Freitag, 21. August 2026

Morgenstreifzug rechts des Bahnhofs – Niederlausitzer Beobachtungen -

Foto-Streifzug entlang des Bahndamms und durch die Straße „Am Güterbahnhof“


Ein Motorschaden im Auto ist ärgerlich und meist auch teuer. Zweitens kommt man ums Laufen erst mal nicht herum, zumindest von der Werkstatt bis nach Hause. Doch warum nicht aus dem Problem mal einen fotografischen Nutzen ziehen? Wenn die frühmorgendliche Sonne sich gerade durch die abziehende Wolkenwand des morgendlichen Gewitters arbeitet, bietet der Weg entlang des Bahnhofs Finsterwalde einige interessante Motive. Hier ein paar fotografische Ergebnisse – dazu einige Betrachtungen.

Gleich hinter dem ehemaligen Schrankenposten 134 in Massen hatte sich ein Haus zur grünen Vermummung entschlossen. Mit Hilfe von wildem Wein und etwas Efeu schien das Projekt ganz gut zu gelingen. Zumindest war es in der leichten Morgensonne ein grüner Hingucker.

Foto 1: Botanische Eroberung.
Noch nass vom nächtlichen Regen, fiel etwas weiter die mutige Farbkombination an einem Güterwagen ins Auge.

Foto 2: Die Handbremse war unübersehbar bei Violett und Signalgelb.
Als nächstes Motiv fiel eine nasse Rispe des Schilfrohrs Phragmites australis der Kamera ins Objektiv. Diese scheinbar so gewöhnliche Pflanze fühlte sich in nassem und sumpfigem Gelände wohl. Hier in der trocken-sandigen Aufschüttung am Bahndamm war sie eher ungewöhnlich. Doch dieses Süßgras hatte es in sich. Sein starkes unterirdisches Wachstum, Rhizomwachstum genannt, macht fragile Böden sicherer. Folglich ist es nicht ungewöhnlich, dass ein ganzer Schilfbestand nur aus einer einzigen Pflanze besteht. In historischen Zeiten diente das Schilf sogar als Nahrungsmittel, denn aus den Wurzeln konnte in Mangelzeiten Brot gebacken werden. Wer mehr über diese sehr interessante heimische Pflanze wissen will, findet auf "Wikipedia Schilfrohr“ weiterführende Informationen.

Foto 3: Nasse Schilfrispe am Bahndamm. (7)
Weshalb das Schilf am Bahndamm nicht seine volle Größe von etwa vier Metern erreicht, ist wohl mehr den Pflegearbeiten der DB InfraGO zu verdanken. Arbeiten an den Gleisanlagen wären sonst für die Mitarbeiter zu einer Dschungelexpedition geworden. Möglicherweise liegt das aber auch an den mageren sandig-kiesigen Bodenverhältnissen.

Gleich daneben hatten es sich ein Schachbrettfalter (Melanargia galathea) in den Blüten gemütlich gemacht.

Foto 4: Schachbrettfalter (Melanargia galathea) weiblich. Erkennbar an den eher braun-gelblichen Flügelrand.
Am Bahnübergang Fn am Ende der Glasmacherstraße bot der Morgenhimmel kurzzeitig ein goldig-farbiges Schauspiel. Die Helligkeitsunterschiede bereiteten der Kamera so einige Sorgen. Doch letztlich fand sie passende Messpunkte. Mit dem Ergebnis konnte sie sich sehen lassen.

Foto 5: Kontrastreicher Himmel über der Ausfahrt zur ehemaligen Zschipkauer Eisenbahn.
Zu sehen war übrigens die Ausfahrt der ehemaligen Zschipkauer Eisenbahn. An der Strecke befanden sich zahlreiche Gleisanschlüsse. Sie führten zum Tagebau Lichterfeld, zu Ton-, Kies- und Kohlegruben, bis zum Glaswerk Annahütte, dem Finsterwalder Militärflugplatz und vielem mehr. Später wurde daraus das Streckenrangiergleis mit Anschluss zur Industriebahn durch die Stadt Finsterwalde. Wer mehr darüber wissen möchte findet bei Wikipedia / Zschipkauer Eisenbahn mehr Informationen.

Beim Rückblick entlang der Ladestraße fiel das ehemalige mechanische Stellwerk W 3 ins Auge. Seine dunkle Ruine verlieh dem Motiv etwas historischen Charme. Als Arbeitspferd des Bahnhofs Finsterwalde diente es nicht nur als Weichenwärterstellwerk für den ehemaligen Fahrdienstleiter vom Befehlsstellwerk B 1, vorne am Bahnsteig 1.

Foto 6: Ehemaliges Stellwerk W 3 Finsterwalde.
Hier wurde in gut 140 Jahren der überwiegende Teil des Güterverkehrs ausrangiert und Züge gebildet. Von hier aus erfolgte die Bedienung und Koordinierung der insgesamt 25 Gleisanschlüsse, auch in den Streckenrangiergleisen nach Annahütte, zur Industriebahn und bis Crinitz. In der Regel bewältigten drei Rangierloks Kohle, Kies, Sand, Ton, zehntausende Klinkerziegel, Wasserglas, Generatoren, unzählige Tische, tausende Kilometer Stahldraht, Schrauben oder Schwertransporte mit Teilen der Tagesbaugroßgeräte. Auch Elefanten des gastierenden Zirkus und abenteuerlich verpackte Jagdflugzeuge hatte das Stellwerk gesehen. Dazu kam die Abwicklung des Militärverkehrs mehrerer großer Standorte in der Umgebung. Im Tagesgeschäft ging es um Panzer, Raketen, Kanonen sowie zahllose andere Waffen, Munition und viel militärisches Gerät. Ab und zu gastierte hier der Zug mit Uran, dem Stoff, aus dem die Bombe ist, und in den 90er Jahren auch schon mal Züge mit Stoffen, die ausgereicht hätten, ganze Regionen zu vergiften. Am unscheinbaren Stellwerk am Ostende der Stadt musste letztlich alles vorbei. Wer hier arbeitete, war bis Anfang der 90er Jahre kein Weichenwärter, sondern Stellwerksmeister. Und nach der Schicht wusste er, was er gemacht hatte. Mit dem Rückgang des Güter- und Militärverkehrs in der Region verlor das Stellwerk seine Bedeutung. Im Oktober 2014 wurde das Stellwerk geschlossen, und der Klinkerbau verfiel zusehends.

In der Ladestraße hatte die Natur übernommen. Zumindest in der Mitte. Seit Jahren standen hier zwei vergessene Kesselwagen. Für die Natur der Stadt Finsterwalde war das eine willkommene Gelegenheit zu einer grünen Umarmung.

Foto 7: Eingegrünt, zwei vergessene Kesselwagen in der Ladestraße des Bahnhofes.
Als Zivilisationsfolger des Bahnhofs fühlten sich zwei Kohlweißlinge in den blauen Blumen recht wohl.

Foto 8: Zwei Kohlweißlinge fühlen sich im Blauer Natternkopf (Echium vulgare) sehr wohl.
Auf der Güterzufuhrstraße, die heute „Am Güterbahnhof“ genannt wurde, lag reichlich Rindenmulch – Zeugnis der Holzverladung auf dem langen Gleis der Südseite. Diese Gleisgruppe wurde in der Vergangenheit „Südseite“ genannt und enthielt eine Drehscheibe sowie die Werkstatt für die kleine Güterwageninstandhaltung. Schon Anfang der 90er Jahre fiel die Werkstatt der Schließungswelle zum Opfer. Heute hatte die Natur in jeder Beziehung übernommen. Hinter dem verwachsenen Gelände ragten die runden Hallenbögen eines Gebrauchtwagenhandels hervor.

Foto 9: Rund-Hallendächer des Autohandels. Davor schöner farblicher Kontrast,
grüngelbe Flachwagen.
Fünfzig Meter weiter bot die Ruine des ehemaligen Güterbodens die morbiden Motive einer verlassenen Gegend. Was jedoch täuschte. Um den Bahnhof herrscht nach wie vor wirtschaftliche Bewegung. Doch es hat sich mittlerweile vieles verändert.

Foto 10: Ruine des abgebrannten Güterbodens
im morgendlichen Sonnenlicht.
Das schräg einfallende Sonnenlicht lies das zerstörte Innenleben der Güterhalle fast romantisch erscheinen.

Foto 12: Blick ins ehemalige Innenleben der Güterbodenhalle.
Foto 13: Blick durchs Fenster in den zerstörten Büroraum des
ehemaligen Binnenzollamtes.
Unter der Kastanie neben dem Güterboden ging es zur Sache. Sex am Bahnhof. Nein, hier war nicht das Rotlichtviertel der Stadt. Doch das störte die Trauer-Rosenkäfer nicht im Mindesten. Für ihre Romanze genügte ein Blütenstand.

Foto 14: Wo es Trauer-Rosenkäfer treiben, natürlich auf Blüten.
Auf einer Betonfläche der ehemaligen Laderampe zur Straßenseite hatte es sich eine Flechtengesellschaft gemütlich gemacht und glänzte nass in der Morgensonne. Es schien sich hauptsächlich um die Gewöhnliche Mauerflechte (Lecanora muralis) zu handeln. Sie hatte sich zur Expansion entschlossen, wie unschwer zu erkennen war. Nach den Farbunterschieden am Rand zu urteilen, teilte sie sich die Betonplatte mit der Graublauen Schwielenflechte (Physcia caesia). Doch ohne Lupe war eine Bestimmung schwierig. Beide waren sehr häufig anzutreffen.

Foto 15: Flechtengemeinschaft auf der Laderampe.
Es musste wohl ansteckend sein. Oder doch städtisches Rotlichtmilieu, nur eben für Insekten? Auf der anderen Seite im Brombeerstrauch hatten sich zwei Schachbretter (Melanargia galathea) gefunden. Offenbar war die Ablenkung groß genug, sodass auch der Fotograf nicht störte. Bei ihrer unterschiedlichen Färbung handelt es sich um die normale Variationsbreite der Falter, wie Lutz Krause, Insektenexperte des Finsterwalder Heimatkalenders, bei der Bestimmung feststellte. Sie hat mit den verschiedenen Geschlechtern nichts zu tun.

Foto 16: Faltersex im Brombeerstrauch. Auch bei den beiden Schachbrettern geht es innig zu.
Vorbei an den Ruinen der Güterabfertigung und des ehemaligen Zollamtes öffnete sich der Blick zum ehemaligen Stellwerk W 2 auf der gegenüberliegenden Seite des Bahnhofs. Es war auch ein Weichenwärterstellwerk.

Foto 17: Weichenwärterstellwerk W 2 auf der Nordseite des Bahnhofes Finsterwalde.
Seine Aufgabe bestand darin, auf der Nordseite des Bahnhofs Finsterwalde die Rangiertätigkeit zu den Abstellgleisen und zum Handweichenbereich zu regeln sowie Freimeldungen für die vom Fahrdienstleiter und Stellwerksmeister nicht einsehbaren Gleisbereiche zu geben.

Foto 18: Blick zum sanierten Bahnhofsgebäude der Firma 
Finsterwalder Eisenbahngesellschaft UG.
Ein paar Meter weiter öffnete sich der Blick auf das aktuelle Ensemble im Vorfeld des Bahnhofs. Ein bemerkenswert flockiger Morgenhimmel schmückte die Ansicht.

Foto 19: Bahnhofsvorplatz mit altem Fahrdienstleiterstellwerk B 1, Bahnhofsgebäude, Busbahnhof, markanter Fußgängerbrücke und Zufuhrstraße.
Das ehemalige Homag-Gebäude, das sich hier einmal befand, war längst abgerissen. Dafür hatte sich die graue Fußgängerbrücke zum Blickfang entwickelt. Neben dem alten Stellwerk lugte der blaue Siemens-Messzug um die Ecke.

Mitten unter das Straßenpflaster aus Lausitzer Granodiorit hatte sich ein dunkler Amphibolith geschmuggelt. Seine weißen Gefügebrüche fielen im Sonnenlicht regelrecht ins Auge und damit natürlich ins Objektiv. Dieses Gestein war einst ein Basalt und wurde durch hohe Temperaturen und Drücke metamorph überprägt.

Foto 20: Augenfälliger dunkler Pflasterstein im hellgrauen Umfeld aus Granodiorit.
Überhaupt war das Straßenpflaster im vorderen Teil der Straße „Am Güterbahnhof“ recht bunt zusammengesetzt. Auch eiszeitliche kristalline Geschiebe aus Skandinavien sind darunter. Bei nassem Wetter sind die verschiedenen farbigen Muster im Gestein einen Blick wert.

Vor dem Park&Ride-Parkplatz bot sich am Boden ein anderes kurioses Motiv. Hatte hier der Ahorn Anschluss an die Straßenbeleuchtung gesucht? Zumindest entstand dieser Eindruck.

Foto 21: Anschluss gesucht. Ahornbaum mit Stromanschluss.
Gegenüber, in der Straße „An der Schraube“, befand sich ein merkwürdiges Hinweisschild. Erst auf den zweiten Blick erschloss sich der Sinn. Die Einfahrt sollte von der Straße „Am Güterbahnhof“ erfolgen.

Foto 22: Kreisverkehr? Nein Hofeinfahrt um die Ecken.
Am Klinkerbau des Oberstufenzentrums fand sich das vorletzte Motiv. Das sanierte Bauwerk wirkte merkwürdig ruhig. Doch das mag der frühen Stunde und den Ferien geschuldet sein. Seine aufwändige Ziegelbauweise passte in das Ensemble der Ziegelbauten in der Umgebung.

Foto 23: Oberstufenzentrum Finsterwalde und Wasserturm im Morgenlicht.
Ein letzter fotografischer Blick in Richtung Bahnhofsgebäude. Markant das östliche Treppenhaus mit seinem Turmaufsatz. Seine hübsch sanierte Ziegelfassade ist ein schöner Blickfang

Foto 24: Treppenhaus des Bahnhofsgebäudes Finsterwalde und das Gebäude
der Finsterwalder Eisenbahngesellschaft UG.
Davor zu sehen die ehemalige Reichsbahnschule Finsterwalde, heute Sitz der Finsterwalder Eisenbahngesellschaft UG mit ihrem Bildungszentrum für Eisenbahnsicherungstechnik.

Langsam war es Zeit für den Frühstückskaffee.
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Blog: Mit 8 Megapixeln durch die Niederlausitz.
Autor: Vel Thurvik
Fotos: Vel Thurvik

Samstag, 8. August 2026

Küchentisch-Blumen - Niederlausitzer Fundstücke -

Fundblumen


Gefundene Blumen stehen in einer Vase auf dem Küchentisch und werden von der Sonne belschienen.
Fundblumen auf dem Küchentisch.
Kennen Sie das Gefühl? Nach einer Feier bleiben ein paar Fundblumen auf dem Boden zurück. Oder die Überlebenden eines längst verwelkten Blumenstraußes stecken noch darin. Manchmal liegt eine Blume auf dem Gehweg, auf dem Weg nach Hause. Bewegt ihr Anblick Sie auch dazu, eine Entscheidung zu treffen? Oder gehören Sie zu den Menschen, die achtlos daran vorbeigehen und sie ihrem Schicksal überlassen? Oder nehmen Sie sich doch lieber den kurzen Moment Zeit, sie aufzuheben, vorsichtig zwischen die Einkäufe in der Tasche zu stecken und später in der Küche auf den Tisch zu stellen?

Der Zufall des Fundes und eine Vase, die sonst eher nicht für festliche Anlässe gedacht ist, aber für die floristischen Fundstücke der Straße genau richtig erscheint, lassen manchmal ein optisch interessantes Ensemble entstehen. Wenn dann noch ein spätnachmittäglicher Sonnenstrahl sich ihrer entsinnt, entsteht sogar ein schönes Foto.
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Autor: Vel Thurvik
Fotos: Vel Thurvik

Links: Mit 8 Megapixeln durch die Niederlausitz

Montag, 27. Juli 2026

Hennersdorfer Ansichten und ein fast vergessener kleiner Fluss – Niederlausitzer Entdeckungen -

Fotografischer Streifzug durch die Niederung der Wobert


Im Frühsommer bietet die Niederlausitz oft schöne landschaftliche Ansichten. Frisches Grün bedeckt noch weithin die Landschaft. So auch rund um Hennersdorf bei Doberlug-Kirchhain. Geologische Gründe führten mich in die Niederung nördlich vom Dorf. Dabei stellte sich heraus, dass diese Niederung entlang der Wobert, einem der Nebenflüsse der Kleinen Elster, ihre ganz eigenen fotografischen Reize hat. Einige davon möchte ich vorstellen.

Foto 1: Blick vom Ortsausgang Hennersdorf über die Getreidefelder in der Niederung der Wobert. Im Hintergrund, im Wald rechts, der Hirseberg.
Streift man entlang der Sonnenstraße, die Hennersdorf und Münchhausen verbindet, durchquert man automatisch die etwa 800 Meter breite Niederung der Wobert.

Karte 1: Auszug aus dem Messtischblatt 4347 aus dem Jahr 1904 mit dem Verlauf der Wobert. Quelle: OpenStreetMap (Experimental: Leaflet Tree Control)
Warum dieses kleine Flüsschen seit der Wende auf modernen Karten seinen Namen verloren hat und in „Fichtegraben“ umbenannt wurde, konnte bisher niemand richtig erklären. Sehr kurios: Lediglich ein winziger Abschnitt als Verbindungsgraben zum Fulgens Graben bei Kirchhain hat noch seinen historischen Namen behalten.

Karte 2: Ausschnitt aus der Landesaufnahme des Landes Brandenburg mit dem Verbindungsgraben „Wobert“ zwischen Fichtegraben und Fulgens Graben östlich von Kirchhain.
Ihre Quellen hat die Wobert in den beiden nacheiszeitlichen Kesseln südlich der Widderberge in der Münchhausener Heide. Nicht weit von Finsterwalde. Nach ihrem langen Weg durch die Hennersdorfer Stauchmoräne bekommt sie in der Ebene vor Kirchhain noch etwas Zufluss aus Seitengräben. In Kirchhain mündet der kleine Fluss über den Fulgens Graben unterirdisch am Hagwall in die Kleine Elster. Doch zurück zur Landschaft: In einem Seitenweg kurz hinter dem Ortsausgang fällt ein einzelner blühender Holunderstrauch auf, der sich an einen alten Blechcontainer lehnt.

Foto 2: Schönes Frühsommer-Motiv mit Holunderstrauch, Traktorrad und Blechcontainer.
Gleich nebenan befinden sich große Stapel vergessener Holzpaletten. Längst haben die Brombeeren deren Eroberung übernommen. Hinter den Stapeln öffnet sich der weite Blick Richtung Osten.

Foto 3: Wirkt wie ein mächtiges, vergessenes, mystisches Holztor.
Foto 4: Fast geht die Niederung der Wobert in der bewaldeten Landschaft unter. Lediglich eine kleine Delle im Waldgebiet im Hintergrund (Bildmitte) kennzeichnet den Verlauf der Niederung in den Wäldern.
Foto 5: Schönes frühsommerliches Motiv. Über der Münchhausener Heide tummeln sich Wolken in verschiedenen Grautönen von Grau bis Weiß.
Ein schwarzer Vogel entschloss sich, den Fotografen näher zu betrachten. Neugierig umkreiste er über mir. Dabei leuchteten wiederholt seine Flügelfedern in der Sonne auf.

Foto 6: Schwarzer Vogel am Himmel über der Niederung.
Auf dem Rückweg zur Sonnenstraße fiel mir die Musterung des Holzes einiger Paletten auf. Äste in den Brettern hatten sich durch die Verwitterung gelb verfärbt. Das mittlerweile mildere Spätnachmittagslicht tat sein Übriges.
Foto 7: Holzmuster mit intensiver Färbung.
Foto 8: Ast gelb verfärbt.
Ein Stück weiter auf der Sonnenstraße unterquert ein trocken gefallener Graben die Straße. Eine kurze Baumreihe hat sich dort entwickelt. Sie trennt nach links eine flache Bodenwelle ab, die im Getreide kaum auf fiel. Sie trägt den interessanten Flurnamen „Das Schölchen“, der in der Niederlausitz ein kleines, feuchtes oder ausgewaschenes Gelände bezeichnet, also eher eine Senke. Zumindest auf der Karte der Feldmark Hennersdorf von 1851 taucht der Flurname bereits auf. Er ist in Hennersdorf also schon sehr lange in Gebrauch.

Foto 9: Hübscher Anblick. Die Flur "Das Schölchen".
Ein paar hundert Meter weiter, mitten im Frühsommer, blühte eine einzelne Heckenrose in einer sonst blütenlosen Hecke wilder Rosen. Just in dem Moment der Begegnung fand ein einzelner Sonnenstrahl durch das hier dichte Blätterdach seinen Weg exakt auf die Blüte. Da können fast Zweifel am Zufall aufkommen.

Foto 10: Einzelne Blüte einer Heckenrose im sonst blütenlosen Schatten.
Noch ein paar Schritte weiter die Wobert. Mitten im Feld verläuft ein langgestreckter Graben. Trotz des jahrelangen Wasserdefizits in der Niederlausitz führte sie Wasser.

Foto 11: Hennersdorfs kleiner, vergessener Fluss,
die Wobert.
Sieht man sich das Geländeprofil der Wobert-Niederung an, wird klar, weshalb sie trotz jahrelanger Trockenheit noch Wasser führt. Sie liegt am tiefsten im Verhältnis zur übrigen Hennersdorfer Stauchmoräne und reicht weit in die Stauchmoräne hinein, bis kurz vor Finsterwalde. Sie hat also ein recht großes Einzugsgebiet. Doch dazu später einmal mehr.

Karte 3: Profil der Wobert-Niederung östlich der Sonnenstraße nach Münchhausen.
Kurze Zeit später betritt ein anderer Akteur das Gelände an der Wobert, ein Rehbock.

Foto 12: Rehbock am Uferweg der Wobert.
Selbst vom sich nähernden Fotografen lässt er sich nicht stören. Also lasse ich ihn in Ruhe und bleibe auf Distanz.

Knapp 150 Meter weiter steigt das Gelände um einige Meter an. Hier beginnt der Wald der Münchhausener Heide. An seinem Rand befindet sich ein Aussichtspunkt mit schönem Blick über die Niederung der Wobert.

Foto 13: Zwischen den Bäumen bietet sich ein reizvoller Durchblick in die weite Landschaft der Wobert-Niederung.
Auf dem nächsten Foto zeichnet sich ein geografisches Detail ab. Die Baumreihe kennzeichnet den Verlauf der Wobert. Beim genauen Hinsehen wird der flache, aber breite Einschnitt, den der kleine Fluss seit der Saale-2-Eiszeit in die Stauchmoräne geschnitten hat, erkennbar.

Foto 14: Landschaft entlang der Wobert Richtung Osten. Mittig der sanfte Einschnitt in der Landschaft.
Für diese Arbeit nahm sich der kleine Fluss ca. 126.000 Jahre Zeit. Entstanden ist eine schöne Niederung mit typisch niederlausitzer Flachlandflair.

Auf der gegenüberliegenden Seit ragt wie eine alte Burg das Siebanlage des ehemaligen Hebel-Werkes aus dem Wald. Ein interessante Kontrast.

Foto 15: Siebanlage des ehemaligen Hebel-Werkes überragt die Landschaft.
Auf der glazialen Hochfläche der Münchhausener Heide angekommen, bietet sich noch ein Rückblick in Richtung Hennersdorf an.
Foto 16: Verstecktes Hennersdorf.
Damit war es Zeit zur Rückkehr an den heimischen Computer zur Bearbeitung der Fotos. Was bleibt, ist der Eindruck, dass Hennersdorf nicht nur aus Bergbau und Wald besteht. Ein Dorf, das mit seinem fast vergessenen kleinen Fluss über eine reizvolle Landschaft verfügt und somit eine Einladung zu einem Spaziergang bietet. Dafür gibt es einen inoffiziellen Rundweg. Start ist in Hennersdorf am Wegestern. Der Sonnenstraße Richtung Münchhausen bis zur Wobert folgen. Weiter geht es rechts auf dem Feldweg entlang des Grabens. Es folgen zwei Brücken. An der zweiten Brücke den kleinen Fluss überqueren und Richtung Süden durch die Felder bis zum Waldrand gehen. Es geht leicht bergauf. Am Waldrand angekommen, rechts halten und dem Weg in Richtung Ortskern weitergehen. Teilweise geht es durch ein kleines Waldstück. Nach knapp einem Kilometer erreicht man den „Waldweg“, der bis zur ehemaligen Gaststätte Hennersdorf führt. In Sichtweite trifft man dort wieder auf den Ausgangspunkt, den Wegestern am markanten Gemeindehaus mit Glockenturm.
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Blog: Mit 8 Megapixeln durch die Niederlausitz.

Autor: Vel Thurvik
Fotos: Vel Thurvik

Dienstag, 21. Juli 2026

Wiedereröffnung der Sparda-Bank Filiale in Falkenberg /Elster - Niederlausitzer Begegnungen -

Am 11. Juni 2026, 10:00 Uhr war es endlich so weit. Exakt 500 Tage nach einer Automatensprengung Ende Januar 2025, konnte die damals schwer beschädigte Sparda-Bank Filiale in Falkenberg, wiedereröffnet werden.

Foto 1: Mit einem "Herzlich Willkommen" und dem Motto "Falkenberg bewegt" werden die Kunden in der neu gestalteten  Sparda-Bank Filiale begrüßt.

Foto 2: Wiedereröffnung der Sparda-Bank Filiale Falkenberg /Elster am 11. Juni 2026.
Die Freude über die Wiedereröffnung sah man Frau Handschack, der Marktleiterin der Filiale in Falkenberg /Elster, sichtlich an. Vor über 40 Gästen, Kunden und Besuchern schilderte sie die Entwicklung seit der Explosion in der Nacht des 27. Januar 2025. Nach der Automatensprengung war der Standort zunächst nicht nutzbar. Von Beginn an stand fest, trotz der massiven Schäden soll die Filiale weiter bestehen bleiben. Bei der Sparda-Bank Berlin e. G. sieht man weiterhin Potential für den Standort Falkenberg, im Landkreis Elbe-Elster und darüber hinaus. Stellt doch diese Filiale in Falkenberg /Elster zwischen den nächsten Standorten in Riesa, Leipzig, Berlin und Cottbus einen zentralen Punkt dar. Mitglied des Vorstandes der Sparda-Bank Berlin, Rolf Huxell, unterstützte das noch mal in seinen Ausführungen.

Foto 3: Katja Handschack, Marktleiterin der Filiale in Falkenberg und Rolf Huxoll, Mitglied des Vorstandes der Sparda-Bank Berlin e. G. bei der Wiedereröffnung.
Nach der Automatensprengung 2025 organisierte das Team der  Sparda-Bank kurzfristig den Kundenservice in benachbarten Räumlichkeiten des Gewerbeobjektes Friedrich-List Straße und sicherte so den Kundenbetrieb. Die Bargeldversorgung übernahm als Partnerbank die Raiffeisen-Filiale in Falkenberg. Doch zunächst gab es erst mal Schwierigkeiten. Bei der Sprengung hatten sich Deckenträger des Gebäudes aus der Verankerung gelöst. Folglich musste erst ein Statik-Gutachten klären ob und wie ein Wiederaufbau erfolgen kann. Das erklärt auch die Dauer bis zum Baubeginn Anfang Januar 2026, wie Frau Handschack ausführte.

Foto 4: Gespanntes Publikum aus Kunden, Gästen, Partnern und Mitarbeitern der Sparda-Bank Filiale Falkenberg /Elster.
Bereits zur Weihnachtsfeier der Falkenberger Eisenbahner, Mitte Dezember 2025, ging ein Raunen durch die Reihen als bekannt wurde, dass ab Januar 2026 mit dem Wiederaufbau begonnen werden soll. Es war dann auch der Hinweis der Falkenberger Eisenbahner mal darüber zu berichten, wenn es soweit ist. Was zeigte, die Sparda-Bank ist in Falkenberg /Elster fest verankert.

Am Standort Falkenberg /Elster setzt die Sparda-Bank Berlin weiter auf persönliche Beratung. Künftig wird die Filiale von einem vierköpfigen Team betreut und durch zwei Verbundmitarbeiterinnen aus Riesa unterstützt. Ein Markenzeichen der Sparda-Bank, der persönliche Kundenkontakt, bleibt somit erhalten.

Foto 5: Team der Sparda-Bank und Partner vor dem neu eröffnete Filiale in Falkenberg /Elster.
Verändert hatte sich allerdings das technische Angebot. Bargeldautomaten wird es in der Filiale nicht mehr geben. Es ist einfach zu gefährlich. Wie sich später im Gespräch mit Frau Handschack herausstellte, bei der Automatensprengung handelt es sich bereits um das zweite derartige Ereignis seit Februar 2017. Wie Herr Huxell ergänzt, prüft die Bank einen möglichen Standort in der Nähe des Bahnhofes Falkenberg /Elster. Nach Angaben der Sparda-Bank hat die Stadt bereits ihre Zustimmung erteilt. Ein Bauantrag ist in Vorbereitung. Der Bargeldautomat in der Tankstelle Herzberg /Elster bleibt bestehen. Ebenso die kostenfreie Bargeldversorgung durch die Raiffeisen-Filialen. Auf Serviceautomaten wird die Sparda-Bank verzichten. Statt dessen sollen digitale Angebote stärker ausgebaut werden. Die Sparda-Bank folgt damit einem Zug der Zeit. Für alle Kunden werden ab Juni 2026 Seminare zum Onlinebanking angeboten. Für Anfänger ebenso wie für Fortgeschrittene. Als weitere Kontaktmöglichkeit kommt das Format "Erzählcafè" hinzu. Es soll den Austausch zu Finanzthemen fördern. Etwas was sich im Anschluss einige Anwesenden ausführlicher erläutern ließen.

Gemeinsam mit den Sparda-Bank Partnern DEVK um Herrn Krahlisch und dem Team der Bausparkasse Schäbisch Hall mit Frau Yvonne Frommhold und Herrn Liebert, wird die Beratungstätigkeit für weitere Produkte und Leistungen in gewohnter Weise fortgeführt.
Doch das ist nicht alles. Frau Handschack wies in ihrer Rede ausdrücklich darauf hin, die Räumlichkeiten stehen auch Vereinen und ehrenamtliche Organisationen für Beratungen und Veranstaltungen kostenlos zur Verfügung. Ein großer Monitor ermöglicht Präsentationen. Sitzgelegenheiten sind vorhanden. Damit steht eine weitere Begegnungsstätte im Zentrum zur Verfügung. Einige Gäste fragten vorsichtshalber noch mal nach ob jeder Verein dieses Angebot nutzen kann. Falkenberg bewegt also und die Sparda-Bank ist in Falkenberg mehr als nur ein Ort für Bankgeschäfte. 

Foto 6: Lockere Gespräche im großen Raum der Sparda-Filiale Falkenberg /Elster.
Gut 20 Minuten später ging die feierliche Eröffnung in eine eine lockere Runde über. Kunden, Gäste und Besucher nahmen die neu gestalteten Räume in Augenschein und nutzten die Gelegenheit für Gespräche mit Mitarbeiter und Partner. Wie sich schnell zeigte, man kannte sich.

Foto 7: Mitglied des Vorstandes Rolf Huxoll im Gespräch.
Schon nach kurzer Zeit fanden erste Kundengespräche statt.

Foto 8: Erste Kundengespräche am neuen Service Point.
An zwei durch Glaswände abgetrennte Räume mit der Bezeichnung Gleis 3 und Stellwerk, fanden bereits erste Beratungen statt. 

Foto 9: Wo gibt`s das schon? Auch ein Mitglied
des Vorstandes hilft Kunden weiter. Bei der Sparda-Bank
geht das eben.
Foto 10: Reges Treiben und Gespräche auch vor dem Gebäude der Filiale Falkenberg /Elster.
Das Team um "Sir Mampfelot" aus Dresden übernahm gekonnt die Versorgung der Anwesenden. Der Fotograf kann bestätigen, sehr lecker.

Foto 11: Das Team von Martin Sauer um den mobilen Versorger "Sir Mampfelot" aus Dresden. Rechts Marktleiterin Katja Handschack.
In den folgenden Stunden entwickelte sich ein reges Kommen und Gehen. Die Wiedereröffnung hatte sich offenbar herumgesprochen. Leider konnte der Fotograf nicht bis zum Schluss bleiben. Andere Termine riefen. Vielen Dank an das Team der Sparda-Bank Filiale für die freundliche Aufnahme. Auf alle Fälle gelungener Auftakt für Falkenberg /Elster und sicher ein Gewinn für den Landkreis Elbe-Elster.
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Text und Fotos: Volker Kock, Finsterwalde /Niederlausitz