Sonntag, 1. Februar 2026

Zeitungsschau mal anders, historisch – Niederlausitzer Fundstücke -

Ein sonntäglicher Blick in alte Zeitungen und in schwierige Zeiten unserer Region.


Was haben vier ehrenamtlich Engagierte, eine Baustelle in Finsterwalde, eine Gartenlaube und der Museumskeller in Kleinkrausnik gemeinsam? Aus alten, fast entsorgten Zeitungsbündeln entsteht hier ein lebendiges Bild vom Leben zwischen Kriegsnot, Preiserhöhungen und Tanzvergnügen in der Niederlausitz.

Wer erinnert sich noch an die Tradition der Zeitungsschau – meist an freien Tagen und im Kreis der Familie? Inzwischen ist diese Gewohnheit weitgehend den modernen Medien zum Opfer gefallen. Doch manchmal, versteckt in den Kellern unter Museen, erwacht diese alte Art der Informationsgewinnung kurzzeitig zu neuem Leben. So geschehen am 11. Januar 2026 in Kleinkrausnik. An diesem Sonntagvormittag trafen sich ein Historiker, zwei Bodendenkmalpfleger und ein Fotograf – alles ehrenamtlich Engagierte –, um einen Blick mehr als 100 Jahre zurück in die Geschichte der Region um Sonnewalde, Finsterwalde, Doberlug und die umliegenden Dörfer zu werfen.

Der Anlass? Eine große Kiste mit historischen Originalzeitungen, Zeitschriften, Werbeanzeigen, Postkarten und anderen Fundstücken aus der Zeit zwischen März 1918 und etwa 1948.

Foto 1: Im Keller des Dorfmuseums Kleinkrausnik – die Bodendenkmalpfleger Bernd Jühnichen (Mitte) und Manuel Franke (links) gemeinsam mit Regionalhistoriker und Museumsleiter Norbert Zach (rechts). Hinter der Kamera: Volker Kock.

Ziel der vier war es, Veröffentlichungen historischer Gesetze, Verordnungen, Bestimmungen und Bekanntmachungen zu finden, die in unmittelbarem Zusammenhang mit dem Leben der Menschen in unserer Region standen. So begann ein kurzweiliger Vormittag mit zahlreichen interessanten Einblicken in das Leben jener Zeit – insbesondere in die letzten Monate des Ersten Weltkriegs.

Foto 2: Zeitungsfragmente in Seidenpapier sorgsam aufbewahrt.

Da die Zeitungen teils stark fragmentiert und beschädigt sind, lassen sich ihre ursprünglichen Titel und Verlage oft nicht mehr eindeutig bestimmen – geschweige denn zuordnen. Der Aufwand für eine genaue Rekonstruktion wäre unvertretbar hoch (siehe Foto 2 oben).

Beginnend mit Ausgaben aus dem März 1918, arbeiteten sich die Beteiligten durch Zeitschriften, Werbeblätter, Anzeigen und Kataloge. Dabei wurde ein sehr differenziertes Bild des damaligen Lebens sichtbar. Das Kriegsgeschehen und die politischen Verwerfungen jener Zeit bildeten den Hintergrund des Geschehens. Deutlich wurden sie in zahlreichen Todesanzeigen Gefallener – darunter auch manche bekannten Familiennamen.

Foto 3: Zeitungsfragment einer Lokalzeitung mit Gefallenen-Anzeigen.

Mangelwirtschaft und Alltagsleben


Viele Veröffentlichungen befassten sich mit den schwierigen Lebensverhältnissen jener Zeit. Preislisten und Ausgabetage bestimmter Lebensmittel bestimmten häufig die Lokalseiten und beeinflussten die täglichen Abläufe der Familien teils drastisch. Frühzeitiges Zeitungsstudium erhielt dadurch eine beinahe existentielle Bedeutung – wer zu spät kam ging leer aus.

Foto 4: Verkaufstage von Lebensmitteln auf Karten.
Sie zeigten eine ausgeprägte Mangelwirtschaft, verbunden mit Preissteigerungen aller Art. Viele Lebensmittel und Heizmaterialien waren an Bezugsscheine gebunden, deren Vergabe durch den Landrat und die Kommunen geregelt wurden.

Foto 5: Anweisungen des königlichen Landrats zur Abgabe von Kohlenbezugsscheinen.
Auch vor der Eisenbahn in Finsterwalde machten die Tariferhöhungen nicht Halt – eine Tabelle kündigte neue Fahrpreise an.

Foto 6: Fahrpreiserhöhungen der Eisenbahn in Finsterwalde im April 1918.
Doch die Zeitungen zeigen auch ein anderes Leben: Trotz aller Probleme wurde häufig gefeiert. So berichten zahlreiche Anzeigen von Maskenbällen, Bockbierfesten und Tanzveranstaltungen.

Foto 7: Anzeige eines Maskenballs in Ossak bei Sonnewalde.
Foto 8: Bernd Jühnichen, Manuel Franke und Norbert Zach bei der Sichtung von örtlichen Anzeigen für Veranstaltungen rund um Sonnewalde.
Selbst die vielen Theater und das Kino Weltspiegel standen im Krieg nicht still.

Foto 9: Anzeige der Theatervorstellungen im Gesellschaftshaus mit Programm.
Viele Anzeigen beschäftigen sich mit Dienstleistungen, Käufen und Verkäufen. Eine Anzeige von einem Kaufgesuch für ein Grundstück in der Sonnewalder Straße. Andere suchen dringend Arbeitskräfte. So generiert der Krieg beispielsweise die Tätigkeit einer Gartenfrau.

Foto 10: Anzeigen zur Mitarbeitersuche und Grundstück in der Sonnewalder Straße, vermutlich in Finsterwalde.

Fund auf der Baustelle

Aber woher stammen die Zeitungen und Zeitschriften? Ihre Geschichte begann im Februar 2020 auf einer Baustelle in Finsterwalde – mit einem aufmerksamen Bauarbeiter. Beim Abriss alter Ruinen entdeckte Bauarbeiter Manuel Neudeck in mehreren Türrahmen Bündel alter Zeitungen, teils stark beschädigt und verschimmelt, aber noch lesbar. Geistesgegenwärtig rettete er sie vor dem Container und übergab sie dem Hobbyfotografen Volker Kock. Wenig später kam ein weiterer Fund bei einer Haushaltsauflösung in Rückersdorf hinzu – auch hier war Neudeck der Retter der Stunde.

Einige Wochen später, Ende März 2020, kurz nach Beginn der Corona-Zeit, lagen die Zeitungsfragmente ausgebreitet auf Tischen in einer Finsterwalder Gartenlaube. Mit Pinsel, Pinzette, Skalpell und Bügeleisen begann die behutsame Reinigung.

Foto 11: Tisch in der Gartenlaube mit Zeitungsfragmenten.

Von der Gartenlaube ins Museum

Nach der Trocknung, Reinigung und fotografischen Erfassung fand im Juni 2022 beim Heimatabend der Heimatfreunde des Finsterwalder Heimatkalenders eine erste provisorische Sichtung statt. Sorgfältig in Schichten von Seidenpapier eingelegt, gelangten die Zeitungen im Herbst 2024 schließlich ins Dorfmuseum nach Kleinkrausnik, wo sie nun einer gründlicheren Auswertung harren.

Zweieinhalb Stunden sind zu schnell um. Zeit genug im diese Sammlung durchzusehen aber nicht gründlich zu sichten. Trotzdem, so die Einschätzung aller Beteiligten, ein Gewinn.
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Blog: Mit 8 Megapixeln durch die Niederlausitz.

Autor: Vel Thurvik
Fotos: Vel Thurvik

Sonntag, 25. Januar 2026

Bronkow und sein alter Wurzelstein – Niederlausitzer Fundstücke -

Funde von Wurzelquarziten in der Niederlausitz


Beim Streifzug über die Grundmoränen nördlich von Bronkow fiel am Wegrand ein dunkelgrauer Quarzit ins Auge – offenbar ein Ergebnis der laufenden Erdarbeiten zum Windpark. Auf seiner Oberfläche zeigten sich seltsam gewundene Abdrücke.

Foto 1: Dunkelgrauer, feinkörniger und stark verkieselter Sandstein mit gewundenen, Fragmenten von Wurzelabdrücken.
Nach dem Entfernen des angefrorenen Bodens ließen sich die merkwürdigen Abdrücke über das gesamte Fundstück hinweg verfolgen – sie durchziehen den Stein sogar. Schnell ist klar: Bronkow ist um ein Fossil reicher.

Foto 2: Teile der Oberfläche des Wurzelquarzits wirken wie „wurmstichiger“ Sandstein.
An vielen Stellen weist das Gestein kleine Löcher auf; in einigen Bereichen sind sogar winzige Tunnel zu erkennen. Es stellt sich die Frage: Welches Lebewesen war in der Lage, sich durch ein derart hartes Gestein zu bohren? Immerhin besitzt es eine Härte von etwa 6 in der Härteskala, wie ein Test mit einer Stahlnadel zeigt.

Foto 3: Tunnel im verkieselten Sandstein.


Wie entsteht Wurzelquarzit?


Unter der heimischen Lupe zeigt sich, es handelt sich um einen stark verkieselten ehemaligen Sandstein. Genau diese Verkieselung verleiht dem Gestein seine besondere Härte und Widerstandsfähigkeit. Der Grund dafür: Wenn während der Sedimentation oder zu einem späteren Zeitpunkt Kieselsäure in die Poren des Gesteins eindringt und sich dort ablagert, verfestigt sie das Material zu einem ausgesprochen harten Gestein mit der Festigkeit von Quarzit.

Kieselsäure (chemische Formel: H₄SiO₄) ist eine Verbindung aus Silizium, Sauerstoff und Wasserstoff. Sie kommt in der Natur sehr häufig vor und ist meist in Wasser gelöst – selbst in unserem Trinkwasser. Wer mehr darüber wissen möchte, findet weitere Informationen unter: Wikipedia Kieselsäure

Unter der Lupe klärt sich auch das Rätsel der vermeintlichen Grabspuren. Eine feine Filamentstruktur innerhalb der Gänge weist eindeutig auf ehemalige Wurzeln hin. Ähnlich wie Adern in einem Gewebe durchziehen sie das Gestein und haben bleibende Abdrücke hinterlassen.

Foto 4: Gut erkennbar – Wurzelabdrücke im verkieselten Sandstein.
Es handelt sich also um einen sogenannten Wurzelquarzit. Streng genommen ist der Fund von Bronkow jedoch kein echter Quarzit. Echte Quarzite bestehen zu etwa 98 Prozent aus Siliziumdioxid (SiO₂) und sind durch endogene, also innere Kräfte (Hitze und Druck), metamorph überprägt. Das trifft hier nicht zu. Die feinkörnige Sandsteinstruktur und verschiedene Verunreinigungen sind in der Nahaufnahme deutlich zu erkennen. Bei den dunklen und rötlich-braunen Verfärbungen dürfte es sich um Rückstände von Huminsäuren (schwarz) und Limonit (braun bis rotbraun) handeln. Huminsäuren entstehen beim Zerfall organischer Substanzen, während Limonit eine häufige wasserhaltige Eisenverbindung bildet.

Foto 5: Wurzelquarzit mit deutlich erkennbarer Sandsteinkörnung.
Trotzdem hat sich der Begriff Wurzelquarzit für solche Fossilien bis heute erhalten. Die in den eiszeitlichen Hinterlassenschaften unserer Region zurückgelassenen Wurzelquarzite besitzen meist ein tertiäres Alter (Miozän–Eozän), also etwa zwischen 23 und 55 Millionen Jahren. Doch auch jüngere Exemplare aus Zeiträumen bis vor rund 5 Millionen Jahren sind bekannt.

Wo kommt Wurzelquarzit her?


Als Herkunftsgebiete werden häufig Regionen in Südskandinavien genannt – von Jütland über den Boden der südlichen Ostsee bis nach Schonen in Südschweden. Diese Funde weisen meist eine hellere Grundfarbe auf.

Foto 6: Fundstück vom Kap Geinitzort bei Dietrichshagen, westliche Ostseeküste, 1990. Auffällig ist die helle Grundmasse.
In der Lausitz hingegen sind Wurzelquarzite eher selten anzutreffen, wie auch die Internetseite geologische-streifzuege.de feststellt. Das könnte zutreffen, denn die meisten Fundmeldungen stammen aus Westmecklenburg, Schleswig-Holstein und Nordsachsen. Eine mögliche Ursache liegt in der Saale-II-Vereisung (Drenthe-Phase), die vor rund 160 000 Jahren endete. Ihre mächtigen Eisströme kamen aus dem Ost- und Westbaltikum und transportierten Material unterschiedlicher Herkunft. Siehe hierzu auch die Stratigraphische Tabelle des Bezirks Cottbus von W. Nowel (1983). Damit wird dass das Gebiet um Bronkow geologisch interessant ist. Beiderseits der L 55 in Richtung Settinchen sowie bis in den Ort Bronkow hinein, erstreckt sich eine Grundmoräne aus jener Zeit.

Karte: Verbreitung von Grund- und Endmoränen verschiedener Eiszeiten im Raum Bronkow.
Südwestlich und westlich von Bronkow und Ammandusdorf erstrecken sich zwei Endmoränen aus dem Warthestadium der Saale-Eiszeit. Diese sind deutlich jünger, denn das Warthestadium begann vor etwa 150 000 Jahren und endete vor rund 126 000 Jahren. Bronkow liegt damit gewissermaßen im „Verkehrsunfall“ der Eiszeiten: Die ältere Grundmoräne, auf der sich Teile des Ortes und die L 55 befinden, wurde später von den Eismassen der Warthe-Vereisung schlicht überfahren. Unser Fundstück entstammt mit großer Wahrscheinlichkeit aus der jüngeren Drenthe-Phase der Saale-II-Vereisung. Es gehört zu jenen Gesteinen, die im Zuge der Bauarbeiten zum Windpark Bronkow aus der alten Grundmoräne ans Licht kamen – und diese Grundmoräne hat sich aus jener Zeit bis heute erhalten.

Aus verschiedenen Quellen ist bekannt, dass im unteren Odertal tertiäre Gesteine durch Salztektonik lokal angehoben wurden. Die drei Saale-Vereisungsphasen transportierten dieses Material anschließend nach Süden. Auffällig ist, dass die Wurzelquarzite der Niederlausitz meist einen dunkleren Habitus besitzen. Auch der Bronkower Fund zeigt ein Dunkelgrau.

Ein weiteres Beispiel stammt aus der Gegend nordöstlich von Betten bei Finsterwalde. Es wurde unmittelbar in den Aufschüttungen einer Endmoräne der Saale-II-Vereisung (Drenthe-Phase) gefunden. Dieses Stück weist einen noch deutlicher ausgeprägten Wurzelcharakter und ebenfalls einen dunkelgrauen, fast bläulichen Farbton auf.

Foto 7: Grau-blauer Wurzelquarzit von Betten bei Finsterwalde, Außenseite. Fundjahr 1993.
Das Fundstück von Betten zeigt zwei bemerkenswerte Besonderheiten. Auf der frischen Bruchfläche lassen sich winzige, inkohlte und zugleich verkieselte Holzreste erkennen.

Foto 8: Grau-blauer Wurzelquarzit von Betten bei Finsterwalde, Innenseite, frischer Bruch.
Zwar sind die inkohlten Holzstückchen unscheinbar, bei genauer Betrachtung deutlich sichtbar.

Foto 9: Nahaufnahme mit kleinen schwarzen inkohlten und verkieselten, rote Kreise.
Besonders auffällig ist auf dem frischen Bruch der Innenseite ein sehr feiner Kristallrasen, der sich zwischen den alten Wurzelgeflechten gebildet hat. Dieser mikrokristalline Überzug ist auch auf der Außenseite erhalten geblieben. Aufgrund seiner nahezu identischen Farbe mit dem Wirtsgestein ist er schwer zu sehen, aber deutlich zu ertasten. Eine fotografische Darstellung gelingt nur mit erheblichem Aufwand.

Foto 10: Nahaufnahme der Innenseite des Wurzelquarzits von Betten. In den Hohlräumen der Wurzelgeflechte schimmert der Kristallrasen aus winzigen Quarzkristallen.

Foto 11: Interessantes Detail: Durchblick auch durch einen Wurzelgang im Fundstück von Betten.
Im Gegensatz dazu treten in Westmecklenburg eher hellere Varianten von Wurzelquarziten auf. Ein Beispiel stammt von der Ostseeküste bei Diedrichshagen, Kap Geinitzort, westlich von Warnemünde. Siehe Foto 6 oben.

Wie aber gelangten die Wurzeln überhaupt in den verkieselten Sandstein?


Der zunächst naheliegende Verdacht, die Wurzeln könnten sich in den harten Fels gebohrt haben, ist falsch. Wurzelhorizonte in Sedimentgesteinen sind in der Erdgeschichte häufig. So wurden im Versuchsschacht Doberlug-Kirchhain, unterhalb der Anthrazit-Kohlenschichten, fossile Wurzeln und Reste ganzer Baumstümpfe gefunden. Auch in späteren Kohlebildungsphasen der verschiedenen Lausitzer Braunkohlenflöze treten sie immer wieder auf – oftmals als massive Stümpfe mit vollständig erhaltenem Wurzelteller. Ein eindrucksvolles Beispiel ist in der mineralogischen Ausstellung (Kaue) der Brikettfabrik Louise bei Domsdorf zu sehen.

Solche Wurzelhorizonte entstehen, wenn Pflanzen auf feinsandigen oder tonigen Böden wachsen. Bleiben die Wurzeln nach dem Absterben der Pflanzen noch eine Zeit lang erhalten, prägt das umgebende Sediment deren Form ab. Dringt währenddessen Kieselsäure aus dem Bodenwasser in diese Strukturen ein, wird der Abdruck dauerhaft konserviert. Aufgrund des insgesamt sauren Charakters der Kieselsäure wird das organische Wurzelmaterial langsam aufgelöst. Kommt dieser Prozess zum Stillstand, können selbst Holzreste verkieseln und erhalten bleiben – wie beim Fundstück aus Betten bei Finsterwalde (siehe Foto 8 oben).

Der Erhaltungsgrad der Abdrücke im Gestein hängt maßgeblich von der Feinheit des umgebenden Sediments zum Zeitpunkt der Verkieselung ab. Unsere Fundstücke von Bronkow und Betten sind in feinkörnigem Sand erhalten geblieben – doch es geht noch besser. Das folgende Beispiel zeigt ein Stück, das sich in einem besonders feinen, tonigen Sediment gebildet hat.

Foto 14: Wurzelabdruck in Tonstein. Fund aus der Nähe von Gollmitz.
Selbst feinste Fasern und Verwachsungen im Holz der ursprünglichen Wurzeln sind hier erstaunlich detailreich erhalten geblieben. Leider ist bei diesem Fundstück eine Zuordnung zu einer Vereisungsphase nicht eindeutig möglich.

Foto 15: Nahaufnahme der Wurzelabdrücke. Gut erkennbar die helle Kontaktverfärbung mit den ehemaligen Wurzeln.
Auch bei diesem Fund fällt der dunkelgraue Habitus auf. Einziger Unterschied: Die Gerbstoffe aus dem ehemaligen Wurzelholz haben im Innern eine dünne Schicht des Tonsteins hell verfärbt.

Fazit


Die hier vorgestellten Wurzelquarzite offenbaren einige interessante geologische Details und Aspekte. Ihre Fundstellen lassen zeitliche Einordnungen und grob Rückschlüsse über ihren Weg zu. Für weitergehende Erkenntnisse ist die öffentliche Quellenlage noch unzureichend. Doch es lohnt sich also mit offenen Augen durch die heimatliche Landschaft zu gehen – denn es gibt immer etwas zu entdecken und die Geschichte dahinter zu ergründen.
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Quellen:

Geologischer Führer für den Norddeutschen Geschiebesammler
W. Schulz
c/w Verlagsgruppe Schwerin, 2003

Stadtmuseum Berlin
Sammlung des Stadtmuseums Berlin

Dr. Wolfgang Zessin
Dr. rer. nat., Dipl. Phys. Vice President at Naturforschende Gesellschaft Mecklenburg Mitteilungen der NGM – 5. Jahrgang Heft 1  Juli 2005 Großer Wurzelquarzit mit Windschliff aus Jasnitz, Mecklenburg

Geologische Streifzüge, Großgeschiebe in der Niederlausitz
Wurzelquarzit (Nr. 513, Cottbus-Nord)
Link: Grossgeschiebe, Sedimente

Mineralienatlas – Fossilienatlas,
Forum Tagebau Zwenkau

Strandsteine.de/Wurzelquarzit

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Blog: Mit 8 Megapixeln durch die Niederlausitz.
Autor: Vel Thurvik
Fotos: Vel Thurvik

Donnerstag, 22. Januar 2026

Wormlager Kirchenblick – Niederlausitzer Beobachtungen -

 Leuchtende Kirche Wormlage im Winter 2026


Beim Fotografieren kommt es darauf an, zur richtigen Zeit, im richtigen Licht und am richtigen Ort zu sein – und natürlich die Kamera dabei zu haben. Dann bekommen selbst alltägliche Dinge ihren besonderen Reiz. So auch die Kirche in Wormlage.

Kirche Wormlage in der Winterabendsonne, Anfang Januar 2026.
Bei der Einfahrt in die Kirchstraße fielen sofort das besonders intensive Licht und der erstaunlich blaue Himmel darüber auf. Klar: anhalten und fotografieren. Offenbar hatten die klugen Erbauer der Kirche schon vor Jahrhunderten ein gutes Gespür für diesen Lichteffekt.

Schon von Weitem ein Hingucker – die Kirche Wormlage.
Auch aus anderer Perspektive gewinnt der Saalbau an Strahlkraft.

Kirche Wormlage aus südöstlicher Perspektive.
Die Ecken des neubarocken Kirchturms sind in einem dunkleren Gelb abgesetzt. Durch die intensive Sonneneinstrahlung treten diese Details besonders klar hervor, und die Turmfassade wirkt architektonisch lebendiger.

Das unmittelbare Umfeld der Kirche bietet einige kleine historische Aufmerksamkeiten. Mitten aus dem Schnee ragt ein viereckiger Sockel mit einer kleinen runden Sandsteinsäule darauf. Ihre geschwungene Inschrift aus dem 19. Jahrhundert ist hübsch aber bereits deutlich verwittert.

Grabsäule mit Inschrift an der Südseite der Kirche Wormlage.
Gleich dahinter stehen zwei einfache eiserne Kreuze nebeneinander – im Winterlicht jedoch ein bemerkenswerter Anblick.
Zwei eiserne Grabkreuze mit der Inschrift „Ruhe sanft“.
Zwischen ihnen hat sich eine weitere viereckige Sandsteinsäule durch den Schnee getaut.

Auf der Nordseite fällt sofort das runde Treppenhaus ins Auge. Daran lehnt ein Grabstein mit dem Relief eines bekannten Wormlager Raubritters.

Grabstein des Raubritters Wormlitz an der Nordseite beim Treppenhaus.
Mit ihm verbindet sich eine örtliche Sage. Die starke Verwitterung zeugt von einem zweifellos hohen Alter. Wer möchte, kann die genaue Sage auf der Internetseite des Dorfclubs Wormlage nachlesen:
Sage vom Raubritter Wormlitz

Ein freundlicher Herr, der gerade vor dem Portal Schnee schiebt, erklärt mir das Umfeld und gewährt spontan einen kurzen Blick in die Kirche. Innen wirkt sie freundlich, aufgeräumt und dezent bunt – fast ein wenig wohnlich. Die Malereien an den Wänden sind sehr präzise ausgeführt.

Innenansicht der Kirche Wormlage.
In den Fenstern über dem Altar hängen bunte Bastelarbeiten – offenbar Spuren eines lebendigen Religionsunterrichts.

Links steht noch ein großer Weihnachtsbaum, der unwillkürlich die Frage aufkommen lässt, wie er wohl unbeschadet durch die Tür gelangt ist. Ein weihnachtlich-gemütlicher Anblick.

Im Licht der tiefstehenden Wintersonne wirken Kanzel und ihr Umfeld schön freundlich.

Kanzel an der Südseite der Kirche Wormlage.
Leider lassen die fortgeschrittene Zeit und an diesem Tag die eher ungeeignete Fotoausrüstung keine ausführlichere Besichtigung zu. Das wird aber nachgeholt. Wie mir der freundliche Herr versicherte, hat die Kirchengemeinde Wormlage im Laufe des Jahres noch eine Reihe interessanter Veranstaltungen geplant.

Bilanz: Wormlage hat nicht nur eine schöne Kirche zum Ansehen, sondern auch eine zum Reinschauen. Lohnenswert.

Sonntag, 11. Januar 2026

Winterdienst und von denen, die zur Unzeit arbeiten – Niederlausitzer Begegnungen -

 Die meisten Menschen mögen schöne Winterbilder mit reichlich Schnee und kalter, klarer Luft. Abgesehen von denen, die zur Unzeit und bei jedem Wetter unterwegs sein müssen. Es sind die Menschen, die zu jeder Tageszeit unsere Welt am Laufen halten. Der Winterstraßendienst gehört zweifellos dazu.

Winterdienstfahrzeug am 10. Januar 2026 in Höhe der Stadtwerke Finsterwalde /Niederlausitz.
Wer kennt es nicht – das dumpf kratzende Geräusch, die grummelnden Motoren und die flackernden gelben Lichter der Fahrzeuge, wenn sie sich nachts durch die Straßen schieben? Bei Schichtarbeitern und Frühaufstehern sorgen diese Geräusche für Beruhigung. Unsicherheit schwindet. Jetzt wissen sie: Es wird geräumt, gestreut. Jetzt kann ich sicherer fahren, laufen oder wie auch immer vorwärtskommen.

Gleich zu Anfang des Jahres 2026 gab das Tiefdruckgebiet Ellis der Niederlausitz eine Gastrolle – und den Winterdiensten, ob auf den Straßen oder Schienen, Gelegenheit, sich zu beweisen. Das taten sie.

Auf dem Rückweg von einer Versammlung, zu später Stunde und im dichten Schneetreiben, war ein Räumfahrzeug dabei, sich durch einen Kreisverkehr der Stadt zu arbeiten. Wer hat schon einmal darüber nachgedacht, wie viele Züge ein Räumfahrzeug benötigt, um einen simplen Kreisverkehr mit vier zulaufenden Straßen samt Fußgängerüberwegen und Radwegen zu beräumen? Und das, ohne die gerade getane Arbeit gleich wieder zuzuschieben – eine Herausforderung an die Logik.

Kreisverkehr in Finsterwalde im Abendlicht. Im Hintergrund das Heizkraftwerk.
Oder beim Beräumen einer Straße mit vielen Autos? Oft schlampig geparkt.

Fahrradwege sind ein wichtiges Gut – nicht nur für Fahrradfahrer, sondern auch für den Winterdienst. Wohin aber mit etwa 30 Zentimetern Neuschnee, wenn Politiker bei ihren Forderungen und Entscheidungen eher von Ideologien und Philosophien als von Praktikabilität geleitet waren – und so etwas schlicht nicht in Betracht gezogen haben?

Blick in eine gut geräumte Nebenstraße in Finsterwalde.
Würden Straßen anders gebaut, wenn ein erfahrener Fahrer des Straßenwinterdienstes bei der Planung mit am Tisch säße? Nachdenkenswert, oder?

Im Gang eines Supermarktes diskutierte ein Paar lautstark darüber, dass seine Straße „früh“ noch nicht geräumt war. Was unter früh zu verstehen ist, war nicht zu erfahren. Offenbar haben die beiden nie darüber nachgedacht, wie viele Straßen eine Stadt haben kann – vor allem Nebenstraßen. Und da gibt es ja noch das Umland mit seinen Dörfern.

Geräumte Straße an der Evangelischen Kirche mit Parkbucht.
Bei starkem Schneefall oder Eisglätte sind die Einsatzkräfte des Winterdienstes oft in wechselnden Schichten rund um die Uhr im Einsatz – teilweise an sieben Tagen in der Woche –, um die Straßen befahrbar zu halten. Der Winterdienst ist somit kein einmaliger Vorgang, sondern ein kontinuierlicher Prozess, der sich über den gesamten Winter erstrecken kann, abhängig von den jeweiligen Wetterbedingungen.

Winterlandschaft mit Sonnenuntergang in der Stadt.
Wenn sich also in der Nacht wieder einmal ein Fahrzeug grummelnd und blinkend durch die Straßen schiebt – an die Menschen hinter dem Steuer denken. Schnee schieben kann eine Herausforderung sein. Und wenn die Straße einmal nicht rechtzeitig frei ist oder es Geduld erfordert, hinter dem Streufahrzeug herzufahren: Ruhe bewahren. Einfach mal daran denken, was wäre, wenn der Mensch im Fahrzeug da vorn jetzt nicht fahren würde?
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Blog: Mit 8 Megapixeln durch die Niederlausitz.
Autor: Vel Thurvik
Fotos: Vel Thurvik

Freitag, 2. Januar 2026

Vom Winterzauber und Eiszeiten bei Bronkow – Niederlausitzer Erkundungen -

Ein Verkehrsunfall zwischen zwei Eiszeiten


Die untergehende Sonne beendete den Streifzug über die Glaziale Hochfläche nördlich von Bronkow. Ziel waren einige Findlinge die bei den Bauarbeiten zum Windpark auf den Feldern zum Vorschein kamen. Als fotografisches Abprodukt fielen einige schöne Landschaftsfotos vom Sonnenuntergang über Bronkow an. In Anbetracht der schönen Landschaft, trat der erdgeschichtliche Verkehrsunfall fast in den Hintergrund. Doch dazu weiter unten mehr. Jetzt erst mal einige schöne Fotos.

Glaziale Hochebene westlich von Bronkow.
Schwer Vorstellbar aber diese flache Gegend um Bronkow war einst Spielball gewaltiger Gletscher.

Feld mit Wintergetreide, im Hintergrund Bronkow.
Unter einer etwa 30 – 50 cm Kulturschicht dieses Feldes, versteckt sich ein dicker Teppich Grundmoräne der Saale 2-Eiszeit.

LKW im Abendlicht auf der L 55 Richtung Settinchen-Calau.
Wo heute der Autoverkehr rollt, tauten vor 160 000 Jahren mehrere hundert Meter hohe Gletscher einer Eiszeit gerade ab. Gewaltige Mengen an Schmelzwasser ergossen sich von hier Richtung Bronkow-Saadow-Lipten in den riesigen Gletschersee des Finsterwalder Beckens.

Die dunklen Wälder am Horizont lassen nichts davon ahnen, dass sich in ihnen langgestreckte Hügelketten der Endmoränen aus der jüngeren Saale-3-Eiszeit verstecken.

Unter dem Wald zwischen Settinchen, in Bronkow und einem Teil der Felder davor erstreckt sich eine kleine geologische Besonderheit: eine alte Grundmoräne aus der Saale-2-Eiszeit. Eine Vereisung, die vor 180.000 Jahren begann und vor ca. 160.000 Jahren endete. Interessant dabei: Südlich und südwestlich von Bronkow finden sich mehrere deutlich jüngere Endmoränen aus der jüngsten Saale-Vereisung, dem Warthe-Stadial. Beginn vor ca. 150.000 Jahren und Ende vor 130.000 Jahren. Mehr zu den Begriffen Grund- und Endmoräne siehe hier: Wikipedia, Glaziale Serie


Skizze: Geologische Oberflächenkarte der Umgebung Bronkow.
Quellen: Grundkarte OpenStreetMap mit Daten aus der geologischen Karte des LGBR 2025.
(https://lbgr.brandenburg.de).

Folglich ist die Gegend um Bronkow ein erdgeschichtlicher /eiszeitlicher „Verkehrsunfall“, genauer gesagt der beiden letzten Saale-Vereisungen. Denn die alte Grundmoräne, auf der sich Teile von Bronkow und der L 55 befinden, wurde später von der Warthe-Vereisung schlicht überfahren (siehe Karte). Dieser „Crash“ endete in den hinterlassenen Endmoränen an der Autobahn und westlich von Amandusdorf. Wie die meisten Unfälle ist auch dieser nicht ungewöhnlich – im Gegenteil.

Blick von der Endmoräne auf Amandusdorf im Winter 2014.
Die Erklärung: Als die älteren Saale-2-Gletscher abtauten, hinterließen sie vom Ostseeraum bis an den Südrand der Niederlausitz einen dicken Teppich Grundmoränen. Etwa an der Linie Hohenleipisch–Lauchhammer–Brieske–Senftenberg endete dieser gewaltige Teppich. Gut 10.000 Jahre später folgten Gletscher des Warthe-Stadials. Auf dem immer noch bestehenden Dauerfrostboden dürfte das Vorrücken nicht schwer gefallen sein. An den Endmoränen des Niederlausitzer Grenzwalls ging der Warthe-Vereisung dann schlicht das Eis aus.

Beide Eiszeiten bezogen ihre Eisvorräte aus unterschiedlichen Herkunftsgebieten. Während die ältere Saale-2-Vereisung (Drenthe-Phase) ihr Quellgebiet hauptsächlich in Südskandinavien (Südnorwegen, Schweden und südliche Ostsee) hatte, bezog das Gletschereis des jüngeren Warthe-Stadials seine Vorräte vorwiegend aus Mittelschweden, der zentralen Ostsee (Gotland–Bornholm–Danziger Becken) und dem Baltikum (Lettland, Litauen, Estland). Folglich findet man heute Gerölle aus unterschiedlichen Regionen Nord- und Osteuropas, auf kleinem Raum verteilt um Bronkow vor. Wobei die Saale-Vereisung wesentlich mehr große Gerölle transportiert hat. Die Ursache liegt möglicherweise auch im größeren Gletschervolumen dieser Vereisung.

Am Waldrand befindet sich ein bemerkenswerter Findling aus Granit mit ungewöhnlicher Form. Seine jetzige Oberseite war in der ausgehenden Eiszeit seine ursprüngliche Standfläche.

Saalezeitlicher Findling am Waldrand nördlich von Bronkow. Er kam bei den Grabungsarbeiten auf dem Feld vor Bronkow zum Vorschein.
Der Granitfindling weist an der Unterseite und den Seiten massive Auswaschungen auf. Selbst ehemalige Strömungsspuren seitlich vorbeifließenden Wassers sind heute noch gut zu erkennen.

Detailaufnahme des Findlings bei Bronkow mit massiven seitlichen Auswaschungen und Strömungsspuren.
Er war also über längere Zeit den abfließenden Schmelzwassern des Saale-2-Gletschers ausgesetzt. Nach dem Abtauen des Gletschers muss der Findling recht zügig von verbliebenem Grundmoränenmaterial bedeckt worden sein, denn weitere sekundäre Verwitterungsspuren sind in seiner jetzigen Lage nicht erkennbar.

Was bleibt?


Auch wenn ihre geologischen Geheimnisse erst auf den zweiten Blick sichtbar werden, ist Bronkow eine geologisch durchaus interessante Gegend. Mit dem Findling verfügt der Ort auch über ein kleines geologisches Denkmal einer sehr langen, kalten, nassen Zeit. Grund genug für weitere geologische Neugier am Wegesrand.

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Hinweis zur zeitlichen Zuordnung der Vereisungen:

Die Jüngere Phase der Drenthe-Vereisung endete nach heutigem Verständnis im Mittelabschnitt der Saale-Kaltzeit, vor dem erneuten Eisvorstoß des Warthe-Stadials; absolutchronologisch wird grob ein Ende um etwa um 160.000 Jahre vor heute diskutiert, während der Beginn des Warthe-Stadials meist in den Bereich um etwa 160.000–150.000 Jahre vor heute gestellt wird. Die Datierungen sind unsicher und unterscheiden sich je nach Autor und verwendeter Korrelation zu marinen Isotopenstufen, werden aber in etwa in diesen Bereich der jüngeren Saale (MIS 6) eingeordnet. (Quelle: Wikipedia)

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Quellen:

Saale-Komplex, Wikipedia
https://de.wikipedia.org/wiki/Saale-Komplex

Glaziale Serie, Wikipedia
https://de.wikipedia.org/wiki/Glaziale_Serie

Mehr als nur „die Streusandbüchse“
Zur Erdgeschichte von Brandenburg
3. erweiterte Auflage 2023
von Werner Stackebrandt
ISBN 978-3-00-074247-7

Woldstedt, Paul, 1954: Saaleeiszeit, Warthestadium und Weichseleiszeit in Norddeutschland. In: E&G – Quaternary Science Journal, 04-05, 1, 
DOI: https://doi.org/10.23689/fidgeo-1707.

Lauer, T., Weiss, M. Timing of the Saalian- and Elsterian glacial cycles and the implications for Middle – Pleistocene hominin presence in central Europe. Sci Rep 8, 5111 (2018). https://doi.org/10.1038/s41598-018-23541-w
https://www.nature.com/articles/s41598-018-23541-w

Dokumentation der pollenstratigraphischen Untersuchungen zur Verbreitung der Holstein- bis Unter Saale-zeitlichen Ablagerungen im Gebiet zwischen Calau und Lauchhammer (Brandenburg) sowie Großenhain (Sachsen)
Strahl, Jaqueline
LBGR Landesamt für Bergbau, Geologie und Rohstoffe Brandenburg
DOI: https://doi.org/10.23689/fidgeo-10831

Auszug aus der Karte Open Streetmap.
https://openstreetmap.de/karte/

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Blog: Mit 8 Megapixeln durch die Niederlausitz.

Autor: Vel Thurvik
Fotos: Vel Thurvik

Montag, 29. Dezember 2025

Feuer in Saadow – Niederlausitzer Beobachtungen -

 Gewaltige Rauchwolke mit farblicher Dramatik


Auf dem Rückweg von einem fotografischen Streifzug über saaleeiszeitliche Grundmoränen, erhob sich unerwartet eine große Rauchwolke über der Gegend von Saadow.

Rauchwolke über der Umgebung Saadow. Aufgenommen vom Windpark Göllnitz.
Und schon ertönten die Sirenen der Umgebung, eilten eine Feuerwehr und kurz darauf die Polizei vorbei. Beiden nachzueilen und den Paparazzi zu übernehmen, schien nicht sinnvoll. Dafür bot sich die gute Sicht vom Windpark Göllnitz aus, für einige spektakuläre Fotos an. Das sollte für eine kleine Auswahl genügen.

Dimension der Rauchwolke über Saadow.
Im optischen Vergleich mit der Windkraftanlage, wird die Dimension des Brandes klar.

Kurze Zeit später. Längst war die Sonne von der aus Westen heranrückenden Hochnebelfront geschluckt. Doch im östlichen, noch klaren Himmel, sorgte die Hochatmosphäre für für eine farblich spektakuläre Umrahmung der Ereignisse in Saadow. Ein Zufall? Jedenfalls schien der abendliche Himmel der Brandsituation in Saadow noch eine besondere Dramatik verleihen zu wollen.

Farbliche Dramatik am Himmel und auf düstere Erden.
Bleib nur der Feuerwehr und den Helfern eine glückliche Hand zu wünschen und den Betroffenen, egal wem, viel Glück.
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Blog: Mit 8 Megapixeln durch die Niederlausitz.
Autor: Vel Thurvik
Fotos: Vel Thurvik

Montag, 22. Dezember 2025

Morgenstunde in Göllnitz – Niederlausitzer Beobachtungen -

Sonnenaufgang in einer Landschaft mit Wolkenscholle und Fröstelfaktor


Wege übers Land haben manchmal ihre schönen Seiten. Solch eine „Schöne Seite“ tat sich Mitte Dezember 2025 bei Göllnitz auf. Ein bemerkenswerter Sonnenaufgang.

Sonnenaufgang über dem Lug bei Göllnitz.
Beim Lug handelt es sich um einen Teil der Niederlausitzer Beckenlandschaft, genauer dem Finsterwalder Becken. Seine Ursprünge gehen auf die Saale 2 Vereisung zurück, also eine Zeit die vor 150 000 Jahren endete. Beim betrachten der Fotos wird man den Eindruck nicht los, ob sich diese Landschaft ab und zu an diese ferne kalte Zeit erinnern will?

Landschaft mit Fröstelfaktor. Die noch tief stehende Wintersonne taucht den Lug in ein wildes kaltes Licht.
Im flach einfallenden Licht liegt hier fast etwas Mystisches. Beim Blick dem alten Weg entlang erwartet man das jeden Augenblick mystische Gestalten auftauchen könnten. Doch sie bleiben aus. Fast ein bisschen schade.

Die tief stehende Sonne verleiht dem Weg in den Lug einen mystischen Hauch.
Nur wenige Momente und schon ändert sich wieder das Licht über der Landschaft. Im Hintergrund der Baumreihen der Zürcheler und Dollenchener Mühlgräben.

Lug im goldenen Licht.
Im Westen erscheint über dem Lug eine blockartige Wolkenfront. Eine langgestreckt winterliche Schichtwolke. Ungewöhnlich ihre kantige Form, ähnlich einer schwebenden Eisscholle.

Wolken-Scholle am Himmel über dem Lug bei Göllnitz.
Beim Blick zurück erscheinen die Lindthaler Bauernheide mit ihrem markanten Windpark, sowie dem Guschnerberg und Brandberg im rötlichen Morgenlicht.

Guschnerberg und Brandberg mit dem Windpark in Hintergrund.
Ein weiteres mal umsehen und schon wird der Sonnenaufgang milder, fast ein bisschen kuschlig. Die höher steigende Sonne verändert schnell wieder ihre Lichtflut.

Sonnenaufgang und Nebel über dem Lug, jetzt milder.
Da die Zeit zu drängen beginnt nur noch ein kurzer fotografischer Blick auf Kirche und Dorfstraße zum Schloßplatz. Auch hier hat der Sonnenaufgang optisch ganze Arbeit geleistet. So vollständige Ansichten der Kirche sind nur im Winter möglich. Im Sommer verdeckt das Laub der Bäume die eigentlich schöne Kirche.

Kirche von Göllnitz im Morgenlicht.
Licht in der Dorfstraße Göllnitz.
Da das Dorf Göllnitz leicht erhöht auf dem Sattel einer Grundmoräne steht, der etwas in den Lug hinein ragt, bildet der Ort immer einen fotografischen Blickfang in der Landschaft.
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Quellen:
Wikipedia: Saale-Komplex

Eberhard Scholz
"Die naturräumliche Gliederung Brandenburgs". Erschienen 1962
Märkische Volksstimme
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Blog: Mit 8 Megapixeln durch die Niederlausitz.
Autor: Vel Thurvik
Fotos: Vel Thurvik