Wie der kleine Ort Hillmersdorf in der Geologie ein bekannter Name wurde
Am Ostrand des Schliebener Beckens befindet sich der kleine Ort Hillmersdorf. Die Hanglage des Ortes lässt einen guten Einblick in das Schliebener Becken zu.
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| Hillmersdorf am Ostrand des Schliebener Beckens. |
Was aber kaum bekannt ist, unter dem Ort lauerte bereits im Jahre 1876 eine handfeste geologische Überraschung. Im Auftrag der preußischen Bezirksregierung, erbohrten Geologen auf der Suche nach Rohstoffen den Ostrand der Mitteldeutschen Rotliegenden-Senke. In Anbetracht der Nähe des Lausitzer Granitkomplexes, hat damals kein Wissenschaftler so weit östlich mit Schichten des Oberrotliegenden gerechnet, was Anlass zu allerlei geologischen Thesen gab.
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| Vereinfachte geologische Skizze zum Rotliegenden Region Herzberg/Elster-Schliebener Becken. Quelle: Geologischer Atlas des Landes Brandenburg |
Offenbar waren dem Geologe und Paläontologe Axel Born (geb. 1887 in Prenzlau), die Erkundungen beim Dorf Hillmersdorf so wichtig, dass er es auf seiner veröffentlichten Handskizze für jungpaläozoische kontinentale Geosynklinalen Mitteleuropas eintrug, obwohl dort meist nur Städte ihren Nachweis fanden.
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| Ausschnitt aus einer Skizze von Axel Born der jungpaläozoische kontinentale Geosynklinalen Mitteleuropas. |
„Unterhalb des Tertiärs wurden in Hillmersdorf nacheinander die Formationen des Buntsandsteins (Trias), Zechsteins (Unter- und Mittelperm) und des Rotliegenden (oberen Perm) erbohrt. Die Bezeichnungen werden den meisten noch aus der Schulzeit bekannt sein.“„So kam es Ende des 19. Jahrhunderts, dass der eher unbedeutende niederlausitzer Ort Hillmersdorf in Geologie und Wissenschaft einen unerwarteten Bekanntheitsgrad erreichte und in der geologisch-wissenschaftlichen Literatur zu einem Begriff wurde.“
Etwa 80 Jahre später setzte erneut eine intensive Rohstoffsuche ein. Im Auftrag der Wismut bohrten sich Geologen durch die Niederlausitz, also auch durch das Schliebener Becken. Und auch diesmal sollte der Ort Hillmersdorf wieder mit Interessantem aufwarten.
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| Hillmersdorf. Blick vom Ortsrand in das Schliebener Becken. |
Hier stießen die Geologen auf die Ausläufer der südlichen Phyllit-Zone, die von mehreren geologischen Störungen begrenzt wird, darunter eine so wichtige geologische Grenze wie die Herzberger Störung. Sie begrenzt die Mitteldeutsche Kristalline Zone (MKZ) im Norden von der südlichen Phyllit-Zone. Als Hillmersdorfer Formation geht diese Zone damit in die geologische Literatur ein.
Was ist Phyllit? Bei diesem Gestein handelt es sich um einen metamorph überprägten feinkristallinen Tonschiefer. Seine feinen Schichten zeichnen sich durch einen seidigen Glanz aus, der ihm sein charakteristisches Aussehen gibt. In ihm bilden sich typische neue Minerale wie Quarz, Feldspat, Chlorite, Augit, Turmaline und Eisenoxide.
In den 70er Jahren führten weitere Untersuchungen des tieferen geologischen Untergrundes zur Entdeckung des Hillmersdorfer Teilblocks, einer Formation der Senftenberger Blockstruktur im Vorfeld des Lausitzer Massivs.
Mit der Entwicklung neuer Technologien fand auch die Schwerefeldmessung Eingang in die Geologie. Empfindliche Geräte messen dabei die Verteilung der Schwerkraft auf der Oberfläche des Planeten. Aufgrund unterschiedlicher Dichten von Gesteinen ist auch die Schwerkraft nicht gleichmäßig verteilt.
Auch hier sollte Hillmersdorf wieder eine bedeutende Rolle in der Brandenburger Geologie spielen. Bereits bei Messungen Anfang 1925 fielen dem Geologen Axel Born und weiteren Fachleuten in einer schmalen Zone von Hillmersdorf bis über Sonnewalde hinaus erhebliche positive Störungen des Schwerefeldes der Erde auf. Diese korrespondierten mit Magnetfeldanomalien aus den Messungen des Erdmagnetfeldes. Als Hillmersdorfer-Sonnewalder Schwereanomalie, mit den höchsten Werten der Bouguerschwerestörung in Brandenburg überhaupt, ging diese Zone in die geologische Literatur ein. Die Hillmersdorfer-Sonnewalder Anomalie ist ein Bestandteil des Niederlausitzer Schwerehochs, das östlich von Calau den Spreewald erreicht.  |
Skizze der Lage des Hillmersdorfer-Sonnewalder Schwerehoch. Grundkarte: Open Street Map |
Die Bouguerschwere, auch Gravitationsanomalie genannt, wird in der Geophysik als Messgröße verwendet und in Milligal (mGal) angegeben. 1 mGal entspricht 0,001 Gal oder 0,001 m/s². Eine Umrechnung in Gramm ist nicht ohne Weiteres möglich, da es sich um verschiedene Maßeinheiten handelt. Mehr zur Bouguerschwere hier:
Bouguerschwere /Schwereanomalie
Als Ursache dieser positiven Störung des Schwerefeldes zwischen Hillmersdorf und Sonnewalde nehmen Geologen einen im tieferen Untergrund steil aufragenden, langgestreckten Magmakörper aus verschiedenen basischen Gesteinen an, sogenannte Metadiabase. In der Nähe von Calau wurde bei Erkundungsbohrungen das Gestein Diabas angetroffen. Diabas ist ein basisches Tiefengestein mit einer Dichte von 2,85 g/cm³ (Gramm pro Kubikzentimeter). Es handelt sich um ähnlich zusammengesetzte Gesteine wie Basalt, nur dass es nicht die Erdoberfläche erreichte. Durch seine langsame Abkühlung in der Tiefe bildete es gröbere Kristalle und hat oft einen grau-grünlichen Farbton. Zum Vergleich: Lausitzer Granite und Granodiorite haben eine Dichte von 2,62 bis 2,72 g/cm³. Dieser scheinbar unwesentliche Dichteunterschied sorgt für eine etwas höhere Schwerkraft. Somit sind die Hillmersdorfer und Sonnewalder Einwohner zweifellos die schwersten Brandenburger, auch wenn man den Betrag auf einer gewöhnlichen Personenwaage eher nicht feststellen kann.
Damit hat Hillmersdorf gleich in mehrfacher Hinsicht in der Geologie einen bedeutenden Namen erhalten, der den kleinen Ort über die Landesgrenzen hinaus bekannt gemacht hat.-----------------------------------------------------
Quellen:
Südliche Phyllitzone (SPZ) im Abschnitt Bitterfeld-Döbern (26)
Autoren: Peter Bankwirt, Jürgen Kopp, Bernd Buschmann, Dezember 2001
Wikipedia.de; https://de.wikipedia.org/wiki/Phyllit#
Die nordsudetische Rahmenfaltung. Eine vergleichend geotektonische Studie über den jung-saxonischen Faltungsmechanismus in den Nordsudeten.
Von Dr. Kurt Beyer, Halle (Saale).
Werner Stackebrandt, Volker Mahnhenke (2010) Atlas zur Geologie von Brandenburg, Landesamt für Bergbau, Geologie und Rohstoffe, Cottbus
Axel Born
Über jungpaläozoische kontinentale Geosynklinalen Mitteleuropas.
Frankfurt am Main 1921, mit Handskizze der jungpaläozoische kontinentale Geosynklinalen Mitteleuropas
Axel Born
Beziehungen zwischen Schwerezustand und geologischer Struktur Deutschlands, in: Betrachtungen zum Problem der Massenverteilung im Erdkörper, 1925, S. 1-60 (Tafel I: Isanomalenkarte v. Dtld.).
Dietrich Franke
Geologie von Ostdeutschland (Sachsen, Thüringen, Sachsen-Anhalt, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern)
Ein Kompendium (Stand 16.02.2021)
Internetseite: Regionalgeologie Ostdeutschlands
Geologische Geschichte der Niederlausitz
Geh. Bergrat Professor Dr. K. Keilhack
Berlin Wilmersdorf 1905
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Blog: Mit 8 Megapixeln durch die Niederlausitz.
Autor: Vel Thurvik
Fotos: Vel Thurvik