Donnerstag, 16. April 2026

Heimatabend in Großbahren – Niederlausitzer Begegnungen -

Die Themen: Alte Flurnamen der Dörfer Dabern, Großbahren, Kleinbahren, historische Mühlen und Arbeit des Fördervereins Museum und Schlossareal Sonnewalde e. V.


Der Einladung des Ortsvereines „Grüne Eiche Großbahren e. V.“, zu einem Heimatabend über alten Flurnamen der drei Dörfer waren fast 30 Teilnehmer gefolgt. Und warum nicht mal solchen historischen Bezeichnungen auf den Grund gehen? Diese Aufgabe übernahm am Freitag, dem 10. April 2026, der Referent Norbert Zach.

Foto 1: Norbert Zach bei seinen Ausführungen auf dem Heimatabend im Lindenkrug Großbahren.

Als Organisator des Dorfmuseums in Kleinkrausnik beschäftigt er sich seit 2015 ausführlich mit diesem Thema.

In der Gaststätte „Lindenkrug“ in Großbahren war alles sorgfältig vorbereitet. Entlang zweier Saalwände lagen Separationskarten und weitere Dokumente zu den drei Dörfern aus. Die Zuordnung der Flurnamen war auf großen Listen ersichtlich. Schon vor Beginn weckte dies reges Interesse bei den Teilnehmern.

Foto 2: Teilnehmer beim Studium der ausgelegten Separationskarten und historischen Dokumente.
Mit einer kurzen Einführung durch Bernd Lehmann, den Vorsitzenden des Ortsvereins, begann der Heimatabend.

Foto 3: Bernd Lehmann bei der Vorstellung von Norbert Zach und der Einführung zum Heimatabend.

Als Erstes stellte Norbert Zach die Arbeit des Fördervereins vor.

Foto 4: Vorstellung der Arbeit des Fördervereins.

Ziel ist es, den umliegenden Dörfern in der Stadt Sonnewalde eine Möglichkeit zu geben, sich vorzustellen und damit natürlich eine individuelle Stimme in der Amtsgemeinde zu erhalten. Anhand der bereits stattgefundenen Ausstellungen zu Kleinkrausnik und der noch laufenden zu Friedersdorf erläuterte Norbert die Möglichkeiten. Was ist dafür nötig? Welche Ausstellungsstücke sind sinnvoll? Welche Art von Dokumenten, Fotos und Gegenständen können interessant sein?

Foto 5: Beispiele, welche Dinge für eine Ausstellung interessant sein können.

In der nächsten halben Stunde stellte sich heraus, dass es gar nicht so wenige sind. Der Förderverein stellt einen Raum zur Verfügung und unterstützt bei der Gestaltung.

In der Pause zeigte Bernd Lehmann noch den Ort der ehemaligen Windmühle in Großdabern.

Foto 6: Bernd Lehmann beim zeigen des Standortes der ehemaligen Windmühle Großdabern.

Anschließend hielt er ein seltsames zerbrochenes eisernes Metallteil hoch und überraschte die Teilnehmer mit der Frage nach dessen Zweck. Das es sich um ein Teil der Mechanik einer Windmühle handelte, wurde vom Publikum schnell erkannt, eine genaue Bezeichnung aber nicht. So löste er das Rätsel mit Hilfe eines Fotos der Mechanik einer Bockwindmühle auf. Ein Bunkler oder auch Korbrad genannt. Es liegt am Kammrad der Flügelwelle einer Bockwindmühle an und übertrug die Windkraft auf das Mahlwerk. Aufgrund der Abnutzung und des Bruchs wurden die Kräfte deutlich welche auf die Mechanik einer Mühle wirkten.

Foto 7: Bernd Lehmann mit dem zerbrochenem Teil eines Bunkler (Korbrad).

Foto 8: Position und Funktion eines Korbrades in der Mühlenmechanik.

Unter den Gästen war auch Martin Ziegler, Verleger der Sonnewalder Heimatblätter. Er hatte aktuelle Hefte sowie den Schlossparkführer ausgelegt. Prompt wechselten einige Hefte den Besitzer.

Foto 9: Sonnewalder Heimatblätter und Schlossparkführer.

Foto 10: Martin Ziegler im Gespräch mit dem Freizeit-Historiker Bernd Jühnichen aus Münchhausen.

Einige Teilnehmer hatten eigene historische Unterlagen mitgebracht. Das sorgte bereits in der Pause für regen Austausch untereinander.

Foto 11: Teilnehmer bei Gesprächen über mitgebrachte historische Dokumente.

Beim nächsten Thema spürte man, Norbert Zach ist in seinem Element. Es begann eine Reise durch die Zeit von der Entstehung der Flurnamen, Slawischer wie später Deutscher, ihrer Bedeutung und damit wurde der Zweck klar. Genaue Ortsbestimmung im Gelände.

Foto 12: Norbert Zach mit seinem Wissen aus dem Gedächtnis zu Quellen, Geschichte und Zweck der Flurnamen.

Namen bekannter Historiker wie Mucke, Lehmann, Wenzel und Eichler fielen. Natürlich auch der des Landrates von Manteufel, der mit Hilfe von Fragebögen Flurnahmen von Dorfschullehrern Bürgermeistern, Bürgern etc. erfassen ließ. Doch er war nicht der Einzige, der systematisch vor ging. Immer wieder gab es Heimatforscher und Gelehrte die sich mit diesem Thema befassten. Schnell erwies sich, von Sagen, Mythen angefangen über historische Kartenwerke, Mutterrollen, Flurbücher, Ortschroniken, Förster, Bauern und Agrargenossenschaften bis hin zu Schulchroniken und Schüleraufsätzen. Die Quellen sind sehr vielfältig. Ihre Nutzung zeugte von der geistigen Geschicklichkeit vergangener Historiker und Heimatforscher.


Foto 13: Folie „Was sind Flurnamen“.

Foto 14: Gespanntes Publikum in Großbahren.

Clevere Lehrerer-Idee: Selbst über Schüleraufsätze wurden historische Flurnamen erfasst und nach ihrer Bedeutung gesucht.

Foto 15: Norbert Zach Norbert zeigte den Aufsatz eines Schülers der über die „Koblicke“ in Dabern berichtete.

Auch das Katasteramt des Landkreises Elbe-Elster stellte sich als große Hilfe heraus. Mit seiner freundlichen Genehmigung war die Einsicht in verschiedene Unterlagen möglich, betont er.

Eine Dreiviertelstunde später ging es um das Verschwinden der Flurnamen aus den Kartenwerken. Der einfache Grund: Wegen neuer Messtechniken verlieren sie in den letzten Jahrzehnten schlicht ihren Zweck, nämlich die genaue Ortsbestimmung eines Fleckens Erde im Raum. Norbert Zach verband diese Feststellung mit der Aufforderung an das Publikum, die von ihm an der Wand präsentierten Listen der Flurnamen der drei Dörfer zu ergänzen oder auf mögliche Fehler hinzuweisen.

Foto 16: Gemeinsames Durchgehen der Listen historischer Flurnamen der drei Dörfer.

Es entspannte sich ein interessantes Zuordnen der Flurnamen. Fließend mündete die Veranstaltung in eine rege Diskussion.

Foto 17: Rege Diskussion zwischen Teilnehmern und Referenten.

Weiter ging es mit dem Thema Geschichte der Mühlen in den drei Ortschaften. Im Fokus standen die Anzahl, die Standorte und – soweit Informationen darüber vorlagen – deren Besitzer.

Foto 18: Mühlen in Großbahren und deren Besitzer.

Angeregt durch den Vortrag fanden die ausgelegten Separationskarten, Listen und Dokumente im Saal reges Interesse. Noch lange nutzten die Teilnehmer die Gelegenheit zur Sichtung der Unterlagen ihrer Dörfer.

Foto 19: Teilnehmer beim Studium der ausgelegten Unterlagen.

Foto 20: Ausgelegte Flurkarte und Flurnamensliste für Großbahren.

Ein bisschen Werbung für die Ortschronik Großbahren gab es auch. Eine Mitarbeiterin der Gaststätte „Lindenkrug“ präsentierte ein Exemplar.

Foto 21: Dem Fotografen mit Charme präsentiert, die Ortschronik Großbahren zur 750-Jahrfeier.

Erst nach 22:00 Uhr verließen die letzten Gäste den Saal. Ein gelungener Abend der wohl eine Fortsetzung bekommen soll.
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Weiterführende Links:

Flurnamen Wikipedia

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Autor: Vel Thurvik
Fotos: Vel Thurvik

Montag, 6. April 2026

Osterhase und Osterei in Edelstein - Niederlausitzer Entdeckungen -

Niederlausitzer Osterei und Osterhase


Wichtige Symbole des Osterfestes sind Osterhase und Osterei geworden. Diese haben schon prähistorische Entsprechungen, wie beim Osterei aus ganz praktischen Gründen. Mehr dazu unter Osterei Wikipedia. Doch es geht zu Ostern auch kunsthandwerklich zu. Hier mal eine schöne Variation  aus Edelstein.

Quelle: Mineralien- und Fossilienbörse in Klingmühl /Niederlausitz.
Beide Fundstücke sind aus dem Edelstein Jaspis gefertigt. 

Die Mineralien- und Fossilienbörse wird jährlich in Klingmühl /Niederlausitz vom Finsterwalder Heimatkalender ausgerichtet. Diese und zahlreiche andere schöne Fundstücke kann man dort besichtigen und erwerben.
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Autor: Vel Thurvik
Fotos: Vel Thurvik

Samstag, 4. April 2026

Glockensegnung und Anläuten in Großbahren – Niederlausitzer Begegnungen -

Wiederinbetriebnahme der Glocken in Großbahren


Es war Samstag, der 28. März 2026, in Großbahren und für die Dorfgemeinschaft war es ein besonderer Tag. Die feierliche Glockensegnung und Anläuten nach Abschluss des ersten Bauabschnittes im historischen Glockenturm.

Foto 1: Feierliche Segnung der Glocken zur Wiederinbetriebnahme in Großbahren durch Pfarrer Maik Hildebrand am 28.03.2026.
Was war passiert? Bei einer technischen Prüfung der Aufhängungen der Glocken im historischen Glockenturm wurde festgestellt, dass eine dringende Instandsetzung unumgänglich war. Die Fachleute stellten fest, die beiden eisernen Glockenjoche aus den Zwanziger Jahren des letzten Jahrhunderts mussten ersetzt werden. Andernfalls drohte die Verstummung der Glocken. Nach dieser Hiobsbotschaft folgte die zweite in Form der Kosten: 13.000 € würden dafür anfallen. Schnell stand in der Dorfgemeinschaft fest, dass ein Verstummen nicht in Frage kam. Zur Modernisierung sollten die Glocken noch ein elektrisches Läutewerk erhalten. Da beides nicht gleichzeitig zu finanzieren war, blieb Letzteres einem zweiten Bauabschnitt vorbehalten. Dazu weiter unten mehr.

Wie schon bei anderen Projekten im Ort nahm sich der Ortsverein Grüne Eiche Großbahren e. V. der Sache an. Unter der Leitung des Vorsitzenden Bernd Lehmann wurde eine Spendenaktion gestartet. Eine Recherche ergab Überraschendes: Der Glockenturm neben der Schule gehörte der Stadt Sonnewalde und nicht zur zuständigen evangelischen Kirchengemeinde. Damit fiel die Unterstützung der Kirche aus. Für den Ortsverein war das kein Grund aufzugeben, im Gegenteil. Ein Jahr später wurde das erste Etappenziel erreicht.

Foto 2: Fertig gestellte Glocken im Glockenturm Großbahren.
Vorausgegangen war noch eine Zitterpartie, ob die am Dienstag zuvor fehlenden schmiedeeisernen Klöppel rechtzeitig eintreffen würden.

Über die Instandsetzung selbst und einen fotografischen Rundgang durch den historischen Glockenturm berichtete der Blog „Mit 8 Megapixeln durch die Niederlausitz“.

Foto 3: Teilnehmer vor dem Festzelt und historischem Glockenturm Großbahren.
Nun am Samstag Nachmittag 14:00 Uhr war es so weit. Langsam füllt sich das aufgestellte Festzelt mit Großbahrener Einwohnern, vielen Sponsoren, Unterstützern und Persönlichkeiten. Für die Glockensegnung war Pfarrer Maik Hildebrand aus Sonnewalde gekommen. Bevor es losgehen konnte, musste noch ein kleines Kommunikationsproblem zwischen Kirche und Technik behoben werden. Etwas was ein Vereinsmitglied schnell und kompetent erledigte.

Foto 4: Lösung eines kleinen Kommunikationsproblems zwischen Kirche und Beschallungstechnik.
Vor inzwischen über 70 Teilnehmern begann die stellvertretende Ortsvorsteherin Franziska Deißing mit ihrer Eröffnungsrede. Sie schilderte die bisherige Entwicklung und ging auf die erfolgten Bauarbeiten ein. Sie dankte allen Sponsoren, Spendern, Unterstützern, dem Ortsverein Grüne Eiche Großbahren e. V. und insbesondere dem Vereinsvorsitzenden Bernd Lehmann für sein außerordentliches Engagement. Auch die untere Denkmalschutzbehörde wurde nicht vergessen.

Foto 5: Stellvertretende Ortsvorsteherin Franziska Deißing bei ihrer Eröffnungsrede.
Anschließend ergriff Bernd Lehmann das Wort.

Foto 6: Bernd Lehmann.
In den nächsten 20 Minuten ging es mit kurzen Episoden durch die Geschichte des Ortes Großbahren, von den ersten Siedlungsspuren in der Jungsteinzeit, über die Germanen- und Slawenzeit sowie dem Mittelalter, bis hin zu wichtigen Ereignissen in den letzten Jahrzehnten. Natürlich kam auch die Entstehung des Glockenturmes nicht zu kurz.

Foto 7: Gespanntes Publikum in Großbahren.
Das und einiges mehr an Interessantem ist in der Ortschronik Teil I anlässlich der 750-Jahrfeier nachzulesen. An einem weiteren Teil wird aktuell gearbeitet.

Foto 8: Ortschronik Teil 1 von Großbahren.
Dass es für die Einwohner unserer Region auch unschöne Zeiten gab, vermittelte eindrücklich Anica Süßkind. Sie verlas einen Feldpostbrief des Soldaten Otto Belling (Kleinbahren) aus dem Ersten Weltkrieg. Darin schilderte dieser die Begegnung mit französischen Soldaten zu den Weihnachtsfeiertagen 1915 an der Front und das Absurde des Krieges. In Großbahren gab es in diesem Krieg vier Todesopfer.

Foto 9: Anica Süßkind beim Verlesen des Feldpostbriefs von Soldat Otto Belling aus dem Ersten Weltkrieg.
Daraufhin übernahm Pfarrer Hildebrand gekonnt das Rednerpult.

Foto 10: Pfarrer Maik Hildebrand von der Evangelische Kirchengemeinde St. Marien Sonnewalde bei seiner Predigt zur Glockensegnung.
Sein Thema war: Glocken – Ein Zeichen von Tradition, Zeitmessung, Gemeinschaft und Glauben. Angefangen von den historischen Ursprüngen spannte er ein breites Feld an Aspekten über Bedeutung, Wirkung und Vorkommen in unserer Gesellschaft sowie den Einfluss auf Kunst und Literatur auf. Seine Botschaft lautete: Glocken verbinden Tradition, Glauben und Gemeinschaft auf einzigartige Weise und sind ein lebendiges Symbol für die Verbundenheit von Himmel und Erde. Begleitet wurde seine Predigt durch Lieder, die die Anwesenden mitsingen konnten.

Foto 11: Teilnehmer mit den Liedtexten in der Hand.
Nahtlos ging es dann zur Segnung der beiden Glocken (siehe Foto 1 oben) und dem anschließenden Anläuten.

Foto 12: Glöckner Bernd Lehmann und Andrè Deißing beim Anläuten.
Foto 13: Wichtiger Moment für Großbahren, die Glocken läuten wieder.
Foto 14: Einwohner beim Einläuten vor dem historischen Glockenturm Großbahren.
Foto 15: Stille in Großbahren. Nur die Glocken läuten.

Foto 16: Andächtig: Anica Süßkind, stellv. Ortsvorsteherin Franziska Deißing und Pfarrer Maik Hildebrand.
Nach dem Anläuten gab es für die Teilnehmer Kaffee und Kuchen. Rege Gespräche kamen auf.

Foto 17: Gemütliches Beisammensein bei Kaffee und Kuchen.
An der Seitenwand des Glockenturmes fiel noch die Liste der Sponsoren und Unterstützer ins Auge. Sie war überraschend lang.

Foto 18: Liste aller Unterstützer und Sponsoren für die Sanierung der Aufhängung der Glocken.
Für diese gab es eine Wertmarke für Bratwurst und Getränke, mit der Aufschrift „Glockenturmretter“. Ein Grund mal der leichten Rauchentwicklung nachzugehen. Und siehe da, hinter dem Turm war ein kleines Team bei der Grillarbeit.

Foto 19: Vereinsmitglieder v. l. Andrè Deißing, Frank Lehmann und Andreas Erpel beim Grillen für die Teilnehmer.
Damit war der erste Bauabschnitt zur Rettung abgeschlossen. Wie Bernd Lehmann dem Fotografen erläuterte, geht die Spendenaktion zur Finanzierung des zweiten Bauabschnitts weiter. Neben ihm auf dem Tisch stand ein hölzernes Modell des Glockenturms als Spendenbox, gebaut von Jörg Schulze. Ziel war die Finanzierung der Elektrifizierung der Glocken mit digitalem Läutewerk. Als Zeitraum für den zweiten Bauabschnitt ist der Herbst 2026 vorgesehen. Spenden waren also hoch willkommen.

17:30 Uhr. Langsam löste sich die Runde auf. Ein kalter Wind war aufgekommen und am Himmel über dem westlichen Horizont hatte sich eine merkwürdige Wolkenformation entwickelt.

Foto 20: Eigenartige Wolkenwand am westlichen Himmel.
Zeit für den heimischen Computer und die Bildbearbeitung. Für die freundliche Versorgung möchte sich der Fotograf bei den Frauen des  Ortsvereins recht herzlich bedanken.

Links:
Gemeinde Großbahren

Evangelischer Kirchenkreis Niederlausitz

Stadt Sonnewalde
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Blog: Mit 8 Megapixeln durch die Niederlausitz.
Autor: Vel Thurvik
Fotos: Vel Thurvik

Mittwoch, 1. April 2026

Neuer Glockenschlag in Großbahren – Niederlausitzer Begegnungen -

Instandsetzung der Glockenaufhängung im historischen Glockenturm Großbahren


Ein Hinweis von Norbert Zach, Eigentümer des Dorfmuseums Kleinkrausnik, machte neugierig. Aus seiner Nachricht war zu entnehmen das nach 100 Jahren die Aufhängung der beiden Glocken im Glockenturm Großbahren instandgesetzt werden muss. Eine gute Gelegenheit für eher seltene fotografische Einblicke.

Nicht jeder Ort in der Niederlausitz hat seine eigene Kirche. Manchmal hat es sich so ergeben, dass Dörfer lediglich über einen freistehenden Glockenturm verfügen. Großbahren in der Nähe von Sonnewalde gehört dazu. Das unter Denkmalschutz stehende Gebäude ist nicht zu übersehen. Im Gegenteil: Es ist eines der markantesten Gebäude im Ort und befindet sich am Westende des Dorfes, neben der alten Schule.

Foto 1: Glockenturm in Großbahren. Daneben ein Festzelt für Besucher und die Mitarbeiter an den Glocken.
Der Empfang durch den Ortschronisten und Vorsitzenden des Ortsvereins „Grüne Eiche Großbahren e. V.“, Bernd Lehmann, war ausgesprochen freundlich und mündete unmittelbar in eine kleine Führung durch den Turm. Die Sanierung war zwingend nötig geworden, weil die Aufhängung und der Glockenstuhl aufgrund ihres Alters nicht mehr ausreichend tragfähig waren. Folglich drohten die Glocken zu verstummen. Im Ort war man sich sofort einig: Das durfte nicht so bleiben. In zwei Bauabschnitten sollte die Sanierung erfolgen. Im ersten Bauabschnitt wurden die Glockenjoche und Lager saniert werden. Dafür hatten die 45 Mitglieder des Ortsvereins 13.000 € an Spendenmitteln zusammengetragen. Enthalten ist auch eine kleinere Förderung der Denkmalschutzbehörde. Eine ordentliche Leistung. Mit dem zweiten Bauabschnitt ist die Installation eines elektrischen Läutewerkes geplant. Letzteres ist noch nicht vollständig finanziert. Deshalb wird die Spendenaktion fortgeführt.

Foto 2: Schild des Ortsvereines Grüne Eiche Großbahren e. V.
In der ersten Bauphase am Dienstag, den 24.03.2026, wurden die beiden Glocken herabgelassen und die eisernen Joche aus der Zeit nach dem Ersten Weltkrieg durch neue, gekröpfte Eichenjoche ersetzt – solche Glockenjoche, wie sie ursprünglich einmal die beiden Glocken hielten. Eine Einführung zum Thema Glockenstuhl und dessen Montage finden Sie hier: Glockenstuhl Wikipedia.

Foto 3: Die beiden ausgebauten Glocken vor dem Glockenturm Großbahren. Foto von Norbert Zach aus Kleinkrausnik.
Mehr zum Thema Glocken und deren Herstellung finden Sie über einen Link am Ende.

Natürlich hatten die Mitglieder des Vereins für ein passendes Umfeld der Arbeiten an den Glocken gesorgt. Neben dem Turm stand ein größeres Festzelt. Besucher waren willkommen und die Versorgung war abgesichert. Gute Vereinsarbeit eben.

Der 1856 erbaute Glockenturm selbst wurde bereits 1966 und 2014 jeweils teilsaniert. Einzelheiten dazu sind in der Ortschronik Großbahren ab Seite 78 zu finden.

Foto 4: Erstausgabe Ortschronik Großbahren.
An der Wand neben dem Glockenturm lehnte eine große Tafel mit wichtigen Eckpunkten und Ereignissen zur Geschichte des Glockenturms. Zu sehen war auch eine Bauzeichnung aus dem Jahr 1966 und eine Zeichnung des ursprünglichen Aussehen um das Jahr 1900. Beide sind ebenfalls in der Ortschronik zu finden sind.

Foto 5: Tafel mit wichtigen Ereignissen rund um den
Großbahrener Glockenturm.
Wie Bernd Lehmann schilderte, ist der Glockenturm Großbahren auch einmal umgezogen. Wegen unsicherem Untergrund zwar nur wenige Meter, weg von der Straße Richtung Osten, aber immerhin. In diesem Zuge wurde der alte Feldsteinsockel durch einen höheren aus Klinkerrahmen und behauenen Feldsteinen ersetzt. Das haben das Dorf und der Verein gemeinsam bewerkstelligt, ebenso wie viele weitere Arbeiten am Turm selbst. Für die jetzige Instandsetzung der Glockenjoche wurde eine Fachfirma, die Walter Glockenläuteanlagen und Turmuhren KG, aus Luckau, hinzugezogen. Bei den Recherchen im Vorfeld stellte sich überraschendes heraus. Obwohl Großbahren zur Kirche im Nachbarort Gosmar eingepfarrt ist, der Glockenturm und das darunterliegende Grundstück gehören nicht zu einer Kirche, sondern zur Stadt Sonnewalde. Damit fiel die Unterstützung der Kirche weg.

Am Nachmittag hingen die beiden Bronzeglocken wieder im Turm. Nur die schmiedeeisernen Klöppel hatten sich verspätet. Bernd Lehmann hoffte das bis zur vorgesehenen Segnung am Samstag die fehlenden Teile eingetroffen sind.

Foto 6: Beide Glocken im Glockenturm Großbahren, aber noch ohne Klöppel.
Denn zu der geplanten Feier werden neben Pfarrer Hildebrand auch Vertreter der Stadt Sonnewalde, viele Gäste und natürlich die Sponsoren erwartet. Eine Glockenweihe und Anläuten mit unvollständigen Glocken wäre unmöglich.

Hilfsbereit stellte Bernd Lehmann eine Leiter bereit. Mit deren Hilfe war es möglich, einen tieferen fotografischen Blick in den Turm zu werfen. Der Rundblick im Turm brachte eine Reihe interessante Details ans Licht. Auf einem Brett oben rechts standen die ehemalige Turmspitze und die Wetterfahne aus dem Jahr 1966. Daneben lagen Reste des ehemaligen hölzernen Glockenjochs. Allen sah man zweifellos ihr Alter an – vor allem dem Holz.

Foto 7: Ehemalige Turmspitze und Wetterfahne.
Auf dem Brett darunter war eine Aufschrift zu lesen: Einweihung nach Restaurierung 10. Mai 1966.

Foto 8: Brett mit der Inschrift.
Unten im Turm lagen die alten eisernen gekröpften Glockenjoche sowie die ausgebauten Klöppel zur Besichtigung aus. Die eisernen  Glockenjoche verfügten noch über alte Gleitlager, die regelmäßig geölt werden mussten. Oben, hinter der ehemaligen Wetterfahne, war noch eine alte Ölflasche zu sehen.

Foto 9: Ausgebautes ausgebautes gekröpftes Eisenjoch der großen Glocke im Turm.
Im Glockenstuhl waren die neuen hölzernen Glockenjoche bereits eingebaut und an den Kronen der Glocken befestigt.

Foto 10: Neues gekröpftes Glockenjoch aus Eichenholz und massiver Aufhängung.
Sie lagern nun auf neuen und wesentlich solideren Halblagern.

Foto 11: Lager und Befestigung der kleineren Glocke.
Auf einem Querbalken lag der Klöppel der großen Glocke. Sein massives Lederband zum Aufhängen in der Glocke war abgeschnitten.

Foto 12: Eiserner Klöppel der großen Glocke mit abgeschnittenem Lederband.
Dazu schilderte Bernd Lehmann eine Anekdote, die zeigt, dass das Glockenläuten gefährlich sein kann. Das zeitgerechte Läuten war seit langer Zeit Aufgabe der Schüler aus der Dorfschule. Gab es Schulferien, übernahmen das die in der Schule wohnenden Lehrer. Als einmal eine Lehrerin morgens die beiden Glocken läutete, verstummte eine der beiden plötzlich. Auf der Suche nach dem Grund entdeckte die Lehrerin den auf dem Boden liegenden Klöppel. Sie war also nur knapp einem schweren Unfall entgangen. Das jetzt hier durchtrennte Lederband wurde allerdings im Rahmen der Arbeiten abgeschnitten und stammt nicht von dem Beinahe-Unfall.

Auf halber Höhe des Turmes fielen in den Facetten des Fachwerks leicht gebogene Querträger auf. Sie befanden sich an verschiedenen Stellen im Turm.

Foto 13: Gebogene Balken im Turm.
Erst nach einiger Recherche wurde der Zweck klar: Schwingungsdämpfung. Beide Glocken verursachen beim Läuten geringe Biegeschwingungen, die eine Resonanz im Gebäude auslösen. Gebogene Materialien wirken meist elastisch-dämpfend – so auch Holz. Mit den gebogenen Balken werden die Resonanzen auf das Gebälk gedämpft und damit langfristige Schäden am gesamten Gebäude verhindert. Clever.

Mittig im Glockenturm hing die Läuteordnung. Aus ihr sind die Zeiten und die Anzahl der Glockenschläge ersichtlich. Für die Glöckner ist Pünktlichkeit also keine Zier, sondern schlicht unumgänglich.

Foto 15: Läuteordnung Großbahren und darunter
eine Funkuhr.
Dabei ist zu erfahren, es gibt drei Glöckner.

1. Glöckner Bernd Lehmann seit 1980
2. Glöckner seit 2010 Andres Lehmann
3. Ersatzglöckner Andre Deißing

Auf dem Ziegelboden befand sich eine große Ofensau. Sie lag mit der Unterseite nach oben und war Zeugnis der Eisenverhüttung von Raseneisenerz im Rennofen-Verfahren aus einer fernen Vergangenheit. Wie Bernd Lehmann erläuterte, war das Fundstück bei den archäologischen Untersuchungen im Vorfeld der OPAL-Trassierung zutage getreten. Neben vielen anderen Funden wurde es der germanischen Besiedlung in der Gegend zugeordnet. Eine diesbezügliche Dokumentation liegt aber noch nicht vor.

Foto 16: Prähistorische Ofensau vermutlich aus germanischer Zeit.
Auf einem Querträger neben dem Eingang lag aufgerollt das neue Lederband für die  fehlenden Klöppel bereit. Mit einem gewissen Stirnrunzeln weist der Vereinsvorsitzende darauf hin: Klar, die wichtigste Veranstaltung am 28. März 2026, das Einläuten, hängt vom rechtzeitigen Liefern der schmiedeeisernen Klöppel ab.

Foto 17: Lederband für die noch fehlenden Klöppel.
Beim Blick auf den Ziegelboden fallen die handgeschmiedeten Flacheisen zur Befestigung des Turmes auf dem Unterbau ins Auge. Zweifellos eine solide Schmiedearbeit. Sie verhindern ein Verrutschen des Glockenturms auf dem Sockel.

Foto 18: Solide Schmiedearbeit hält dem Glockenturm zusammen und fest verankert.
Kurz vor dem Verlassen des Glockenturms fiel noch die Beurteilung des Denkmalamtes aus dem Jahr 2013 ins Auge. Daneben hing noch einmal die Bauzeichnung aus dem Jahr 1966.

Foto 19: Beurteilung des Glockenturms 2013 durch das Denkmalamt.
Mit dem letzten Bauabschnitt soll ein elektrisches Läutwerk mit digitaler Steuerung erfolgen. Das wird voraussichtlich im Oktober realisiert werden, so Bernd Lehmann.

Am Ende der kleinen Führung legte Bernd Lehmann noch eine Ortschronik vor. Darin ist ab Seite 75 die Geschichte des Glockenturms und der beiden bronzenen Glocken dargestellt. Diese wird nun fortgeschrieben werden.

Unmittelbar neben dem Turm befand sich eine grüne Tafel mit einer Zusammenfassung zum Glockenturm und der Geschichte der Glocken.

Im Festzelt nebenan waren inzwischen mehrere ältere Einwohner eingetroffen. In der Ecke standen Kaffee und Getränke bereit. Es wurde über allerlei Themen gesprochen, natürlich auch über die Glockensanierung. Hinten im Zelt saßen Bernd Lehmann mit Axel Sickert und seinem Bruder.

Foto 20: Bernd Lehmann und die Gebrüder Sickert im Fachgespräch.
Es ging um historische Themen, Einträge in alten Kirchenbüchern, Genealogie und verschiedene ältere Dokumente zur Geschichte und den Ereignissen Großbahrens. Im Gespräch zeichnet sich schnell ab, dass Großbahren und seine umliegenden Ortschaften eine deutlich umfangreichere und interessantere Geschichte haben, als es bisher scheint.

Zwei Tassen Kaffee später, mit einer Einladung zur Glockenweihe und einem Kopf voller interessanter Informationen, geht es zurück an den heimischen Computer.

Weiterführende Links:

Ort Großbahren bei Wikipedia.

Glockenturm Wikipedia

Entstehung und Herstellung von Kirchenglocken Wikipedia

Der Glockenstuhl

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Blog: Mit 8 Megapixeln durch die Niederlausitz.

Autor: Vel Thurvik
Fotos: Vel Thurvik

Link: Mit 8 Megapixeln durch die Niederlausitz