Instandsetzung der Glockenaufhängung im historischen Glockenturm Großbahren
Ein Hinweis von Norbert Zach, Eigentümer des Dorfmuseums Kleinkrausnik, machte neugierig. Aus seiner Nachricht war zu entnehmen das nach 100 Jahren die Aufhängung der beiden Glocken im Glockenturm Großbahren instandgesetzt werden muss. Eine gute Gelegenheit für eher seltene fotografische Einblicke.
Nicht jeder Ort in der Niederlausitz hat seine eigene Kirche. Manchmal hat es sich so ergeben, dass Dörfer lediglich über einen freistehenden Glockenturm verfügen. Großbahren in der Nähe von Sonnewalde gehört dazu. Das unter Denkmalschutz stehende Gebäude ist nicht zu übersehen. Im Gegenteil: Es ist eines der markantesten Gebäude im Ort und befindet sich am Westende des Dorfes, neben der alten Schule.
| Foto 1: Glockenturm in Großbahren. Daneben ein Festzelt für Besucher und die Mitarbeiter an den Glocken. |
| Foto 2: Schild des Ortsvereines Grüne Eiche Großbahren e. V. |
| Foto 3: Die beiden ausgebauten Glocken vor dem Glockenturm Großbahren. Foto von Norbert Zach aus Kleinkrausnik. |
Natürlich hatten die Mitglieder des Vereins für ein passendes Umfeld der Arbeiten an den Glocken gesorgt. Neben dem Turm stand ein größeres Festzelt. Besucher waren willkommen und die Versorgung war abgesichert. Gute Vereinsarbeit eben.
Der 1856 erbaute Glockenturm selbst wurde bereits 1966, 2006 und 2014 jeweils teilsaniert. Einzelheiten dazu sind in der Ortschronik Großbahren ab Seite 78 zu finden.
| Foto 4: Erstausgabe Ortschronik Großbahren. |
| Foto 5: Tafel mit wichtigen Ereignissen rund um den Großbahrener Glockenturm. |
Am Nachmittag hingen die beiden Bronzeglocken wieder im Turm. Nur die schmiedeeisernen Klöppel hatten sich verspätet. Bernd Lehmann hoffte das bis zur vorgesehenen Weihung am Samstag die fehlenden Teile eingetroffen sind.
| Foto 6: Beide Glocken im Glockenturm Großbahren, aber noch ohne Klöppel. |
Hilfsbereit stellte Bernd Lehmann eine Leiter bereit. Mit deren Hilfe war es möglich, einen tieferen fotografischen Blick in den Turm zu werfen. Der Rundblick im Turm selbst brachte eine Reihe interessante Details ans Licht. Auf einem Brett oben rechts standen die ehemalige Turmspitze und die Wetterfahne aus dem Jahr 1966. Daneben lagen Reste des ehemaligen hölzernen Glockenjochs. Allen sah man zweifellos ihr Alter an – vor allem dem Holz.
| Foto 7: Ehemalige Turmspitze und Wetterfahne. |
| Foto 8: Brett mit der Inschrift. |
| Foto 9: Ausgebautes ausgebautes gekröpftes Eisenjoch der großen Glocke im Turm. |
| Foto 10: Neues gekröpftes Glockenjoch aus Eichenholz und massiver Aufhängung. |
| Foto 11: Lager und Befestigung der kleineren Glocke. |
| Foto 12: Eiserner Klöppel der großen Glocke mit abgeschnittenem Lederband. |
Auf halber Höhe des Turmes fielen in den Facetten des Fachwerks leicht gebogene Querträger auf. Sie befanden sich an verschiedenen Stellen im Turm.
| Foto 13: Gebogene Balken im Turm. |
Mittig im Glockenturm hing die Läuteordnung. Aus ihr sind die Zeiten und die Anzahl der Glockenschläge ersichtlich. Für die Glöckner ist Pünktlichkeit also keine Zier, sondern schlicht unumgänglich.
| Foto 15: Läuteordnung Großbahren und darunter eine Funkuhr. |
1. Glöckner Bernd Lehmann seit 1980
2. Glöckner seit 2010 Andres Lehmann
3. Ersatzglöckner Andre Deißing
Auf dem Ziegelboden befand sich eine große Ofensau. Sie lag mit der Unterseite nach oben und war Zeugnis der Eisenverhüttung von Raseneisenerz im Rennofen-Verfahren aus einer fernen Vergangenheit. Wie Bernd Lehmann erläuterte, war das Fundstück bei den archäologischen Untersuchungen im Vorfeld der OPAL-Trassierung zutage getreten. Neben vielen anderen Funden wurde es der germanischen Besiedlung in der Gegend zugeordnet. Eine diesbezügliche Dokumentation liegt aber noch nicht vor.
| Foto 16: Prähistorische Ofensau vermutlich aus germanischer Zeit. |
| Foto 17: Lederband für die noch fehlenden Klöppel. |
| Foto 18: Solide Schmiedearbeit hält dem Glockenturm zusammen und fest verankert. |
| Foto 19: Beurteilung des Glockenturms 2013 durch das Denkmalamt. |
Am Ende der kleinen Führung legte Bernd Lehmann noch eine Ortschronik vor. Darin ist ab Seite 75 die Geschichte des Glockenturms und der beiden bronzenen Glocken dargestellt. Diese wird nun fortgeschrieben werden.
Unmittelbar neben dem Turm befand sich eine grüne Tafel mit einer Zusammenfassung zum Glockenturm und der Geschichte der Glocken.
Im Festzelt nebenan waren inzwischen mehrere ältere Einwohner eingetroffen. In der Ecke standen Kaffee und Getränke bereit. Es wurde über allerlei Themen gesprochen, natürlich auch über die Glockensanierung. Hinten im Zelt saßen Bernd Lehmann mit Axel Sickert und seinem Bruder.
| Foto 20: Bernd Lehmann und die Gebrüder Sickert im Fachgespräch. |
Zwei Tassen Kaffee später, mit einer Einladung zur Glockenweihe und einem Kopf voller interessanter Informationen, geht es zurück an den heimischen Computer.
Weiterführende Links:
Ort Großbahren bei Wikipedia.
Glockenturm Wikipedia
Entstehung und Herstellung von Kirchenglocken Wikipedia
Der Glockenstuhl
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Blog: Mit 8 Megapixeln durch die Niederlausitz.
Autor: Vel Thurvik
Fotos: Vel Thurvik
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