Sonntag, 30. März 2025

Vom Pflasterstein zum Edelstein – Niederlausitzer Fundstücke -

 Ein Gerüstquarz als Halbedelstein


Hat nicht jeder von uns schon mal davon geträumt Edelsteine zu finden? Welche die so richtig groß sind? Mal so eine richtig große Klunker? In der Niederlausitz scheint das  möglich zu sein, im Landkreis Elbe-Elster im besonderen. Und ein fotografischer Sonntags-Streifzug am See führte zu einem ungewöhnlichen Fundstück.

Foto 01: Gerüstquarz mit Gesteinstrümmern.

Aus dem Sand an einer Feuerstelle am See, ragte eine gelbliche netzartige Oberfläche heraus. Für das geübte Auge das Muster eines Gerüstquarzes. Doch bei näherer Betrachtung sind kleine Teile mit den Eigenschaften eines Trümmer-Achats zu erkennen. Dazwischen befinden sich fast schlierenartig scharfkantige, Geröllbruchstücke des Wirtsgesteins.

Foto 02: Seitenansicht mit Druse und Trümmerfeld.
Die Bezeichnungen für Halbedelsteine sind nicht normiert sondern orientieren sich mehr am äußeren Erscheinungsbild. Nennen wir das Fundstück der Einfachheit halber Gerüstquarz, denn das Quarzgerüst überwiegt ganz offensichtlich.

Bestimmte Quarze wie Achat, Chalcedon, Amethyst, Bergkristall oder Jaspis, werden von den Sammlern in die Kategorie der Halbedelsteine eingeordnet. Achate fallen durch farbliche Intensität und strukturelle Vielfalt auf. Gerüstquarze mehr durch ihr ungewöhnliches netzartiges Muster. Beide Halbedelsteine sind in der Niederlausitz gar nicht so selten. Ursache sind Vorläuferflüsse von Elbe, Neiße, Spree und Elster, die in geologischer Vergangenheit die Niederlausitz mit ihren Sedimenten aufgefüllt haben. Dabei taten  sich die Vorläufer der Elbe besonders hervor.  

In der Holstein-Warmzeit, vor etwa 320 000 bis 300 000 Jahren, spülte die sogenannte Berliner Elbe mit ihren Sedimenten viele der oben genannte Edelsteine aus Sachsen und Böhmen in den Landkreis Elbe-Elster. In den Landkreisen Oberspreewald-Lausitz, in Teilen  der Oberlausitz und Spree-Neiße-Kreis erledigten das in der zweiten Hälfte des Tertiärs, also vom Miozän vor etwa 23 Millionen Jahren, bis zum Beginn der Eiszeiten vor 1,8 Millionen Jahren, die Senftenberger und Bautzener Elbeverläufe. Ihre mächtigen Kieslager künden noch heute vom Fleiß dieser Flüsse. Ein Grund weshalb im frühen Mittelalter die Niederlausitz ein bisschen Edelstein-Exportland war. Meist handelt es sich um Halbedelsteine von nur wenige Zentimetern. Hier zwei Beispiele von der Kemmener glazialen Hochfläche bei Calau.

Foto 03: Gelblich verfärbter Kemmener Achat vom Dezember 2023.

Foto 04: Kleiner Gerüstquarz vom Mühlberg bei Kemmen, Januar 2024. In der Mitte links sind kleine Kasten- oder Fensterquarze erkennbar.
Doch unser Fundstück hier fällt in jeder Hinsicht aus dem Rahmen. Erst mal durch seine Größe von wenigsten 15 x 10,5 x 10 Zentimeter.

Foto 05: Gerüstquarz mit Lineal zum Größenvergleich.
Ursprungsgestein ist eine Brekzie, ein zerbrochenes und wieder verkittetes Gestein. So etwas entsteht beispielsweise häufig bei Erdbeben, Gebirgsstürzen, Sedimentierung von Flussschottern oder Vulkanausbrüchen. Unser Fundstück hat als Wirtsgestein eine feinkörnige geschichtete Grauwacke. Sie enthält ein rotes Mineral, was aber in den Lösungsprozess der Kieselsäure nicht einbezogen wurde. Folglich den Gerüstquarz nicht einfärbte.

Foto 06 a: Nahaufnahme mit rotem Mineral in der Grauwacke.
Foto 06 b: Makroaufnahme mit rotem Mineral.
Wir können also von einem Erdbeben oder einer Geröllhalde eines Gebirgssturzes ausgehen. Vulkanische Gesteinsfragmente sind nicht enthalten. Da die meisten Gesteinsbruchstücke sehr scharfkantig sind, scheidet ein Transport durch Wasser oder Eis aus. Dafür sind zahlreiche kleine Hohlräume vorhanden. Möglicherweise handelt es sich um eine Störungs-Brekzie wie sie bei Erdbeben entstehen. Darauf deutet die auffällig starke Zerrüttung des Wirtsgesteines.

Foto 07: Nahaufnahme der skelettartigen Quarzgerüste und zahlreichen Hohlräumen.
In der Folgezeit wurden diese Hohlräume von kieselsäurehaltigen Wässern durchströmt. Die Kieselsäure setzte sich darin ab und bildete achatartige Absatzstrukturen. Doch offenbar stand für ein vollständiges Ausfüllen aller Zwischenräume nicht genug Kieselsäure oder Zeit zur Verfügung. Also entwickelte die vorhandene Kieselsäure entlang feiner elektrischer Felder ein typisches Gerüst. Es entstand ein Zwitter aus Gerüstquarz und Achat-Elementen.

Foto 08: Makro-Aufnahme mit feinem Netzwerk aus
gelblichen Quartzgerüsten und winzigen
Kristalldrusen.
An vielen Stellen blieben kleine, mit Quarzkristallen gefüllte, Drusen zurück. Wobei die verschiedenen Farben von den eingespülten Spurenelementen wie Eisenhydroxid und Mangan her rühren.

Foto 09: Nahaufnahme einer Druse mit kleinen Quarzkristallen.
Interessant: Eine der Oberflächen weißt eine Abnutzung auf, wie sie bei Pflastersteinen zu beobachten sind.

Foto 10: Abgenutzte Oberfläche des Gerüstquarzes.

Beim Mittelalterlichen Straßenbau wurden die Pflastersteine selten bearbeitet. Werkzeug war teuer. Also legten die Straßenbauer Steine etwa gleicher Größe möglichst passend aneinander. Seine Größe passt in etwa zu der üblicher mittelalterlicher Kopfsteinpflaster.

So wie es aussieht hat also unser Fundstück bereits eine Karriere als Pflasterstein hinter sich.

Ist das der größte Halbedelstein in der Niederlausitz?

Um das zu klären wurde eine Künstliche Intelligenz (KI) mit der Recherche beauftragt. Hier das Ergebnis:

Frage an ARIA: Wie groß sind die größten Edelsteine und Halbedelsteine in der Niederlausitz?

ARIA: In der Lausitz gibt es einige bemerkenswerte Funde von Edelsteinen und Halbedelsteinen, die in verschiedenen Tagebauen und geologischen Formationen entdeckt wurden. Hier sind einige der größten und bekanntesten:

Achate: In der Niederlausitz, insbesondere in den Tagebauen wie Welzow-Süd und Jänschwalde, wurden beeindruckende Achate gefunden. Diese können Größen von bis zu 30 cm im Durchmesser erreichen.

Amethyst: Amethyst-Kristalle, die in der Region vorkommen, können ebenfalls beachtliche Größen erreichen. Einige Exemplare wurden mit Längen von bis zu 15 cm dokumentiert.

Bergkristall: In den geologischen Formationen der Lausitz sind auch große Bergkristalle zu finden, die bis zu 20 cm lang sein können.

Fluss- und Trümmerachat: Diese Arten von Achaten, die aus Trümmern bestehen, können in der Lausitz in verschiedenen Größen gefunden werden, wobei einige Exemplare bis zu 10 cm groß sind.

Die Lausitz ist bekannt für ihre mineralreiche Geologie, und die Tagebaue bieten eine hervorragende Gelegenheit, verschiedene Edelsteine und Halbedelsteine zu entdecken.


Soweit die Antwort der KI.

Unser Fundstück vom See ist damit nicht der größte Halbedelstein, aber mit über 15 Zentimetern schon ungewöhnlich groß.

Wo kommt unser Fundstück her?

Das ist leider nicht feststellbar weil menschlicher Transport hier eine wichtige Rolle gespielt hat. Insgesamt ist das Fundstück stark abgerundet. Ein Zeichen für den Transport durch Wasser in einem größeren Fluss oder im Eis. Beides ist möglich. 

Aufgrund der oben gezeigten Abnutzungsspuren, ist von einem ehemaligen Pflasterstein auszugehen. Nach dem sein Leben als Pflasterstein endete, wurde er vermutlich in einer Halde im Tagebau verklappt, wo her Jahre später als Lagerfeuerbegrenzung wieder auftauchte.

Was bleibt?

Eine Brekzie, die nach Millionen Jahren zum Pflasterstein wurde und nun als Halbedelstein auf dem Schreibtisch steht. Doch sein Weg soll damit noch nicht zu Ende sein. Es soll einen Sitzplatz im Museum der Minerale und Fossilien in der Niederlausitz finden. Bis auf Weiteres also.
-----------------------------------------------------

Blog: Mit 8 Megapixeln durch die Niederlausitz.

Autor: Vel Thurvik
Fotos: Vel Thurvik

Samstag, 29. März 2025

Wenn die Wellen der Wüste das Licht sanft ersticken - Niederlausitzer Landschaften -

Dessert-Light

In der Niederlausitz findest Du viele verschiedene Landschaften. Manche davon sind vom Menschen versehentlich geschaffen. Die kleinen Tertiär-Wüsten am Rande der ehemaligen Tagebaue sind solche Landschaften.
Sandrippeln im Abendlicht am Bergheider See.
Mit der Bergbautätigkeit wurden auch die Sande und Kiese der tertiären Vorläufer der Elbe in der Niederlausitz freigelegt. Einer Zeit, lange vor den Eiszeiten. 

Heute wandern sie als feiner Flugsand entlang von Ufern der Bergbauseen. Nach heftigen Winden ergeben sie Gelegenheiten für ungewöhnliche Fotos.

Samstag, 22. März 2025

Wellen-Störung – Niederlausitzer Fundstücke -

 Es gibt Zufallsfotos, die sind vom Inhalt her einfach aber gerade da macht ihren besonderen Charme aus.

Wellen-Störung im ehemaligen Tagebau Lichterfeld.
In einem kleinen Dünenfeld stört ein kleiner verirrter Stein den Vormarsch der Sanddünen. Jedoch mit Eleganz. Dazu garniert die flach einfallende Abendsonne das Ganze zu einer kontrastreichen Komposition.

Angetroffen wurde dieses kleine Schauspiel am Rande des Bergheider Sees bei Lichterfeld in der Niederlausitz.

Samstag, 15. Februar 2025

Wenn das Betonpferd Besuch bekommt. – Niederlausitzer Begegnungen -

Verräterische Spuren im Schnee

Und von wegen, im Schlosspark ist nachts nichts los. Das gibt es Bewegungen die würde man auf den ersten Blick nicht erwarten .


Was die Beiden hier wohl zusammengeführt hat? Vermuten lässt sich viel. Aber wir wissen es nicht. Doch der frisch gefallene Schnee verrät es, den Besuch und den Besucher.

Natürlich ist das Ganze nicht völlig unbeobachtet von Statten gegangen. Da gibt es den kleinen Hühnerschwarm, dem nichts entgeht.

Hölzerner Hühnerschwarm im Schlosspark Lauchhammer.
Der hat, trotz seiner winterlichen Erstarrung, die Szene fest im Blick behalten. Doch die Gefahr des Verrates droht erst beim Auftauen. Warten wir ab was die Vier so zu erzählen haben.

Und im Untergrund des Parks wird fleißig gebuddelt. Natürlich auch Nachts. Wann sonst? Auch das verrät der Schnee. Was die da wohl treiben? Und ob da überhaupt Baugenehmigungen vorliegen?

Tunnelarbeiten im Untergrund des Schlossparkes Lauchhammer.
Doch auch im Untergrund gibt es Verspätungen. Hier hat wohl einer den Wecker nicht gehört.

Schlafmützen gibt es eben auch im Untergrund.
Erstarrung in Holz. Unheimliches ist nachts im Gange. Hat es hier ein Geist vor Tagesanbruch nicht mehr geschafft zu verschwinden? Nun scheint er im Holz gefangen zu sein. Mal sehen wie lange.

Holzgeist. Wer zu spät kommt den bestraft
der Tag.
Gruseliges hat sich also abgespielt, im winterlichen Schlosspark Lauchhammer. Nun sage noch einer in der Niederlausitz ist nachts  nichts los. In Gegenteil. Nachtleben eben mal anders.

-----------------------------------------------------
Blog: Mit 8 Megapixeln durch die Niederlausitz.

Autor: Vel Thurvik
Fotos: Vel Thurvik

Donnerstag, 13. Februar 2025

Kemmen und die Ankündigung von Schnee – Niederlausitzer Landschaften -

Ein Sonnenuntergang bring oft interessante Farbspiele hervor. So wie beispielsweise auf diesen beiden Fotos, aufgenommen auf der Glazialen Hochfläche bei Kemmen. Im Vordergrund der Funkmast von Kemmen am Nordhang des Mühlenberges.

Sonnenuntergang auf der Glazialen Hochfläche bei
Kemmen /Niederlausitz.
Es ist die Ankündigung des ersten Schnees in diesem Jahr. Ausgelöst von dem kleinen Tiefdruckgebiet Max, was kurz darauf die Rolle von Frau Holle übernimmt.

Bemerkenswert, von warmen Orangetönen und Rottönen bis hin zu sanften Violett- und Blautönen ist alles dabei. Ein schönes Farbenspiel. Leider nur kurze Zeit. Die Dunkelheit hatte es an diesem Abend eilig.

Dichter dran am Sonnenuntergang über Kemmen /Niederlausitz.
Hübsche Schleier aus Cirrostratus-Wolken kündigen den Wetterwechsel an. Schon am Sonntag machten sie sich über dem Westen der Niederlausitz bemerkbar.

Die Hügellandschaft um Kemmen und Säritz an der Klepna, bietet schöne Möglichkeiten für Spaziergänge, mit Aussicht auf nette Landschaftsfotos.

Montag, 20. Januar 2025

Historischer Schweißumformer von 1940 – Niederlausitzer Fundstücke -

Kjellbergs Eingehäuse-Schweißumformer KU 250

Die Auflösung eines alten Geschäftes bietet ab und zu unerwartete historische Einblicke in die Geschichte unserer Region. So geschehen im Oktober 2024. Torsten Ratke, Chef der BCG Officeconsult in Finsterwalde, kam zufällig an der Beräumung des ehemaligen Wasser- und Heizungsgeschäfts Lilge vorbei. Das Geschäft befand sich in der Langen Straße in Finsterwalde /Niederlausitz. Im Vorbeigehen fiel ihm auf dem Hof ein unförmiges Schweißgerät ins Auge. Seine eisernen Räder deuteten auf ein hohes Alter hin.

Wie aus dem Typenschild hervorgeht, handelte es sich um den Schweißumformer KU 250 der Firma Kjelberg GmbH aus dem Jahr 1940.

Foto 1: Schweißumformer Typ KW 250 der Firma Kjellberg Elektroden&Maschinentechnik GmbH in Finsterwalde.
Kurz darauf trat das Gerät unter lautem Rumpeln seine Reise in Richtung Bahnhof Finsterwalde an.

Einige Wochen später fand sich die Gelegenheit das 85 Jahre alte Gerät zu fotografieren. Wie die anschließenden Fotos zeigen, handelt es sich auf den ersten Blick um eine einfache und sehr robuste Konstruktion. Doch das „Einfache“ dabei sollte sich alsbald als Irrtum herausstellen. Bei den Recherchen zeigte sich ein mit erheblicher Raffinesse konstruierter Schweißumformer, der zum Welterfolg wurde. Mehr dazu weiter unten.

Foto 2: Torsten Ratke bei der Inspektion des KU 250.
Auf einem massiven Stahl-Chassis befinden sich ein vierpoliger Drehstrommotor vom Typ AD 56/4 mit der Nummer 797239, eine durchlaufende Welle und auf der anderen Seite der Gleichstrom-Schweißgenerator mit der Nummer 51940.

Foto 3: Typenschild Drehstrommotor.
Mittig auf der Konstruktion sitzt die Steuereinheit für den Schweißumformer. Auf der Innenseite der robusten Abdeckung für die beiden Anzeigen, ist die Schaltungs- und Bedienungsanweisung aufgedruckt. Für jeden Nutzer leicht verständlich, der über ausreichend Kenntnisse in der Elektrotechnik verfügt.

Foto 4: Abdeckung der Messgeräte für Spannung (links) und Stromstärke (rechts) des Schweißgenerators mit aufgedruckter Bedienungsanweisung.
Die Schrift ist groß und auch nach den vielen Jahren wirkt deren gelbe Farbe noch frisch. Wer da an heutige Bedienungsanleitungen denkt, die nicht selten Plakatgröße haben und oft in so winziger Schrift gedruckt sind, dass selbst mit Lupe das Lesen schwierig werden kann, der bekommt vor dem Pragmatismus der Konstrukteure der damaligen Zeit Respekt.

Das Ganze ist von einem gefederten Handwagen mit Stahlrädern unterbaut. Zur Federung dienen Blattfedern.

Foto 5: Blattfederkonstruktion unter dem Handwagen.
Zwei massive Stahlösen auf dem Umformer machen es möglich den KU 250 mit Kran oder Lastenzug in die Höhe zu heben.

Foto 6: Massive Stahlösen auf dem Gerät und die
verlängerte Lagerbuchse am Schweißgenerator.
Um den Schweißumformer sind drei lange Kabel für den Drehstromanschluss, die Masse und das Schweißkabel gewunden. Erstaunlich, dass Gerät hat einen modernen IEC 60309 Mehrphasenstecker (Kraftstromstecker)!

Foto 7: Stecker IEC 60309.
An der Masse-Klemme ist die Reparatur der Isolierung mit modernem Baumontageband erfolgt.

Foto 8: Massenklemme mit reparierter Isolierung.
Ergo wurde der Schweißumformer bis in neuste Zeit noch verwendet. Auch die Gebrauchsspuren an der Masse und am Schweißkabel zeigen das. Möglicherweise könnte das Gerät noch funktionstüchtig sein. Doch zum testen blieb leider keine Zeit. Wir können jedoch davon ausgehen.

Auf der Deichselseite befindet sich der Gleichstrom-Schweißgenerator. Hervorstechendes Merkmal die verlängerte Lagerbuchse.

Foto 9: Typenschild des Scheißgenerator KU 250.
Bei der anschließenden Recherche stellten sich interessante Fakten heraus. Hergestellt wurde der Schweißumformer als KU-Serie seit 1930. KU 250 bezeichnet gleichzeitig die maximale Leistungsklasse in Ampere. Gebaut wurden solche Geräte in der Regel bis 500 Ampere. Diese Eingehäuse-Schweißumformer der Firma Kjellberg sind für hohe Beanspruchungen konzipiert. Und das leisten sie auch. Wie aus der Bedienungsanweisung oben hervor geht und in der Elektrotechnischen Zeitschrift, Jahrgang 59, Heft 9 von 1938 nachzulesen ist, eigneten sich diese Umformer zum Betrieb mit Wechselstrom als auch Gleichstrom. Etwas was zu damaliger Zeit nicht verwunderlich war. Zu dieser Zeit (20er bis 40er Jahre), wurden noch viele Stromnetze mit Gleichstrom betrieben. Ein Relikt aus der Anfangszeit der Elektrizität. Die Umrüstung auf Wechselstrom war immer noch in vollem Gange. Beispielsweise wurde der Bahnhof Finsterwalde /Niederlausitz erst 1934 auf Wechselstrom umgestellt. Bei der Größe des Bahnhofes mit allen Stellwerken, Diensträumen und Werkstätten, sicher eine Herausforderung.

Der Schweißumformer KU 250 kann in zwei Leistungsmodi betrieben werden, bis 120 Ampere und darüber. Der Wechsel erfolgt über einen eingebauten Regler oder alternativ über Fernregler.

Foto 10: Rechts der Regler 0, Y, Delta für die Leistungsmodi des Schweißgenerators.
Links die Wählscheibe für die Schweißdraht stärken.
Und damit nichts schief geht, ist die Kontaktbelegung als Skizze gleich auf der Bedienungsanweisung im Deckel aufgedruckt. Siehe Foto 4 oben.

Ein weiterer interessanter Punkt, es können zwei Geräte parallel betrieben werden. Auch dafür ist die Kontaktbelegung auf der Bedienungsanweisung enthalten. Siehe Foto 4, linke Skizze.

Laut Typenschild kann der Drehstrommotor zwischen 190 und 500 Volt Kraftstrom betrieben werden. Bei den damals noch sehr unterschiedlichen Stromnetzen, ein erheblicher Vorteil.

Mit einer speziell angeordneten Wicklung im Gleichstrom-Schweißgenerator, die als gegenkompoundiert bezeichnet wird, war es den Kjellberg-Geräten möglich eine bessere Spannungsstabilität des Schweißstromes zu erreichen. Bei den beim Schweißen automatisch auftretenden wechselnden Lasten, ein Vorteil. Folge: Ein besserer Wirkungsgrad des Schweißgenerators. Selbst auf rostigen Oberflächen entstand so schnell ein Lichtbogen.

Mehr zur Gegen-Kompensationswicklung bei Gleichstromgeneratoren hier:  Die Kompensationswicklung

Wie sich nach der Markteinführung 1930 zeigte, führte die hohe Leistung der Schweißumformer im Gehäuse zu hohen Temperaturen. Die Geräte mussten zum abkühlen zwischenzeitlich abgeschaltet werden. Ab 1932 rüstete Kjellberg deshalb seine Geräte mit einem auf die Welle montierten Lüfter aus. Zwei Schlitze mit Lüftungsgitter an der Unterseite, sorgten für Frischluft im Gehäuse. Mit 1450 Umdrehungen pro Minute löste so ein ordentlicher Luftzug das thermische Problem.

Am Steuerteil befindet sich links eine Wählscheibe zur Berechnung der erforderlichen Schweißdrahtstärken, für entsprechend zu schweißende Materialstärken und erforderliche Schweißleistung. Simpel, leicht verständlich, wetterfest und sehr praktisch.

Foto 11: Wählscheibe für die erforderlichen Schweißdrahtstärken, Stromstärken
und der Schaltregler für die Lasteinstellungen.
Der Schweißgenerator liefert Spannungen zwischen 15 und 25 Volt und Schweißströme zwischen 30 bis 250 Ampere. Wie aus der Wählscheibe zu erkennen, ermöglicht das sehr unterschiedliche Materialstärken zu schweißen. Dabei behält das Gerät einen gleichbleibenden Wirkungsgrad von 70 Prozent ED bei, auch bei 100% Leistung. ED steht dabei für die Einschaltdauer bis das Gerät abkühlen muss, um es vor Überhitzung zu schützen. Ein solcher Wert galt in der damaligen Elektrotechnik für leistungsfähige Maschinen als ein sehr guter Wert. Das ermöglicht eine hohe Dauerschweißleistung. Folglich stellten die Kjellberg-Schweißumformer sehr wirtschaftliche Maschinen dar.

Die Anspruchslosigkeit bei der Stromversorgung und die Breite der Einsatzmöglichkeiten, führten zu einer hohen Flexibilität der Schweißumformer und begründeten damit in der Schweißtechnik den zweiten wichtigen Erfolg der Firma Kjellberg Elektroden & Maschinentechnik GmbH.

Foto 12: Messing-Logo der Firma Kjellberg Elektroden und Maschinentechnik GmbH 1940.
Mehr zur Geschichte der Schweißtechnik der Firma Kjellberg ist hier nachzulesen: Geschichte der Schweißtechnik der Firma Kjellberg

Ursprünglich waren die Geräte nur für den Einsatz in Werkstätten gedacht. Doch wegen ihrer Robustheit und Flexibilität, setzten sich die Kjellberg-Geräte in kurzer Zeit in vielen Metallbereichen Europas durch. Besonders in der Bauindustrie, dem Maschinenbau und der Schiffsfahrtsindustrie waren die Geräte sehr beliebt. In der Folge entstanden über weite Teile Europas verteilt Vertretungen und ein Händlernetz.

Foto 13: Anzeige der Vertretung Walter Siewert in Danzig 1940.
Etwa ab 1936 wurde Kjellberg zum Weltmarktführer für leistungsfähige Lichtbogen-Schweißtechnik. Wie aus den elektrotechnischen Zeitschriften und Fachzeitschriften zu entnehmen ist, war die Kjellberg Elektroden & Maschinentechnik GmbH ständiger Gast bei den Messen in Europa.

Was bleibt?

Ein interessantes Stück Niederlausitzer Technikgeschichte was vor dem Verschrotten gerettet wurde. Dazu entpuppte sich der Schweißumformer als eine erstaunlich raffiniert Konstruktion, was zweifellos den Stand der damaligen Leistungs-Elektrotechnik repräsentierte. Mit diesen Eigenschaften wurden diese Geräte bis lange nach dem Krieg zum Welterfolg und wurden erst durch die Entwicklung der Leistungselektronik verdrängt.

Sonntag, 29. Dezember 2024

Spaziergang im Fadenwald – Niederlausitzer Winterfotos -

Frost gehört zu den Naturerscheinungen, die unsere Umwelt mindestens optisch immer wieder bereichern. Oft auf völlig verschiedene Weise. Also immer auch eine Gelegenheit für reizvolle Winterfotos.

 Baum mit Fäden.

Auf dem Weg in die südwestlichste Ecke der Niederlausitz, fiel im Finsterwalder Becken zwischen Fischwasser und Rückersdorf so ein schöner Fadenwald auf. Im Licht der tiefstehenden Wintersonne bot sich folgendes Bild:

Eine Minute später, die Kamera in der Hand, begann ein faszinierender Spaziergang.
Faden-Land.
Frost an allem was da ist.
Zwischen den Bäumen hatte sich noch Nebel vom Morgen gehalten, was dem Spaziergang eine besondere zauberhafte Note verlieh. Jeden Augenblick, so schien es, als könnten Elfen oder Zauberwesen in ihrem Reich nach dem Rechten sehen.
Zauberwald bei Fischwasser? Nein alles nur Nebel.
Bemerkenswert, dieses kleine Naturschauspiel trat kurz nach Weihnachten auf. Also Ende Dezember. Welche Spinnenarten haben es noch so spät im Jahr geschafft ihre Netze zu spinnen? Trotz bereits vorhergehendem schlechten Wetter, Sturm und Frostnächten.

Fadenwälder sind weder klassische Wälder noch Urwälder, selbst wenn mancher Urwald aufgrund der Flechten und Moose so aussieht. Fadenwälder sind eine Naturerscheinung. Wir kennen sie meist aus den Herbstmonaten. Ursache sind Spinnenfäden an denen Luftfeuchtigkeit kondensiert. In diesen Fall war es nächtlicher Kältenebel. Der Frost verwandelte dann die winzigen Tröpfchen in Raureif. Ohne längere windstille Zeit funktioniert das natürlich nicht. Gegenwärtige bietet das Hochdruckgebiet mit seiner Inversionswetterlage dafür beste Voraussetzungen.

Raureif im Märchenwald.
Es ist Winter. Verfall überall. 
Sonne und Wind sind größten Feinde des filigranen Naturwunders. Lassen sie sich also von dem flüchtigen schönen Schauspiel einfangen.
Raureif am seidenen Faden, im wörtlichen Sinne.
Gelingt es dem blauen Himmel den wabernden Nebel im Wald kurzzeitig zu durchdringen, bekommt dieser einen blauen Touch. Ein schönes, fast mystisches, Schauspiel.
Blauer Nebel im Wald.
Auftauen am Eichenstamm mit Krustenflechte und Spinnenfäden.
Im Schutz des Waldes konnte so der Fadenwald bis über die Mittagszeit überdauern. Am Boden hat längst das Auftauen begonnen.
Sonne und Tau auf Zypressen-Schlafmoos (Hypnum cupressiforme).

Scotty beam my up ...
Nein hier hier wird nicht gebeamt. Wir bleiben auf dem Boden der Natur.

Drei Stunden später, auf der Rückfahrt von den Massdorfer Teichen, hat sich der Fadenwald buchstäblich in Dunst aufgelöst.