich übernahm der Vorsitzende die musikalische Direktion.

Foto 51: Tanz der Schacksdorfer Zemperer.
Foto 52: Unvermeidlich auch die Polonaise.
Wieder auf der Finsterwalder Straße erwarteten die Zemperer das mobile Versorgungsteam Ramona und Werner Winkel mit Pfannkuchen und Kaffee.

Foto 53: Brutal lecker – Platte mit Pfannkuchen und Kaffee, serviert direkt aus dem Kofferraum.
Foto 54: Pfandkuchen-Qualitätstest des Vorsitzenden. Werner Winkel ließ keinerlei Zweifel an der Qualität der Versorgung aufkommen.
Während die mobile Versorgung im Gange war, ergab sich die Gelegenheit, sich einmal nach den Organisatoren zu erkundigen.

Der Freiwillige Feuerwehrverein zählt 54 Mitglieder. Entstanden ist der Verein aus der Freiwilligen Feuerwehr heraus. Irgendwann war die Idee da – und wurde einfach umgesetzt. Selbstorganisation war auf den Dörfern schon immer ein wichtiger Faktor; sie sorgt bis heute für eine stabile Vereinslandschaft.

Wann das alles genau begann, kann auch Doreen Biskupski nicht mehr mit Sicherheit sagen. Vorsitzender Mario Wagner geht inzwischen von etwa zehn Jahren aus. Im Laufe der Zeit hat sich eine Aufgabenverteilung ergeben: Jeder macht das, was er gut kann. Für die digitale Seite ist Kim Biskupski zuständig. Die Gruppe organisiert nicht nur das Zempern, sondern auch weitere Veranstaltungen wie Osterfeuer, Maibaum, Erntefest, etc.

Für Versammlungen und Beratungen trifft man sich im Dorfgemeinschaftshaus, das früher die Grundschule war. Mit viel Eigeninitiative und Förderung durch die Amtsgemeinde Massen wurde dort ein kleines Veranstaltungszentrum mit Versammlungsraum und Küche aufgebaut. Als neuestes Projekt entsteht im Hof eine Mehrzwecküberdachung; im Frühjahr sollen die Bauarbeiten fortgesetzt werden.

Nach der mobilen Stärkung ging es weiter – Ziel war die Schacksdorfer Wassermühle. Doch zunächst wurde in der Finsterwalder Straße weiter getanzt, und die Senioren legten ein ordentliches Solo hin.

Foto 55: Senioren mit einem flotten Asphalt-Solo.
Foto 56: 15:22 Uhr – es kam zu einem weiteren religiösen Ereignis: traditionelle Anbetung eines geheimnisvollen Symbols in der Finsterwalder Straße.
Foto 57: Begleitet von spontanem Jubel.
Foto 58: 15:30 Uhr – in der Weststraße gab es bei Angela Schmidt zur Stärkung Nachmittagskuchen und Kaffee.
Foto 59: Familie Schmidt mit dem Vorsitzenden.
Schacksdorf ist nicht nur ein Ort mit Traditionen, sondern auch mit Erfindergeist. Deshalb wurde unterwegs eine Innovation vorgestellt.

Foto 60: Die Schacksdorfer Glasnaben-Radhalterung.
Gleich danach folgte die nächste Überraschung: Ein schwarzes Auto erschien, und ein Mann spendete den Zemperern Geld. Wie sich im Gespräch herausstellte, war er Unternehmer und eigens vom Flugplatzgelände gekommen, um zur Veranstaltung etwas beizutragen. Die Freude war groß.

Foto 61: Unter den wachsamen Augen des Ordnungshüters Jeremy nimmt der Vorsitzende die Spende des freundlichen Sponsors entgegen.
Nach einem weiteren Motivationstraining an der Nummer 15a, natürlich unter Anleitung der Blauen Glücksfee, näherte sich der Umzug der ehemaligen Schacksdorfer Wassermühle. In der historischen Mühle wartete Familie Dries schon mit gedeckten Tischen, Gulaschsuppe und heißem Kaffee.


Foto 62: Familie Dries in der Schacksdorfer Wassermühle.
Das wurde von den Zemperern angesichts der ungemütlichen Temperaturen dankbar angenommen. Schließlich war der Zug bereits über sechs Stunden unterwegs.

Foto 63: Heiße Gulaschsuppe in der Schacksdorfer Wassermühle.
Gegen 16:40 Uhr sind die Zemperer wieder im Mühlweg unterwegs. Mittlerweile beginnt es zu dämmern, was das Fotografieren etwas komplizierter macht, den Zug aber nicht im Mindesten bremst.

Foto 64: Blaue Glücksfee bei ihrer Arbeit im Mühlweg.
In der Pension Luckow wird den Zemperern noch einmal ein wärmender Aufenthalt ermöglicht.

Foto 65: Entspannter Aufenthalt in der Pension Luckow.
Dabei kommt es zum vorerst letzten religiösen Ereignis des langen Tages. Haben wir uns nicht alle schon einmal gefragt, wie die Amtskirchen zu ihren himmlischen Erkenntnissen gelangen? Jenen Moment tiefster Einsicht und Bewusstwerdung der wahren Natur der Realität? Völlig unerwartet bot sich hier die Gelegenheit, einen kurzen Augenblick himmlischer Übermittlung – der Erleuchtung – zu beobachten. Ein Glücksfall. Über den Inhalt der Botschaften war allerdings nichts zu erfahren.

Foto 66: Der Moment himmlischer Erleuchtung eines Vertreters der Amtskirche in Schacksdorf.
Kurz nach 17:00 Uhr ist der fröhliche Umzug wieder unterwegs. Inzwischen ist es dunkel geworden.

Schon seit über 100 000 Jahren bringen Lagerfeuer Menschen zusammen. In Schacksdorf fanden die Zemperer bei Ulli Möller ein Wärmendes samt Kessel mit Punsch vor.

Foto 67: Ulli Möller zusammen mit den Schacksdorfer Zemperern.
Foto 68: Inzwischen hatte die Amtskirche den Transport und die Betreuung der Lebensmittel übernommen.
Wie unschwer zu erkennen ist, macht sich ein Wagen voller Eier und weiterer Lebensmittel auf den Weg zum Dorfgemeinschaftshaus.

Im Birkenweg gibt es noch drei Zwischenstopps. Danach geht es weiter in Richtung Endstation.

Foto 69: Zwischenstopp im Birkenweg.
Gegen 17:50 Uhr: Ankunft im Dorfgemeinschaftshaus Schacksdorf. Nach über acht Stunden durch die Straßen Schacksdorfs geht ein ereignisreicher Tag zu Ende.

Foto 70: Kleine Auswertung des Tages.
Nicht einfach, die Spenden der Macht des Zauberstabs abzuringen.

Foto 71: Die Glücksfee beim Ausleeren ihres Zauberstabs.
Die Frauen haben inzwischen die Kassenverwaltung übernommen. Natürlich wird genau gezählt – schließlich soll das Geld den Schwartenabend finanzieren. Aus dem Großteil der Eier soll per Beschluss Eierlikör hergestellt werden.

Foto 72: Auszählung der Spenden.
Bilanz: Auch wenn es kalt war, „das Wetter hat gestimmt“, meint der Vorsitzende. Die gut abgestimmte Organisation der Teilnehmern hat zum Erfolg geführt. Und die Einwohner von Schacksdorf haben den Umzug immer freundlich begrüßt. Ein gelungenes Zempern, so Mario Wagner.

Dank an Markus Müller für die Idee der fotografischen Begleitung.

Foto 73: Markus Müller im Dorfgemeinschaftshaus Schacksdorf.
An dieser Stelle noch mal Herzlichen Dank vom Fotografen für die überaus freundliche Aufnahme.
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Blog: Mit 8 Megapixeln durch die Niederlausitz.

Autor: Vel Thurvik
Fotos: Vel Thurvik

Freitag, 13. Februar 2026

Winterfotos aus dem Lug bei Lug – Niederlausitzer Beobachtungen -

Kleines Winter-Fotoshooting bei Lug in der Niederlausitz


Nicht nur Berge könne im Winter schöne Fotos fabrizieren. Wenn mal Schnee liegt geht das auch in der Niederlausitz. Und die ist bekanntlich überwiegend flach, bestenfalls etwas hügelig.

Am Ortsausgang Lug in Richtung Lipten und Wormlage gelangen einige schöne winterliche Flachlandfotos.

Foto 1: Wintersonne über der Niederung des Lug.
Foto 2: Wege im Schnee am Ortsausgang Richtung Wormlage.
Kontrastreich geht es auch. Am Ortsausgang Lug Richtung Lipten stellte die tiefstehende Sonne lange Schneeschatten zur Verfügung.

Foto 3: Nachmittag der langen Schatten bei Lug.
Nächtliche leichte Verwehungen arbeiteten Reliefs im Schnee heraus.

Foto 4: Interessantes Detail: Feines Wellenmuster im Schnee.
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Blog: Mit 8 Megapixeln durch die Niederlausitz.

Autor: Vel Thurvik
Fotos: Vel Thurvik

Donnerstag, 5. Februar 2026

25 Jahre Sonnewalder Heimatblätter – Niederlausitzer Beobachtungen –

 Ein kleines Jubiläum an der Wand.


Nun liegt sie angelesen auf dem Tisch – die 25. Ausgabe der Sonnewalder Heimatblätter. Auf dem Titelblatt ist eine alte Ansichtskarte von Pahlsdorf abgebildet. Einige Lesezeichen mit Notizen haben sich bereits im 270‑Seiten‑Heft angesammelt – beispielsweise bei den Raubsäugern und dem prähistorischen Töpferofen.

Foto 1: Sonnewalder Heimatblätter, 25. Ausgabe (2025).
Beim Absetzen der sonntäglichen Kaffeetasse fällt am unteren Rand des Titelblatts eine kleine Zeile auf: „Jubiläumsausgabe“ steht dort. Nanu, war da nicht noch was? An der Wand im Sportlerheim in Sonnewalde hing doch so ein provisorisches Plakat …

Foto 2: Plakat mit den Titelblättern aller Ausgaben im Sportlerheim Sonnewalde.
Also doch mal im Vorwort nachlesen. Und richtig: Es ist ein kleines Jubiläum – ohne Festakt und ohne viel Tam-Tam. Ein zweifellos wichtiges Jubiläum, aber eben sachlich –  typisch Niederlausitz.

2001 erschien die erste Ausgabe der Heimatblätter. Seither gab es 25 Jahreshefte. Beim Abzählen der Titelblätter auf dem Plakat zeigt sich jedoch ein Überhang an Heften – Grund genug für etwas Recherche. Und auch das stimmt: Es gibt zusätzlich sechs Sonderausgaben mit spezifischen Themen.

Auf der Internetseite der Sonnewalder Heimatblätter können alle Ausgaben eingesehen und die Inhaltsverzeichnisse als PDF-Dateien heruntergeladen werden. Liste der bisherigen Ausgaben: Liste der Ausgaben

Wie allerdings ebenfalls zu erfahren ist, ist der langjährige Herausgeber Konrad Ziegler im Mai 2025 hochbetagt verstorben. Doch mit ihm sind die Sonnewalder Heimatblätter nicht verschwunden. Über seine Lebensleistung und seine Weggefährten kann man in der Jubiläumsausgabe mehr erfahren. Sein Enkel und Nachfolger Martin Ziegler führt die Reihe gemeinsam mit einem kleinen Redaktionsteam fort. Ein inhaltlicher Bruch hat dabei nicht stattgefunden – eine Reform des Erscheinungsbildes jedoch schon, was auf dem Plakat deutlich wird. Außerdem lässt sich feststellen, dass die Bandbreite der Themen sogar zugenommen hat, was das aktuelle Heft zusätzlich interessant macht.

Zum Schluss fällt ein eingelegtes Kartenblatt zum Herausnehmen auf: Die Flurnamen der Gemarkung Friedersdorf, unweit von Sonnewalde – eine schöne Idee.

Insgesamt wirkt das Heft sehr professionell. Dazu trägt auch ein Findbuch auf der Internetseite bei, in dem sämtliche Autoren seit der Erstausgabe 2001 verzeichnet sind. Das sind eine ganze Menge. Und eigentlich kann man bei über 270 Seiten kaum noch von einem Heft sprechen – es gibt dünnere Bücher.

Bilanz des Stöberns an der sonntäglichen Kaffeetasse: Lesenswert.
Wer Hefte erwerben möchte findet hier eine Liste der Verkaufsstellen und ein Online-Formular: Sonnewalder Heimatblätter.
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Blog: Mit 8 Megapixeln durch die Niederlausitz.
Autor: Vel Thurvik
Fotos: Vel Thurvik

Sonntag, 1. Februar 2026

Zeitungsschau mal anders, historisch – Niederlausitzer Fundstücke -

Ein sonntäglicher Blick in alte Zeitungen und in schwierige Zeiten unserer Region.


Was haben vier ehrenamtlich Engagierte, eine Baustelle in Finsterwalde, eine Gartenlaube und der Museumskeller in Kleinkrausnik gemeinsam? Aus alten, fast entsorgten Zeitungsbündeln entsteht hier ein lebendiges Bild vom Leben zwischen Kriegsnot, Preiserhöhungen und Tanzvergnügen in der Niederlausitz.

Wer erinnert sich noch an die Tradition der Zeitungsschau – meist an freien Tagen und im Kreis der Familie? Inzwischen ist diese Gewohnheit weitgehend den modernen Medien zum Opfer gefallen. Doch manchmal, versteckt in den Kellern unter Museen, erwacht diese alte Art der Informationsgewinnung kurzzeitig zu neuem Leben. So geschehen am 11. Januar 2026 in Kleinkrausnik. An diesem Sonntagvormittag trafen sich ein Historiker, zwei Heimatforscher und ein Fotograf – alles ehrenamtlich Engagierte –, um einen Blick mehr als 100 Jahre zurück in die Geschichte der Region um Sonnewalde, Finsterwalde, Doberlug und die umliegenden Dörfer zu werfen.

Der Anlass? Eine große Kiste mit historischen Originalzeitungen, Zeitschriften, Werbeanzeigen, Postkarten und anderen Fundstücken aus der Zeit zwischen März 1918 und etwa 1948.

Foto 1: Im Keller des Dorfmuseums Kleinkrausnik – die Heimatforscher Bernd Jühnichen (Mitte) und Manuel Franke (links) gemeinsam mit Regionalhistoriker und Museumsleiter Norbert Zach (rechts). Hinter der Kamera: Volker Kock.

Ziel der vier war es, Veröffentlichungen historischer Gesetze, Verordnungen, Bestimmungen und Bekanntmachungen zu finden, die in unmittelbarem Zusammenhang mit dem Leben der Menschen in unserer Region standen. So begann ein kurzweiliger Vormittag mit zahlreichen interessanten Einblicken in das Leben jener Zeit – insbesondere in die letzten Monate des Ersten Weltkriegs.

Foto 2: Zeitungsfragmente in Seidenpapier sorgsam aufbewahrt.

Da die Zeitungen teils stark fragmentiert und beschädigt sind, lassen sich ihre ursprünglichen Titel und Verlage oft nicht mehr eindeutig bestimmen – geschweige denn zuordnen. Der Aufwand für eine genaue Rekonstruktion wäre unvertretbar hoch (siehe Foto 2 oben).

Beginnend mit Ausgaben aus dem März 1918, arbeiteten sich die Beteiligten durch Zeitschriften, Werbeblätter, Anzeigen und Kataloge. Dabei wurde ein sehr differenziertes Bild des damaligen Lebens sichtbar. Das Kriegsgeschehen und die politischen Verwerfungen jener Zeit bildeten den Hintergrund des Geschehens. Deutlich wurden sie in zahlreichen Todesanzeigen Gefallener – darunter auch manche bekannten Familiennamen.

Foto 3: Zeitungsfragment einer Lokalzeitung mit Gefallenen-Anzeigen.

Mangelwirtschaft und Alltagsleben


Viele Veröffentlichungen befassten sich mit den schwierigen Lebensverhältnissen jener Zeit. Preislisten und Ausgabetage bestimmter Lebensmittel bestimmten häufig die Lokalseiten und beeinflussten die täglichen Abläufe der Familien teils drastisch. Frühzeitiges Zeitungsstudium erhielt dadurch eine beinahe existentielle Bedeutung – wer zu spät kam ging leer aus.

Foto 4: Verkaufstage von Lebensmitteln auf Karten.
Sie zeigten eine ausgeprägte Mangelwirtschaft, verbunden mit Preissteigerungen aller Art. Viele Lebensmittel und Heizmaterialien waren an Bezugsscheine gebunden, deren Vergabe durch den Landrat und die Kommunen geregelt wurden.

Foto 5: Anweisungen des königlichen Landrats zur Abgabe von Kohlenbezugsscheinen.
Auch vor der Eisenbahn in Finsterwalde machten die Tariferhöhungen nicht Halt – eine Tabelle kündigte neue Fahrpreise an.

Foto 6: Fahrpreiserhöhungen der Eisenbahn in Finsterwalde im April 1918.
Doch die Zeitungen zeigen auch ein anderes Leben: Trotz aller Probleme wurde häufig gefeiert. So berichten zahlreiche Anzeigen von Maskenbällen, Bockbierfesten und Tanzveranstaltungen.

Foto 7: Anzeige eines Maskenballs in Ossak bei Sonnewalde.
Foto 8: Bernd Jühnichen, Manuel Franke und Norbert Zach bei der Sichtung von örtlichen Anzeigen für Veranstaltungen rund um Sonnewalde. Selbst die vielen Theater und das Kino Weltspiegel Finsterwalde standen im Krieg nicht still.

Foto 9: Anzeige der Theatervorstellungen im Gesellschaftshaus mit Programm.
Viele Anzeigen beschäftigen sich mit Dienstleistungen, Käufen und Verkäufen. Eine Anzeige von einem Kaufgesuch für ein Grundstück in der Sonnewalder Straße. Andere suchen dringend Arbeitskräfte. So generiert der Krieg beispielsweise die Tätigkeit einer Gartenfrau.

Foto 10: Anzeigen zur Mitarbeitersuche und Grundstück in der Sonnewalder Straße, vermutlich in Finsterwalde.

Fund auf der Baustelle

Aber woher stammen die Zeitungen und Zeitschriften? Ihre Geschichte begann im Februar 2020 auf einer Baustelle in Finsterwalde – mit einem aufmerksamen Bauarbeiter. Beim Abriss alter Ruinen entdeckte Bauarbeiter Manuel Neudeck in mehreren Türrahmen Bündel alter Zeitungen, teils stark beschädigt und verschimmelt, aber noch lesbar. Geistesgegenwärtig rettete er sie vor dem Container und übergab sie dem Hobbyfotografen Volker Kock. Wenig später kam ein weiterer Fund bei einer Haushaltsauflösung in Rückersdorf hinzu – auch hier war Neudeck der Retter der Stunde.

Einige Wochen später, Ende März 2020, kurz nach Beginn der Corona-Zeit, lagen die Zeitungsfragmente ausgebreitet auf Tischen in einer Finsterwalder Gartenlaube. Mit Pinsel, Pinzette, Skalpell und Bügeleisen begann die behutsame Reinigung.

Foto 11: Tisch in der Gartenlaube mit Zeitungsfragmenten.

Von der Gartenlaube ins Museum

Nach der Trocknung, Reinigung und fotografischen Erfassung fand im Juni 2022 beim Heimatabend der Heimatfreunde des Finsterwalder Heimatkalenders eine erste provisorische Sichtung statt. Sorgfältig in Schichten von Seidenpapier eingelegt, gelangten die Zeitungen im Herbst 2024 schließlich ins Dorfmuseum nach Kleinkrausnik, wo sie nun einer gründlicheren Auswertung harren.

Zweieinhalb Stunden sind zu schnell um. Zeit genug im diese Sammlung durchzusehen aber nicht gründlich zu sichten. Trotzdem, so die Einschätzung aller Beteiligten, ein Gewinn.
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Fotos: Vel Thurvik