Mittwoch, 30. September 2026

Hennersdorf und einige Episoden seiner Erdgeschichte - Niederlausitzer Entdeckungen -

Hinweis: Dieser Blogeintrag ist in Vorbereitung der neuen Ortschronik für den Ort Hennersdorf bei Doberlug-Kirchhain entstanden.
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Geologische Standortbestimmung


Hennersdorf bei Doberlug-Kirchhain befindet sich am Westrand der Finsterwalder–Hennersdorfer Stauchmoräne, inmitten des Finsterwalder Beckens. Das Relief wird großräumig durch die Stauchmoräne bestimmt, die deformierte und teilweise aufgestellte Tertiär-Schollen sowie aufgeschobenes Material dreier Eiszeiten enthält. Darin eingelagert sind Schuppen der Kohle des 1. und 2. Lausitzer Flözhorizonts. Außerdem sind Schmelzwassersande mehrerer Gletscher, Kieslager von Flussablagerungen wärmerer Phasen zwischen den Eiszeiten sowie Sande und Kiese zweier alter Elbeverläufe eingelagert.

In wenigstens drei Eiszeiten – Elster-2, Saale-1 und Saale-2 – wurde diese Stauchmoräne von Gletschern überfahren. Das Ergebnis ist ein kompliziertes geologisches Gebilde. Siehe Karte 1.

Abb. 1: Darstellung der Finsterwalder-Hennersdorfer Stauchmoräne als geologische Karte
1:100 000 mit genauer Bezeichnung der Oberflächengesteine. Unter Verwendung der digitalen geologischen Karte des LBGR: https://geo.brandenburg.de/
Westlich des Dorfes befindet sich die Niederung der Kleinen Elster. Sie ist Teil eines umfangreichen nacheiszeitlichen Systems von Abflussrinnen, das die Stauchmoräne Hennersdorf umgibt.

Abb. 2: Karte des Finsterwalder Beckens mit Hennersdorfer Stauchmoräne. Erstellt unter Verwendung von Daten des LGBR.
Blickt man etwas tiefer in den Boden, befinden sich Hennersdorf und die umliegenden Orte unmittelbar über der Torgau-Doberluger Synklinale. Dabei handelt es sich um ein langgestrecktes geotektonisches Einbruchstal, was heute von Schichten des Unterkarbons mit seinen Doberluger Steinkohlenflözen und – nach einer sehr großen Schichtlücke – mit den Lockersedimenten des Tertiärs und Quartärs vollständig aufgefüllt ist. Sein Unterbau, praktisch das darunterliegende geologische Stockwerk, besteht aus einer großräumigen Beckenfalte des Kambriums. Sein Alter beträgt ca. 540 Millionen Jahre, daher auch die Bezeichnung Synklinale. Dieses große Becken erstreckt sich von Torgau bis in die Nähe von Calau. Das Gebiet ist Bestandteil des Lausitzer Blocks, der wiederum Teil einer noch größeren geologischen Einheit ist, der Sudetischen Scholle. Letztere reicht bis nach Tschechien und Südwestpolen.

Abb. 3: Skizze der Torgau-Doberlug-Finsterwalder Synklinale mit ihren Störungen und Erdbeben.
Nach Norden hin wird dieses 8–16 Kilometer breite Tal durch die von West nach Ost verlaufende Herzberger Störungszone, eine wichtige Kollisionszone zwischen den ehemaligen Kontinenten Ost-Avalonia im Norden und Armorica im Süden, begrenzt. Im Westen bildet das Elbe-Lineament die Begrenzung des Tals. Es handelt sich ebenfalls um eine der großen Störungszonen, die entlang der Elbe Ostdeutschland durchzieht. Bei Calau taucht dieses Tal unter den von Nordwest nach Südost verlaufenden Lausitzer Hauptabbruch ab. Im Süden grenzt die Finsterwalder Störungszone dieses Becken zum Lausitzer Block hin ab. Bei dieser Störung handelt es sich um eine sogenannte Überschiebung. Die Gesteine des Lausitzer Blocks wurden hier teilweise über die Schichten des Einbruchstals, auf dem sich auch Hennersdorf befindet, geschoben.

Die Torgau-Doberluger Synklinale ist keine einheitliche geologische Blockstruktur oder tektonische Gesteinsplatte. Der Boden des Tals steht aus zwei Richtungen unter Druck: aus Richtung Westen und vom Lausitzer Block im Süden. Als Folge haben sich zwischen dem Lausitzer Block im Süden und der Erdkruste nördlich der Herzberger Störungszone wiederholt Bewegungen entlang diagonal verlaufender Störungszonen entwickelt – eine Folge der langen geologischen Geschichte. Das Ergebnis ist ein kompliziertes Muster von Brüchen und Störungen über die gesamte Torgau-Doberluger Synklinale. Hennersdorf und die umliegenden Orte stehen also auf zerbrochenem Boden. Da diese Bewegungen auch heute noch anhalten, kommt es in großen Abständen immer wieder zu kleinen Erdbeben. Hier eine kleine Übersicht der durch Seismologen seit 1980 bestätigten Erdbeben:

15. September 1984: Wahrenbrück, Stärke: Magnitude 1.4
7. Oktober 2017 südlich von Finsterwalde, Stärke: Magnitude 1,1
17. September 2024 zwischen Gräfendorf und Herzberg /Elster, Stärke: Magnitude 0,7
18. Okt. 2024 im Waldgebiet zwischen Oelsig und Prießen, Stärke: Magnitude 3,2

Da diese Bewegungen auch in Zukunft nicht enden werden, wird es immer wieder leichte Erschütterungen geben. Müssen wir jetzt ständig Angst haben? Nein, Respekt ist aber schon angebracht. Die intensivsten Erdbeben finden an den großen Plattenaußengrenzen statt, dort, wo sich die großen tektonischen Platten unmittelbar übereinander- und aneinander vorbeischieben. Beispiele sind die Apenninen in Italien, die Alpen, das Dinarische Gebirge auf dem Balkan und der Rheingraben in Westdeutschland. Die Niederlausitz und damit Hennersdorf sind davon weit entfernt. In unserer Region haben sich die geologischen Einheiten seit langer Zeit weitgehend stabilisiert. An den Rändern der großen Platten ausgelöste Bewegungen erreichen uns aufgrund der Entfernung nur gedämpft und mit großen Verzögerungen. Spannungen bauen sich über sehr lange Zeiträume auf und besitzen keine besonders hohe Bewegungsenergie. Folglich sind die tektonischen Bewegungen hier eher verhalten. Das zeigt sich durchweg in den geringen Magnituden der oben aufgelisteten Beben.

Hennersdorfs weiter Weg um den Globus – Wanderung der Kontinente Avalonia und Armorica -


Unsere Reise beginnt im ausgehenden Ediacarium, vor etwa 566 Millionen Jahren, auf der Südhalbkugel der Erde, dort, wo sich heute der Südatlantik befindet. Sie begann etwa auf der Höhe des heutigen Südwestafrikas. Das Gebiet der heutigen Niederlausitz erstreckte sich am Nordrand des damaligen Superkontinents Gondwana und grenzte an den Teil, der später zum Nordwesten Afrikas werden sollte. Dieser Superkontinent umfasste Südamerika, Afrika, Antarktika, Australien, Indien, Arabien und Teile des heutigen Mitteleuropas.

Als Folge der Kollision eines großen, von Vulkanen besetzten Inselbogens, mit dem Superkontinent Gondwana, erhob sich ein langgestrecktes Hochgebirge, das als „Cadomisches Gebirge“ bezeichnet wird. Es erstreckte sich vom heutigen Westspanien in weitem Bogen über 6.000 Kilometer bis in die Osttürkei. Im ehemaligen Steinbruch bei Fischwasser blickt der nördlichste Rest dieses ehemaligen Hochgebirges aus dem Boden. Das Alter der Gesteine beträgt ca. 566 ± 10 Millionen Jahre.

Abb. 4: Felsenrest im ehemaligen Steinbruch im Wald bei Fischwasser.
Zusammen mit dem Rothsteiner Felsen sind dies die ältesten an der Oberfläche anstehenden Gesteine in Brandenburg, abgesehen von den Findlingen aus Skandinavien. Doch diese haben eine andere Herkunft.

Nach der Abtragung des Cadomischen Gebirges vor 520 Millionen Jahren blieben einige Mikrokontinente zurück, die den weiteren Werdegang der Niederlausitz und damit auch Hennersdorfs bestimmen sollten. Zwei davon werden Avalonia und Armorica genannt. Letzterer enthielt Teile der heutigen Niederlausitz. Mit ihrer schrittweisen Ablösung vom ehemaligen Superkontinent Gondwana im Devon vor ca. 414 Millionen Jahren begann eine lange Reise von der Südhalbkugel der Erde über den Äquator bis zur heutigen Position.

Zwischenzeitlich, im Unterkarbon vor 359 Millionen Jahren, setzte die Bildung der Doberluger Steinkohlenflöze ein. Ein aus Richtung Westen kommender Fluss bildete in einer flachen Niederung ein Delta. In dessen Mooren entstanden die späteren Steinkohlenflöze. Vor 318 Millionen Jahren endete diese Phase.

Die beiden Mikrokontinente Avalonia und Armorica durchliefen nicht nur mehrere Klimazonen der Erde, sondern durchquerten auch längst verschwundene Ozeane. Ihr letzter, der Rheische Ozean, wurde hier in der Niederlausitz, unter Hennersdorf, für immer geschlossen. Das Ergebnis war eine gewaltige Kollision der beiden Mikrokontinente Armorica und Avalonia, die vor 320 bis 290 Millionen Jahren zum variszischen Gebirge führte. Auf gut 600 Kilometern Länge von Ost nach West entwickelte sich ein etwa 5 Kilometer hohes Gebirge. Dessen Höhe entspricht der des tibetischen Hochlands. In den folgenden Jahrmillionen füllten seine Schuttmassen die Norddeutsche Tiefebene auf. Steile Gebirgsflüsse transportierten den Schutt nach Norden ab. Ein Beleg dafür lieferte das Fragment eines Bohrkerns aus den Erkundungsbohrungen zur Steinkohle Doberlug.

Abb. 5: Fragment eines Bohrkerns von der Steinkohlenerkundung Doberlug-Kirchhain.
Gut erkennbar sind die typischen groben Flussschotter. Ihre regellose Mischung aus eckigen, scharfkantigen und runden Gesteinsbruchstücken zeigt die Sedimente der Flussterrasse eines Gebirgsflusses. Geologen bezeichnen diese Art von Sedimenten als „Fangglomerate“. Sie entstehen, wenn sich ein Fluss in ein Gebirgstal mit steilen Seitenwänden tief eingegraben hat. Die im Flusslauf bereits transportierten und abgerollten Schotter wurden mit von den Seitenwänden des Gebirgstals herabgefallenen, scharfkantigen Gesteinsfragmenten vermischt und in einer Flussterrasse abgelagert. Tonige Sedimente verkitteten schließlich dieses Geröll. Später lagerten sich weitere Sedimentschichten darüber ab und verfestigten es schließlich zu einem Konglomerat.

Auf seinem langen Weg von der Südhalbkugel um den Globus hat die Gegend, auf der Hennersdorf heute steht, sehr viel erlebt. Von Wüsten über Dschungel, mehrere Eiszeiten, Massenaussterben, zwei gewaltige Gebirge, zahlreiche Vulkanausbrüche, Kollisionen mit anderen Kontinenten bis hin zu Steinkohlenwäldern, deren Flöze auch heute noch unter dem Ort ruhen – Hennersdorf hat also eine reiche geologische Geschichte. Diese hier umfassend zu schildern, würde den Umfang einer Ortschronik bei weitem übersteigen. Darum haben wir uns auf einige wichtige Episoden beschränkt.

In der Zeit der Oberkreide vor 100 bis 66 Millionen Jahren änderten sich die großräumigen Bewegungen der Kontinentalplatten, aus denen Europa besteht, erheblich. Ursache dafür war das Aufbrechen des Atlantiks. Sein Mittelatlantischer Rücken drückt bis heute Europa und Amerika auseinander. Seit dieser Zeit wird Europa langsam nach Osten gedrückt.

Abb. 6: Skizze der tektonischen Bewegungstendenzen auf Mitteleuropa.
Gleichzeitig rückten seit der Steinkohlenzeit im Karbon Afrika und die Arabische Halbinsel von Südosten heran.

Abb. 7: Skizze der tektonischen Bewegungen mit Wirkung auf die Torgau-Doberluger Synklinale.
Als Folge des neuen Druckgefüges auf Europa brach das Torgau-Doberluger Becken ein. Im nachfolgenden Tertiär füllten Flüsse aus Sachsen und Böhmen dieses Becken mit ihren Kiesen, Sanden und Tonen vollständig wieder auf. Den Vorläufern von Elbe und Schwarzer Elster sollte dabei eine wichtige Rolle zukommen. Ihre Sedimente lagerten sich als Senftenberger Elbe in einem breiten Streifen, von Ottendorf-Okrilla kommend, über Buchwäldchen, Calau, Kemmen, Gahrow bis Frankenhain bei Schlieben ab. Wiederholte Meeresvorstöße aus Richtung Nordwesten sorgten für große Sumpfgebiete, in denen sich erst Moore und dann Braunkohlen bildeten.

Mit den vor 1,8 Millionen Jahren folgenden Eiszeiten wurde unsere Landschaft mehrfach gründlich umgeformt. Die in weitem Bogen nördlich von der Senftenberger Elbe abgelagerten Kiese und Sande wurden von den Eiszeiten über Hennersdorf und seine Stauchmoräne hinweg transportiert. Dabei wurden die bereits aufgeschobenen Braunkohlenschollen ebenfalls teilweise abgetragen, verschoben und erneut zwischen die Kiese und Sande eingeschwemmt. Siehe Abb. 8.

Abb. 8: Wechsellagerung von eingeschwemmten Braunkohlenfragmenten mit Kiesen und Sanden in der Kiesgrube Hennersdorf.
Abb. 9: Diskordant übereinander abgelagerte Kiese in der Kiesgrube Hennersdorf.
Zwischenzeitlich, in der Holstein-Warmzeit vor 360.000 bis 340.000 Jahren, schüttete die Elbe ihre Kiese und Sande aus Sachsen und Böhmen als „Berliner Elbe“ auf die Stauchmoräne bei Hennersdorf ab. Beleg dafür sind zwei Edelsteinfunde (Achate) vom Hirseberg nördlich der Wobert.

Abb. 10: Roter Trümmerachat vom Hirseberg nördlich von Hennersdorf b. Doberlug-Kirchhain.
Abb. 11: Weißer Bandachat vom Hirseberg nördlich von Hennersdorf b. Doberlug-Kirchhain.
Schließlich blieben vor 126.000 Jahren die Hennersdorfer Stauchmoräne und die sie umgebenden Niederungen der Kleinen Elster, Schacke und Wobert übrig. Siehe Abb. 2 oben. Damit waren auch die Voraussetzungen für das erste Auftreten des Menschen gegeben. Wie Funde aus dem Vorfeld des Tagebaus Jänschwalde belegen, wanderten bereits damals Vorfahren der heutigen Menschen als Jäger und Sammler durch die Niederlausitz. Sie folgten den Wegen des Großwildes, das durch die zurückgebliebene Tundra streifte. Trotz der kalten Bedingungen unter den abtauenden Gletschern fanden diese Einwanderer damit eine Lebensgrundlage.

Abb. 12: Abtauende Gletscherzunge und Schmelzwasserstrom nördlich von Hennersdorf. Später entstand daraus das Tal der Wobert.
Grafik unter Nutzung der Opera-KI ARIA.

Woraus besteht der Untergrund Hennersdorfs?

Von unten nach oben:

Lockersedimente des Känozoikums (Tertiär und Quartär) Alter 66 Millionen Jahre bis heute.
Unterkarbon (steinkohlenführende Schichten). Alter  329 und 332 Millionen Jahre.
Mittelkambrium (Quarzite der Arenzhain‑Gruppe). Alter ca. 541 bis 485 Millionen Jahre.
Unterkambrium (Zwethau‑Formation mit Kalksteinen und Dolomiten), Alter ca. 520 Millionen Jahre.
Cadomisches Grundgebirge (Lausitz‑Gruppe, Rothstein‑Formation), 540 bis 566 Millionen Jahre
Gesteine der Erdkruste und des oberen Erdmantels. Alter ca. 2,9 Milliarde Jahre

Wer mehr über die Entstehungsgeschichte Hennersdorfs, der Niederlausitz und Brandenburgs erfahren möchte, findet am Schluss des Beitrags einige weiterführende Literaturhinweise und Links.

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Verwendete Literatur und Quellenverzeichnis

Hermann Brause
Beiträge zur Geodynamik des Saxothurikums
GEOPROFIL, Freiberg 2 /1990

Dietmar FRANKE, (2020): Regionale Geologie von Ostdeutschland – Ein Kompendium. – 

Prof. Dr. Gottfried Grünthal,  (2006): Die Erdbeben im Land Brandenburg und im östlichen Teil Deutschlands. - Brandenburgische Geowissenschaftliche Beiträge, 13, 1/2, 165-168.

Thomas Höding, Michael, Göthel 
Tiefengeologie im Land Brandenburg
Landesamt für Bergbau, Geologie und Rohstoffe LBGR)
21.3.2021; Link: https://lbgr.brandenburg.de/sixcms/detail.php/622656
Dokument nicht mehr verfügbar.

Michael Göthel, Norbert Hermsdorf, (2014), Überblick zur regionalgeologischen Situation im Land Brandenburg einschließlich Berlin. – Cottbus: Brandenburg. geowiss. Beitr. 21 (2014), Heft 1/2, S. 5–18.

Peter Bankwirtz, Jürgen Kopp, Bernd Buschmann,
4.26 Südliche Phyllitzone (SPZ) im Abschnitt Bitterfeld-Döbern (26)
CFS 234, 4.26, S. 201 – 204
Veröffentlicht Dezember 2001 bei https://www.researchgate.net/publication/267868063

Carl-Dietrich Werner 
Variszische Gebirgsbildung /Regionalmetamorphose im Variszikum,
Entwicklungsgeschichte der Erde
VEB FA Brockhaus Nachschlagewerk Geologie
S. 222 - 233.

Rudolf Meinhold
Erdbeben
Entwicklungsgeschichte der Erde, 6. Auflage
VEB F. A. Brockhaus Verlag, Nachschlagewerk Geologie
S. 213 – 218

Werner Stackebrandt
Mehr als nur Streusandbüchse, Zur Erdgeschichte von Brandenburg
Eigenverlag, neue Auflage 2023

Werner Stackebrandt
Grundzüge des geologischen Bau von Brandenburg
Brandenburgische geowissenschaftliche Beiträge, 1998, Heft 5

Klaus Stanek, 
Tektonische Neugliederung von Nordwestsachsen und der Elbzone
Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie
Seite 39 - 48, Punkt 4.2. Interpretation von Störungen in Nordwestsachsen

IRIS, Seismischer Monitor weltweit.

Deutscher Erdbebenkatalog
Darstellung der Erdbeben in Mitteleuropa.


Geologie und Landschaftsentwicklung in Brandenburg
Wikipedia.de

Wikipedia, Plattentektonik
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Blog: Mit 8 Megapixeln durch die Niederlausitz.

Autor: Vel Thurvik
Fotos: Vel Thurvik

Freitag, 18. September 2026

Cottbus abends ungefiltert – Niederlausitzer Beobachtungen -

Fotografische Beobachtungen beim verlassen der Stadt Cottbus


Unwetter sind meist unangenehm, vor allem wenn man unterwegs ist. Doch das muss nicht immer so sein. Es gibt auch Momente da zeigen abendliche Unwetter ihre schönen Seiten. Wenn dann noch die Kamera von der gerade zu ende gegangenen Veranstaltung übrig, zufällig griffbereit ist und auf alle Filter vor den Linsen verzichtet wird, kommt so etwas heraus.

Foto 1: Cottbus und sein goldenes Haus an der Stadtpromenade.
Just beim vorbeifahren lugte die Abendsonne durch einen Wolkenriss im Westen und exakt so zwischen den Häusern hindurch, dass die Block an der Stadtpromenade im Zentrum vergoldet wurde. Zwar nur für wenige Minuten, aber doch ein interessanter Anblick. Die darüber hinweg ziehenden Wolken bekamen von dem Glanz nichts ab. Im Gegenteil. Eine kleine meteorologisch Kuriosität. Da bekommt der Begriff „Schwarze Wolken über Cottbus“ doch plötzlich eine höchst reale Facette.

In der Wernerstraße bekamen die Bürgerhäuser auch etwas vom Gold des Himmels ab.

Foto 2: Cottbus Wernerstraße und seine leicht
vergoldeten Bürgerhäuser.
Einige hundert Meter westlicher, an der Kreuzung Wilhelm-Külz-Straße /Karl-Liebknecht-Straße, bot sich ein gänzlich anderer doch nicht weniger interessanter Anblick. Ein der Stadt entgegenkommender kleiner Schauer wurde durch die niedrig stehende Sonne von unten angestrahlt.

Foto 3: Licht von unten. Schauer zwischen Zahsow
und Kolkwitz Nord wird von der Sonne von unten angestrahlt.
Auch wenn Bahnschranken in Cottbus oft ein großes Hindernis sind, es gibt Augenblicke, da sind sie gar nicht so schlecht. Zumindest aus fotografischer Sicht. Insbesondere dann wenn sich über dem Abendhimmel eine wetterbedingte farbige Aureole aufspannt. Ein sehr schöner Anblick.

Foto 4: Einfahrt des Regionalexpress aus Berlin unter dunkelblauem Sonnenuntergang und Wetter-Aureole in Höhe des ehemaligen Stellwerkes Cbn.
Nach dem Verlassen von Cottbus hatte sich die Farbe der Wolken von grottigem Schwarz zu einem freundlicherem abendlichen Tiefblau gewandelt. Erhebt sich da nicht die Frage: Woran könnte das liegen?

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Autor: Vel Thurvik
Fotos: Vel Thurvik

Freitag, 21. August 2026

Morgenstreifzug rechts des Bahnhofs – Niederlausitzer Beobachtungen -

Foto-Streifzug entlang des Bahndamms und durch die Straße „Am Güterbahnhof“


Ein Motorschaden im Auto ist ärgerlich und meist auch teuer. Zweitens kommt man ums Laufen erst mal nicht herum, zumindest von der Werkstatt bis nach Hause. Doch warum nicht aus dem Problem mal einen fotografischen Nutzen ziehen? Wenn die frühmorgendliche Sonne sich gerade durch die abziehende Wolkenwand des morgendlichen Gewitters arbeitet, bietet der Weg entlang des Bahnhofs Finsterwalde einige interessante Motive. Hier ein paar fotografische Ergebnisse – dazu einige Betrachtungen.

Gleich hinter dem ehemaligen Schrankenposten 134 in Massen hatte sich ein Haus zur grünen Vermummung entschlossen. Mit Hilfe von wildem Wein und etwas Efeu schien das Projekt ganz gut zu gelingen. Zumindest war es in der leichten Morgensonne ein grüner Hingucker.

Foto 1: Botanische Eroberung.
Noch nass vom nächtlichen Regen, fiel etwas weiter die mutige Farbkombination an einem Güterwagen ins Auge.

Foto 2: Die Handbremse war unübersehbar bei Violett und Signalgelb.
Als nächstes Motiv fiel eine nasse Rispe des Schilfrohrs Phragmites australis der Kamera ins Objektiv. Diese scheinbar so gewöhnliche Pflanze fühlte sich in nassem und sumpfigem Gelände wohl. Hier in der trocken-sandigen Aufschüttung am Bahndamm war sie eher ungewöhnlich. Doch dieses Süßgras hatte es in sich. Sein starkes unterirdisches Wachstum, Rhizomwachstum genannt, macht fragile Böden sicherer. Folglich ist es nicht ungewöhnlich, dass ein ganzer Schilfbestand nur aus einer einzigen Pflanze besteht. In historischen Zeiten diente das Schilf sogar als Nahrungsmittel, denn aus den Wurzeln konnte in Mangelzeiten Brot gebacken werden. Wer mehr über diese sehr interessante heimische Pflanze wissen will, findet auf "Wikipedia Schilfrohr“ weiterführende Informationen.

Foto 3: Nasse Schilfrispe am Bahndamm. (7)
Weshalb das Schilf am Bahndamm nicht seine volle Größe von etwa vier Metern erreicht, ist wohl mehr den Pflegearbeiten der DB InfraGO zu verdanken. Arbeiten an den Gleisanlagen wären sonst für die Mitarbeiter zu einer Dschungelexpedition geworden. Möglicherweise liegt das aber auch an den mageren sandig-kiesigen Bodenverhältnissen.

Gleich daneben hatten es sich ein Schachbrettfalter (Melanargia galathea) in den Blüten gemütlich gemacht.

Foto 4: Schachbrettfalter (Melanargia galathea) weiblich. Erkennbar an den eher braun-gelblichen Flügelrand.
Am Bahnübergang Fn am Ende der Glasmacherstraße bot der Morgenhimmel kurzzeitig ein goldig-farbiges Schauspiel. Die Helligkeitsunterschiede bereiteten der Kamera so einige Sorgen. Doch letztlich fand sie passende Messpunkte. Mit dem Ergebnis konnte sie sich sehen lassen.

Foto 5: Kontrastreicher Himmel über der Ausfahrt zur ehemaligen Zschipkauer Eisenbahn.
Zu sehen war übrigens die Ausfahrt der ehemaligen Zschipkauer Eisenbahn. An der Strecke befanden sich zahlreiche Gleisanschlüsse. Sie führten zum Tagebau Lichterfeld, zu Ton-, Kies- und Kohlegruben, bis zum Glaswerk Annahütte, dem Finsterwalder Militärflugplatz und vielem mehr. Später wurde daraus das Streckenrangiergleis mit Anschluss zur Industriebahn durch die Stadt Finsterwalde. Wer mehr darüber wissen möchte findet bei Wikipedia / Zschipkauer Eisenbahn mehr Informationen.

Beim Rückblick entlang der Ladestraße fiel das ehemalige mechanische Stellwerk W 3 ins Auge. Seine dunkle Ruine verlieh dem Motiv etwas historischen Charme. Als Arbeitspferd des Bahnhofs Finsterwalde diente es nicht nur als Weichenwärterstellwerk für den ehemaligen Fahrdienstleiter vom Befehlsstellwerk B 1, vorne am Bahnsteig 1.

Foto 6: Ehemaliges Stellwerk W 3 Finsterwalde.
Hier wurde in gut 140 Jahren der überwiegende Teil des Güterverkehrs ausrangiert und Züge gebildet. Von hier aus erfolgte die Bedienung und Koordinierung der insgesamt 25 Gleisanschlüsse, auch in den Streckenrangiergleisen nach Annahütte, zur Industriebahn und bis Crinitz. In der Regel bewältigten drei Rangierloks Kohle, Kies, Sand, Ton, zehntausende Klinkerziegel, Wasserglas, Generatoren, unzählige Tische, tausende Kilometer Stahldraht, Schrauben oder Schwertransporte mit Teilen der Tagesbaugroßgeräte. Auch Elefanten des gastierenden Zirkus und abenteuerlich verpackte Jagdflugzeuge hatte das Stellwerk gesehen. Dazu kam die Abwicklung des Militärverkehrs mehrerer großer Standorte in der Umgebung. Im Tagesgeschäft ging es um Panzer, Raketen, Kanonen sowie zahllose andere Waffen, Munition und viel militärisches Gerät. Ab und zu gastierte hier der Zug mit Uran, dem Stoff, aus dem die Bombe ist, und in den 90er Jahren auch schon mal Züge mit Stoffen, die ausgereicht hätten, ganze Regionen zu vergiften. Am unscheinbaren Stellwerk am Ostende der Stadt musste letztlich alles vorbei. Wer hier arbeitete, war bis Anfang der 90er Jahre kein Weichenwärter, sondern Stellwerksmeister. Und nach der Schicht wusste er, was er gemacht hatte. Mit dem Rückgang des Güter- und Militärverkehrs in der Region verlor das Stellwerk seine Bedeutung. Im Oktober 2014 wurde das Stellwerk geschlossen, und der Klinkerbau verfiel zusehends.

In der Ladestraße hatte die Natur übernommen. Zumindest in der Mitte. Seit Jahren standen hier zwei vergessene Kesselwagen. Für die Natur der Stadt Finsterwalde war das eine willkommene Gelegenheit zu einer grünen Umarmung.

Foto 7: Eingegrünt, zwei vergessene Kesselwagen in der Ladestraße des Bahnhofes.
Als Zivilisationsfolger des Bahnhofs fühlten sich zwei Kohlweißlinge in den blauen Blumen recht wohl.

Foto 8: Zwei Kohlweißlinge fühlen sich im Blauer Natternkopf (Echium vulgare) sehr wohl.
Auf der Güterzufuhrstraße, die heute „Am Güterbahnhof“ genannt wurde, lag reichlich Rindenmulch – Zeugnis der Holzverladung auf dem langen Gleis der Südseite. Diese Gleisgruppe wurde in der Vergangenheit „Südseite“ genannt und enthielt eine Drehscheibe sowie die Werkstatt für die kleine Güterwageninstandhaltung. Schon Anfang der 90er Jahre fiel die Werkstatt der Schließungswelle zum Opfer. Heute hatte die Natur in jeder Beziehung übernommen. Hinter dem verwachsenen Gelände ragten die runden Hallenbögen eines Gebrauchtwagenhandels hervor.

Foto 9: Rund-Hallendächer des Autohandels. Davor schöner farblicher Kontrast,
grüngelbe Flachwagen.
Fünfzig Meter weiter bot die Ruine des ehemaligen Güterbodens die morbiden Motive einer verlassenen Gegend. Was jedoch täuschte. Um den Bahnhof herrscht nach wie vor wirtschaftliche Bewegung. Doch es hat sich mittlerweile vieles verändert.

Foto 10: Ruine des abgebrannten Güterbodens
im morgendlichen Sonnenlicht.
Das schräg einfallende Sonnenlicht lies das zerstörte Innenleben der Güterhalle fast romantisch erscheinen.

Foto 12: Blick ins ehemalige Innenleben der Güterbodenhalle.
Foto 13: Blick durchs Fenster in den zerstörten Büroraum des
ehemaligen Binnenzollamtes.
Unter der Kastanie neben dem Güterboden ging es zur Sache. Sex am Bahnhof. Nein, hier war nicht das Rotlichtviertel der Stadt. Doch das störte die Trauer-Rosenkäfer nicht im Mindesten. Für ihre Romanze genügte ein Blütenstand.

Foto 14: Wo es Trauer-Rosenkäfer treiben, natürlich auf Blüten.
Auf einer Betonfläche der ehemaligen Laderampe zur Straßenseite hatte es sich eine Flechtengesellschaft gemütlich gemacht und glänzte nass in der Morgensonne. Es schien sich hauptsächlich um die Gewöhnliche Mauerflechte (Lecanora muralis) zu handeln. Sie hatte sich zur Expansion entschlossen, wie unschwer zu erkennen war. Nach den Farbunterschieden am Rand zu urteilen, teilte sie sich die Betonplatte mit der Graublauen Schwielenflechte (Physcia caesia). Doch ohne Lupe war eine Bestimmung schwierig. Beide waren sehr häufig anzutreffen.

Foto 15: Flechtengemeinschaft auf der Laderampe.
Es musste wohl ansteckend sein. Oder doch städtisches Rotlichtmilieu, nur eben für Insekten? Auf der anderen Seite im Brombeerstrauch hatten sich zwei Schachbretter (Melanargia galathea) gefunden. Offenbar war die Ablenkung groß genug, sodass auch der Fotograf nicht störte. Bei ihrer unterschiedlichen Färbung handelt es sich um die normale Variationsbreite der Falter, wie Lutz Krause, Hobby- oder Freizeitentomologe in Finsterwalde, bei der Bestimmung feststellte. Sie hat mit den verschiedenen Geschlechtern nichts zu tun.

Foto 16: Faltersex im Brombeerstrauch. Auch bei den beiden Schachbrettern geht es innig zu.
Vorbei an den Ruinen der Güterabfertigung und des ehemaligen Zollamtes öffnete sich der Blick zum ehemaligen Stellwerk W 2 auf der gegenüberliegenden Seite des Bahnhofs. Es war auch ein Weichenwärterstellwerk.

Foto 17: Weichenwärterstellwerk W 2 auf der Nordseite des Bahnhofes Finsterwalde.
Seine Aufgabe bestand darin, auf der Nordseite des Bahnhofs Finsterwalde die Rangiertätigkeit zu den Abstellgleisen und zum Handweichenbereich zu regeln sowie Freimeldungen für die vom Fahrdienstleiter und Stellwerksmeister nicht einsehbaren Gleisbereiche zu geben.

Foto 18: Blick zum sanierten Bahnhofsgebäude der Firma 
Finsterwalder Eisenbahngesellschaft UG.
Ein paar Meter weiter öffnete sich der Blick auf das aktuelle Ensemble im Vorfeld des Bahnhofs. Ein bemerkenswert flockiger Morgenhimmel schmückte die Ansicht.

Foto 19: Bahnhofsvorplatz mit altem Fahrdienstleiterstellwerk B 1, Bahnhofsgebäude, Busbahnhof, markanter Fußgängerbrücke und Zufuhrstraße.
Das ehemalige Homag-Gebäude, das sich hier einmal befand, war längst abgerissen. Dafür hatte sich die graue Fußgängerbrücke zum Blickfang entwickelt. Neben dem alten Stellwerk lugte der blaue Siemens-Messzug um die Ecke.

Mitten unter das Straßenpflaster aus Lausitzer Granodiorit hatte sich ein dunkler Amphibolith geschmuggelt. Seine weißen Gefügebrüche fielen im Sonnenlicht regelrecht ins Auge und damit natürlich ins Objektiv. Dieses Gestein war einst ein Basalt und wurde durch hohe Temperaturen und Drücke metamorph überprägt.

Foto 20: Augenfälliger dunkler Pflasterstein im hellgrauen Umfeld aus Granodiorit.
Überhaupt war das Straßenpflaster im vorderen Teil der Straße „Am Güterbahnhof“ recht bunt zusammengesetzt. Auch eiszeitliche kristalline Geschiebe aus Skandinavien sind darunter. Bei nassem Wetter sind die verschiedenen farbigen Muster im Gestein einen Blick wert.

Vor dem Park&Ride-Parkplatz bot sich am Boden ein anderes kurioses Motiv. Hatte hier der Ahorn Anschluss an die Straßenbeleuchtung gesucht? Zumindest entstand dieser Eindruck.

Foto 21: Anschluss gesucht. Ahornbaum mit Stromanschluss.
Gegenüber, in der Straße „An der Schraube“, befand sich ein merkwürdiges Hinweisschild. Erst auf den zweiten Blick erschloss sich der Sinn. Die Einfahrt sollte von der Straße „Am Güterbahnhof“ erfolgen.

Foto 22: Kreisverkehr? Nein Hofeinfahrt um die Ecken.
Am Klinkerbau des Oberstufenzentrums fand sich das vorletzte Motiv. Das sanierte Bauwerk wirkte merkwürdig ruhig. Doch das mag der frühen Stunde und den Ferien geschuldet sein. Seine aufwändige Ziegelbauweise passte in das Ensemble der Ziegelbauten in der Umgebung.

Foto 23: Oberstufenzentrum Finsterwalde und Wasserturm im Morgenlicht.
Ein letzter fotografischer Blick in Richtung Bahnhofsgebäude. Markant das östliche Treppenhaus mit seinem Turmaufsatz. Seine hübsch sanierte Ziegelfassade ist ein schöner Blickfang

Foto 24: Treppenhaus des Bahnhofsgebäudes Finsterwalde und das Gebäude
der Finsterwalder Eisenbahngesellschaft UG.
Davor zu sehen die ehemalige Reichsbahnschule Finsterwalde, heute Sitz der Finsterwalder Eisenbahngesellschaft UG mit ihrem Bildungszentrum für Eisenbahnsicherungstechnik.

Langsam war es Zeit für den Frühstückskaffee.
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Blog: Mit 8 Megapixeln durch die Niederlausitz.
Autor: Vel Thurvik
Fotos: Vel Thurvik

Samstag, 8. August 2026

Küchentisch-Blumen - Niederlausitzer Fundstücke -

Fundblumen


Gefundene Blumen stehen in einer Vase auf dem Küchentisch und werden von der Sonne belschienen.
Fundblumen auf dem Küchentisch.
Kennen Sie das Gefühl? Nach einer Feier bleiben ein paar Fundblumen auf dem Boden zurück. Oder die Überlebenden eines längst verwelkten Blumenstraußes stecken noch darin. Manchmal liegt eine Blume auf dem Gehweg, auf dem Weg nach Hause. Bewegt ihr Anblick Sie auch dazu, eine Entscheidung zu treffen? Oder gehören Sie zu den Menschen, die achtlos daran vorbeigehen und sie ihrem Schicksal überlassen? Oder nehmen Sie sich doch lieber den kurzen Moment Zeit, sie aufzuheben, vorsichtig zwischen die Einkäufe in der Tasche zu stecken und später in der Küche auf den Tisch zu stellen?

Der Zufall des Fundes und eine Vase, die sonst eher nicht für festliche Anlässe gedacht ist, aber für die floristischen Fundstücke der Straße genau richtig erscheint, lassen manchmal ein optisch interessantes Ensemble entstehen. Wenn dann noch ein spätnachmittäglicher Sonnenstrahl sich ihrer entsinnt, entsteht sogar ein schönes Foto.
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Autor: Vel Thurvik
Fotos: Vel Thurvik

Links: Mit 8 Megapixeln durch die Niederlausitz

Montag, 27. Juli 2026

Hennersdorfer Ansichten und ein fast vergessener kleiner Fluss – Niederlausitzer Entdeckungen -

Fotografischer Streifzug durch die Niederung der Wobert


Im Frühsommer bietet die Niederlausitz oft schöne landschaftliche Ansichten. Frisches Grün bedeckt noch weithin die Landschaft. So auch rund um Hennersdorf bei Doberlug-Kirchhain. Geologische Gründe führten mich in die Niederung nördlich vom Dorf. Dabei stellte sich heraus, dass diese Niederung entlang der Wobert, einem der Nebenflüsse der Kleinen Elster, ihre ganz eigenen fotografischen Reize hat. Einige davon möchte ich vorstellen.

Foto 1: Blick vom Ortsausgang Hennersdorf über die Getreidefelder in der Niederung der Wobert. Im Hintergrund, im Wald rechts, der Hirseberg.
Streift man entlang der Sonnenstraße, die Hennersdorf und Münchhausen verbindet, durchquert man automatisch die etwa 800 Meter breite Niederung der Wobert.

Karte 1: Auszug aus dem Messtischblatt 4347 aus dem Jahr 1904 mit dem Verlauf der Wobert. Quelle: OpenStreetMap (Experimental: Leaflet Tree Control)
Warum dieses kleine Flüsschen seit der Wende auf modernen Karten seinen Namen verloren hat und in „Fichtegraben“ umbenannt wurde, konnte bisher niemand richtig erklären. Sehr kurios: Lediglich ein winziger Abschnitt als Verbindungsgraben zum Fulgens Graben bei Kirchhain hat noch seinen historischen Namen behalten.

Karte 2: Ausschnitt aus der Landesaufnahme des Landes Brandenburg mit dem Verbindungsgraben „Wobert“ zwischen Fichtegraben und Fulgens Graben östlich von Kirchhain.
Ihre Quellen hat die Wobert in den beiden nacheiszeitlichen Kesseln südlich der Widderberge in der Münchhausener Heide. Nicht weit von Finsterwalde. Nach ihrem langen Weg durch die Hennersdorfer Stauchmoräne bekommt sie in der Ebene vor Kirchhain noch etwas Zufluss aus Seitengräben. In Kirchhain mündet der kleine Fluss über den Fulgens Graben unterirdisch am Hagwall in die Kleine Elster. Doch zurück zur Landschaft: In einem Seitenweg kurz hinter dem Ortsausgang fällt ein einzelner blühender Holunderstrauch auf, der sich an einen alten Blechcontainer lehnt.

Foto 2: Schönes Frühsommer-Motiv mit Holunderstrauch, Traktorrad und Blechcontainer.
Gleich nebenan befinden sich große Stapel vergessener Holzpaletten. Längst haben die Brombeeren deren Eroberung übernommen. Hinter den Stapeln öffnet sich der weite Blick Richtung Osten.

Foto 3: Wirkt wie ein mächtiges, vergessenes, mystisches Holztor.
Foto 4: Fast geht die Niederung der Wobert in der bewaldeten Landschaft unter. Lediglich eine kleine Delle im Waldgebiet im Hintergrund (Bildmitte) kennzeichnet den Verlauf der Niederung in den Wäldern.
Foto 5: Schönes frühsommerliches Motiv. Über der Münchhausener Heide tummeln sich Wolken in verschiedenen Grautönen von Grau bis Weiß.
Ein schwarzer Vogel entschloss sich, den Fotografen näher zu betrachten. Neugierig umkreiste er über mir. Dabei leuchteten wiederholt seine Flügelfedern in der Sonne auf.

Foto 6: Schwarzer Vogel am Himmel über der Niederung.
Auf dem Rückweg zur Sonnenstraße fiel mir die Musterung des Holzes einiger Paletten auf. Äste in den Brettern hatten sich durch die Verwitterung gelb verfärbt. Das mittlerweile mildere Spätnachmittagslicht tat sein Übriges.
Foto 7: Holzmuster mit intensiver Färbung.
Foto 8: Ast gelb verfärbt.
Ein Stück weiter auf der Sonnenstraße unterquert ein trocken gefallener Graben die Straße. Eine kurze Baumreihe hat sich dort entwickelt. Sie trennt nach links eine flache Bodenwelle ab, die im Getreide kaum auf fiel. Sie trägt den interessanten Flurnamen „Das Schölchen“, der in der Niederlausitz ein kleines, feuchtes oder ausgewaschenes Gelände bezeichnet, also eher eine Senke. Zumindest auf der Karte der Feldmark Hennersdorf von 1851 taucht der Flurname bereits auf. Er ist in Hennersdorf also schon sehr lange in Gebrauch.

Foto 9: Hübscher Anblick. Die Flur "Das Schölchen".
Ein paar hundert Meter weiter, mitten im Frühsommer, blühte eine einzelne Heckenrose in einer sonst blütenlosen Hecke wilder Rosen. Just in dem Moment der Begegnung fand ein einzelner Sonnenstrahl durch das hier dichte Blätterdach seinen Weg exakt auf die Blüte. Da können fast Zweifel am Zufall aufkommen.

Foto 10: Einzelne Blüte einer Heckenrose im sonst blütenlosen Schatten.
Noch ein paar Schritte weiter die Wobert. Mitten im Feld verläuft ein langgestreckter Graben. Trotz des jahrelangen Wasserdefizits in der Niederlausitz führte sie Wasser.

Foto 11: Hennersdorfs kleiner, vergessener Fluss,
die Wobert.
Sieht man sich das Geländeprofil der Wobert-Niederung an, wird klar, weshalb sie trotz jahrelanger Trockenheit noch Wasser führt. Sie liegt am tiefsten im Verhältnis zur übrigen Hennersdorfer Stauchmoräne und reicht weit in die Stauchmoräne hinein, bis kurz vor Finsterwalde. Sie hat also ein recht großes Einzugsgebiet. Doch dazu später einmal mehr.

Karte 3: Profil der Wobert-Niederung östlich der Sonnenstraße nach Münchhausen.
Kurze Zeit später betritt ein anderer Akteur das Gelände an der Wobert, ein Rehbock.

Foto 12: Rehbock am Uferweg der Wobert.
Selbst vom sich nähernden Fotografen lässt er sich nicht stören. Also lasse ich ihn in Ruhe und bleibe auf Distanz.

Knapp 150 Meter weiter steigt das Gelände um einige Meter an. Hier beginnt der Wald der Münchhausener Heide. An seinem Rand befindet sich ein Aussichtspunkt mit schönem Blick über die Niederung der Wobert.

Foto 13: Zwischen den Bäumen bietet sich ein reizvoller Durchblick in die weite Landschaft der Wobert-Niederung.
Auf dem nächsten Foto zeichnet sich ein geografisches Detail ab. Die Baumreihe kennzeichnet den Verlauf der Wobert. Beim genauen Hinsehen wird der flache, aber breite Einschnitt, den der kleine Fluss seit der Saale-2-Eiszeit in die Stauchmoräne geschnitten hat, erkennbar.

Foto 14: Landschaft entlang der Wobert Richtung Osten. Mittig der sanfte Einschnitt in der Landschaft.
Für diese Arbeit nahm sich der kleine Fluss ca. 126.000 Jahre Zeit. Entstanden ist eine schöne Niederung mit typisch niederlausitzer Flachlandflair.

Auf der gegenüberliegenden Seit ragt wie eine alte Burg das Siebanlage des ehemaligen Hebel-Werkes aus dem Wald. Ein interessante Kontrast.

Foto 15: Siebanlage des ehemaligen Hebel-Werkes überragt die Landschaft.
Auf der glazialen Hochfläche der Münchhausener Heide angekommen, bietet sich noch ein Rückblick in Richtung Hennersdorf an.
Foto 16: Verstecktes Hennersdorf.
Damit war es Zeit zur Rückkehr an den heimischen Computer zur Bearbeitung der Fotos. Was bleibt, ist der Eindruck, dass Hennersdorf nicht nur aus Bergbau und Wald besteht. Ein Dorf, das mit seinem fast vergessenen kleinen Fluss über eine reizvolle Landschaft verfügt und somit eine Einladung zu einem Spaziergang bietet. Dafür gibt es einen inoffiziellen Rundweg. Start ist in Hennersdorf am Wegestern. Der Sonnenstraße Richtung Münchhausen bis zur Wobert folgen. Weiter geht es rechts auf dem Feldweg entlang des Grabens. Es folgen zwei Brücken. An der zweiten Brücke den kleinen Fluss überqueren und Richtung Süden durch die Felder bis zum Waldrand gehen. Es geht leicht bergauf. Am Waldrand angekommen, rechts halten und dem Weg in Richtung Ortskern weitergehen. Teilweise geht es durch ein kleines Waldstück. Nach knapp einem Kilometer erreicht man den „Waldweg“, der bis zur ehemaligen Gaststätte Hennersdorf führt. In Sichtweite trifft man dort wieder auf den Ausgangspunkt, den Wegestern am markanten Gemeindehaus mit Glockenturm.
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Blog: Mit 8 Megapixeln durch die Niederlausitz.

Autor: Vel Thurvik
Fotos: Vel Thurvik