Wiederinbetriebnahme der Glocken in Großbahren
Es war Samstag, der 28. März 2026, in Großbahren und für die Dorfgemeinschaft war es ein besonderer Tag. Die feierliche Glockensegnung und Anläuten nach Abschluss des ersten Bauabschnittes im historischen Glockenturm.
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| Foto 1: Feierliche Segnung der Glocken zur Wiederinbetriebnahme in Großbahren durch Pfarrer Maik Hildebrand am 28.03.2026. |
Was war passiert? Bei einer technischen Prüfung der Aufhängungen der Glocken im historischen Glockenturm wurde festgestellt, dass eine dringende Instandsetzung unumgänglich war. Die Fachleute stellten fest, die beiden eisernen Glockenjoche aus den Zwanziger Jahren des letzten Jahrhunderts mussten ersetzt werden. Andernfalls drohte die Verstummung der Glocken. Nach dieser Hiobsbotschaft folgte die zweite in Form der Kosten: 13.000 € würden dafür anfallen. Schnell stand in der Dorfgemeinschaft fest, dass ein Verstummen nicht in Frage kam. Zur Modernisierung sollten die Glocken noch ein elektrisches Läutewerk erhalten. Da beides nicht gleichzeitig zu finanzieren war, blieb Letzteres einem zweiten Bauabschnitt vorbehalten. Dazu weiter unten mehr.
Wie schon bei anderen Projekten im Ort nahm sich der Ortsverein Grüne Eiche Großbahren e. V. der Sache an. Unter der Leitung des Vorsitzenden Bernd Lehmann wurde eine Spendenaktion gestartet. Eine Recherche ergab Überraschendes: Der Glockenturm neben der Schule gehörte der Stadt Sonnewalde und nicht zur zuständigen evangelischen Kirchengemeinde. Damit fiel die Unterstützung der Kirche aus. Für den Ortsverein war das kein Grund aufzugeben, im Gegenteil. Ein Jahr später wurde das erste Etappenziel erreicht.
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| Foto 2: Fertig gestellte Glocken im Glockenturm Großbahren. |
Vorausgegangen war noch eine Zitterpartie, ob die am Dienstag zuvor fehlenden schmiedeeisernen Klöppel rechtzeitig eintreffen würden.Über die Instandsetzung selbst und einen fotografischen Rundgang durch den historischen Glockenturm berichtete der Blog „Mit 8 Megapixeln durch die Niederlausitz“.
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| Foto 3: Teilnehmer vor dem Festzelt und historischem Glockenturm Großbahren. |
Nun am Samstag Nachmittag 14:00 Uhr war es so weit. Langsam füllt sich das aufgestellte Festzelt mit Großbahrener Einwohnern, vielen Sponsoren, Unterstützern und Persönlichkeiten. Für die Glockensegnung war Pfarrer Maik Hildebrand aus Sonnewalde gekommen. Bevor es losgehen konnte, musste noch ein kleines Kommunikationsproblem zwischen Kirche und Technik behoben werden. Etwas was ein Vereinsmitglied schnell und kompetent erledigte.
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| Foto 4: Lösung eines kleinen Kommunikationsproblems zwischen Kirche und Beschallungstechnik. |
Vor inzwischen über 70 Teilnehmern begann die stellvertretende Ortsvorsteherin Franziska Deißing mit ihrer Eröffnungsrede. Sie schilderte die bisherige Entwicklung und ging auf die erfolgten Bauarbeiten ein. Sie dankte allen Sponsoren, Spendern, Unterstützern, dem Ortsverein Grüne Eiche Großbahren e. V. und insbesondere dem Vereinsvorsitzenden Bernd Lehmann für sein außerordentliches Engagement. Auch die untere Denkmalschutzbehörde wurde nicht vergessen.
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| Foto 5: Stellvertretende Ortsvorsteherin Franziska Deißing bei ihrer Eröffnungsrede. |
Anschließend ergriff Bernd Lehmann das Wort.
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| Foto 6: Bernd Lehmann. |
In den nächsten 20 Minuten ging es mit kurzen Episoden durch die Geschichte des Ortes Großbahren, von den ersten Siedlungsspuren in der Jungsteinzeit, über die Germanen- und Slawenzeit sowie dem Mittelalter, bis hin zu wichtigen Ereignissen in den letzten Jahrzehnten. Natürlich kam auch die Entstehung des Glockenturmes nicht zu kurz.
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| Foto 7: Gespanntes Publikum in Großbahren. |
Das und einiges mehr an Interessantem ist in der Ortschronik Teil I anlässlich der 750-Jahrfeier nachzulesen. An einem weiteren Teil wird aktuell gearbeitet.
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| Foto 8: Ortschronik Teil 1 von Großbahren. |
Dass es für die Einwohner unserer Region auch unschöne Zeiten gab, vermittelte eindrücklich Anica Süßkind. Sie verlas einen Feldpostbrief des Soldaten Otto Belling (Kleinbahren) aus dem Ersten Weltkrieg. Darin schilderte dieser die Begegnung mit französischen Soldaten zu den Weihnachtsfeiertagen 1915 an der Front und das Absurde des Krieges. In Großbahren gab es in diesem Krieg vier Todesopfer.
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| Foto 9: Anica Süßkind beim Verlesen des Feldpostbriefs von Soldat Otto Belling aus dem Ersten Weltkrieg. |
Daraufhin übernahm Pfarrer Hildebrand gekonnt das Rednerpult.
Sein Thema war: Glocken – Ein Zeichen von Tradition, Zeitmessung, Gemeinschaft und Glauben. Angefangen von den historischen Ursprüngen spannte er ein breites Feld an Aspekten über Bedeutung, Wirkung und Vorkommen in unserer Gesellschaft sowie den Einfluss auf Kunst und Literatur auf. Seine Botschaft lautete: Glocken verbinden Tradition, Glauben und Gemeinschaft auf einzigartige Weise und sind ein lebendiges Symbol für die Verbundenheit von Himmel und Erde. Begleitet wurde seine Predigt durch Lieder, die die Anwesenden mitsingen konnten.
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| Foto 11: Teilnehmer mit den Liedtexten in der Hand. |
Nahtlos ging es dann zur Segnung der beiden Glocken (siehe Foto 1 oben) und dem anschließenden Anläuten.
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| Foto 12: Glöckner Bernd Lehmann und Andrè Deißing beim Anläuten. |
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| Foto 13: Wichtiger Moment für Großbahren, die Glocken läuten wieder. |
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| Foto 14: Einwohner beim Einläuten vor dem historischen Glockenturm Großbahren. |
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| Foto 15: Stille in Großbahren. Nur die Glocken läuten. |
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| Foto 16: Andächtig: Anica Süßkind, stellv. Ortsvorsteherin Franziska Deißing und Pfarrer Maik Hildebrand. |
Nach dem Anläuten gab es für die Teilnehmer Kaffee und Kuchen. Rege Gespräche kamen auf.
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| Foto 17: Gemütliches Beisammensein bei Kaffee und Kuchen. |
An der Seitenwand des Glockenturmes fiel noch die Liste der Sponsoren und Unterstützer ins Auge. Sie war überraschend lang.
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| Foto 18: Liste aller Unterstützer und Sponsoren für die Sanierung der Aufhängung der Glocken. |
Für diese gab es eine Wertmarke für Bratwurst und Getränke, mit der Aufschrift „Glockenturmretter“. Ein Grund mal der leichten Rauchentwicklung nachzugehen. Und siehe da, hinter dem Turm war ein kleines Team bei der Grillarbeit.
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| Foto 19: Vereinsmitglieder v. l. Andrè Deißing, Frank Lehmann und Andreas Erpel beim Grillen für die Teilnehmer. |
Damit war der erste Bauabschnitt zur Rettung abgeschlossen. Wie Bernd Lehmann dem Fotografen erläuterte, geht die Spendenaktion zur Finanzierung des zweiten Bauabschnitts weiter. Neben ihm auf dem Tisch stand ein hölzernes Modell des Glockenturms als Spendenbox, gebaut von Jörg Schulze. Ziel war die Finanzierung der Elektrifizierung der Glocken mit digitalem Läutewerk. Als Zeitraum für den zweiten Bauabschnitt ist der Herbst 2026 vorgesehen. Spenden waren also hoch willkommen.
17:30 Uhr. Langsam löste sich die Runde auf. Ein kalter Wind war aufgekommen und am Himmel über dem westlichen Horizont hatte sich eine merkwürdige Wolkenformation entwickelt.
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| Foto 20: Eigenartige Wolkenwand am westlichen Himmel. |
Zeit für den heimischen Computer und die Bildbearbeitung. Für die freundliche Versorgung möchte sich der Fotograf bei den Frauen des Ortsvereins recht herzlich bedanken.