Ein Gerüstquarz als Halbedelstein
Hat nicht jeder von uns schon mal davon geträumt Edelsteine zu finden? Welche die so richtig groß sind? Mal so eine richtig große Klunker? In der Niederlausitz scheint das möglich zu sein, im Landkreis Elbe-Elster im besonderen. Und ein fotografischer Sonntags-Streifzug am See führte zu einem ungewöhnlichen Fundstück.
Foto 01: Gerüstquarz mit Gesteinstrümmern. |
Aus dem Sand an einer Feuerstelle am See, ragte eine gelbliche netzartige Oberfläche heraus. Für das geübte Auge das Muster eines Gerüstquarzes. Doch bei näherer Betrachtung sind kleine Teile mit den Eigenschaften eines Trümmer-Achats zu erkennen. Dazwischen befinden sich fast schlierenartig scharfkantige, Geröllbruchstücke des Wirtsgesteins.
Foto 02: Seitenansicht mit Druse und Trümmerfeld. |
Bestimmte Quarze wie Achat, Chalcedon, Amethyst, Bergkristall oder Jaspis, werden von den Sammlern in die Kategorie der Halbedelsteine eingeordnet. Achate fallen durch farbliche Intensität und strukturelle Vielfalt auf. Gerüstquarze mehr durch ihr ungewöhnliches netzartiges Muster. Beide Halbedelsteine sind in der Niederlausitz gar nicht so selten. Ursache sind Vorläuferflüsse von Elbe, Neiße, Spree und Elster, die in geologischer Vergangenheit die Niederlausitz mit ihren Sedimenten aufgefüllt haben. Dabei taten sich die Vorläufer der Elbe besonders hervor.
In der Holstein-Warmzeit, vor etwa 320 000 bis 300 000 Jahren, spülte die sogenannte Berliner Elbe mit ihren Sedimenten viele der oben genannte Edelsteine aus Sachsen und Böhmen in den Landkreis Elbe-Elster. In den Landkreisen Oberspreewald-Lausitz, in Teilen der Oberlausitz und Spree-Neiße-Kreis erledigten das in der zweiten Hälfte des Tertiärs, also vom Miozän vor etwa 23 Millionen Jahren, bis zum Beginn der Eiszeiten vor 1,8 Millionen Jahren, die Senftenberger und Bautzener Elbeverläufe. Ihre mächtigen Kieslager künden noch heute vom Fleiß dieser Flüsse. Ein Grund weshalb im frühen Mittelalter die Niederlausitz ein bisschen Edelstein-Exportland war. Meist handelt es sich um Halbedelsteine von nur wenige Zentimetern. Hier zwei Beispiele von der Kemmener glazialen Hochfläche bei Calau.
Foto 03: Gelblich verfärbter Kemmener Achat vom Dezember 2023. |
Foto 04: Kleiner Gerüstquarz vom Mühlberg bei Kemmen, Januar 2024. In der Mitte links sind kleine Kasten- oder Fensterquarze erkennbar. |
Foto 05: Gerüstquarz mit Lineal zum Größenvergleich. |
Foto 06 a: Nahaufnahme mit rotem Mineral in der Grauwacke. |
Foto 06 b: Makroaufnahme mit rotem Mineral. |
Foto 07: Nahaufnahme der skelettartigen Quarzgerüste und zahlreichen Hohlräumen. |
Foto 08: Makro-Aufnahme mit feinem Netzwerk aus gelblichen Quartzgerüsten und winzigen Kristalldrusen. |
Foto 09: Nahaufnahme einer Druse mit kleinen Quarzkristallen. |
Foto 10: Abgenutzte Oberfläche des Gerüstquarzes. |
Beim Mittelalterlichen Straßenbau wurden die Pflastersteine selten bearbeitet. Werkzeug war teuer. Also legten die Straßenbauer Steine etwa gleicher Größe möglichst passend aneinander. Seine Größe passt in etwa zu der üblicher mittelalterlicher Kopfsteinpflaster.
So wie es aussieht hat also unser Fundstück bereits eine Karriere als Pflasterstein hinter sich.
Ist das der größte Halbedelstein in der Niederlausitz?
Um das zu klären wurde eine Künstliche Intelligenz (KI) mit der Recherche beauftragt. Hier das Ergebnis:
Frage an ARIA: Wie groß sind die größten Edelsteine und Halbedelsteine in der Niederlausitz?
ARIA: In der Lausitz gibt es einige bemerkenswerte Funde von Edelsteinen und Halbedelsteinen, die in verschiedenen Tagebauen und geologischen Formationen entdeckt wurden. Hier sind einige der größten und bekanntesten:
Achate: In der Niederlausitz, insbesondere in den Tagebauen wie Welzow-Süd und Jänschwalde, wurden beeindruckende Achate gefunden. Diese können Größen von bis zu 30 cm im Durchmesser erreichen.
Amethyst: Amethyst-Kristalle, die in der Region vorkommen, können ebenfalls beachtliche Größen erreichen. Einige Exemplare wurden mit Längen von bis zu 15 cm dokumentiert.
Bergkristall: In den geologischen Formationen der Lausitz sind auch große Bergkristalle zu finden, die bis zu 20 cm lang sein können.
Fluss- und Trümmerachat: Diese Arten von Achaten, die aus Trümmern bestehen, können in der Lausitz in verschiedenen Größen gefunden werden, wobei einige Exemplare bis zu 10 cm groß sind.
Die Lausitz ist bekannt für ihre mineralreiche Geologie, und die Tagebaue bieten eine hervorragende Gelegenheit, verschiedene Edelsteine und Halbedelsteine zu entdecken.
Soweit die Antwort der KI.
Unser Fundstück vom See ist damit nicht der größte Halbedelstein, aber mit über 15 Zentimetern schon ungewöhnlich groß.
Wo kommt unser Fundstück her?
Das ist leider nicht feststellbar weil menschlicher Transport hier eine wichtige Rolle gespielt hat. Insgesamt ist das Fundstück stark abgerundet. Ein Zeichen für den Transport durch Wasser in einem größeren Fluss oder im Eis. Beides ist möglich.
Aufgrund der oben gezeigten Abnutzungsspuren, ist von einem ehemaligen Pflasterstein auszugehen. Nach dem sein Leben als Pflasterstein endete, wurde er vermutlich in einer Halde im Tagebau verklappt, wo her Jahre später als Lagerfeuerbegrenzung wieder auftauchte.
Was bleibt?
Blog: Mit 8 Megapixeln durch die Niederlausitz.
Autor: Vel Thurvik
Fotos: Vel Thurvik