Montag, 6. April 2026

Osterhase und Osterei in Edelstein - Niederlausitzer Entdeckungen -

Niederlausitzer Osterei und Osterhase


Wichtige Symbole des Osterfestes sind Osterhase und Osterei geworden. Diese haben schon prähistorische Entsprechungen, wie beim Osterei aus ganz praktischen Gründen. Mehr dazu unter Osterei Wikipedia. Doch es geht zu Ostern auch kunsthandwerklich zu. Hier mal eine schöne Variation  aus Edelstein.

Quelle: Mineralien- und Fossilienbörse in Klingmühl /Niederlausitz.
Beide Fundstücke sind aus dem Edelstein Jaspis gefertigt. 

Die Mineralien- und Fossilienbörse wird jährlich in Klingmühl /Niederlausitz vom Finsterwalder Heimatkalender ausgerichtet. Diese und zahlreiche andere schöne Fundstücke kann man dort besichtigen und erwerben.
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Blog: Mit 8 Megapixeln durch die Niederlausitz.
Autor: Vel Thurvik
Fotos: Vel Thurvik

Samstag, 4. April 2026

Glockensegnung und Anläuten in Großbahren – Niederlausitzer Begegnungen -

Wiederinbetriebnahme der Glocken in Großbahren


Es war Samstag, der 28. März 2026, in Großbahren und für die Dorfgemeinschaft war es ein besonderer Tag. Die feierliche Glockensegnung und Anläuten nach Abschluss des ersten Bauabschnittes im historischen Glockenturm.

Foto 1: Feierliche Segnung der Glocken zur Wiederinbetriebnahme in Großbahren durch Pfarrer Maik Hildebrand am 28.03.2026.
Was war passiert? Bei einer technischen Prüfung der Aufhängungen der Glocken im historischen Glockenturm wurde festgestellt, dass eine dringende Instandsetzung unumgänglich war. Die Fachleute stellten fest, die beiden eisernen Glockenjoche aus den Zwanziger Jahren des letzten Jahrhunderts mussten ersetzt werden. Andernfalls drohte die Verstummung der Glocken. Nach dieser Hiobsbotschaft folgte die zweite in Form der Kosten: 13.000 € würden dafür anfallen. Schnell stand in der Dorfgemeinschaft fest, dass ein Verstummen nicht in Frage kam. Zur Modernisierung sollten die Glocken noch ein elektrisches Läutewerk erhalten. Da beides nicht gleichzeitig zu finanzieren war, blieb Letzteres einem zweiten Bauabschnitt vorbehalten. Dazu weiter unten mehr.

Wie schon bei anderen Projekten im Ort nahm sich der Ortsverein Grüne Eiche Großbahren e. V. der Sache an. Unter der Leitung des Vorsitzenden Bernd Lehmann wurde eine Spendenaktion gestartet. Eine Recherche ergab Überraschendes: Der Glockenturm neben der Schule gehörte der Stadt Sonnewalde und nicht zur zuständigen evangelischen Kirchengemeinde. Damit fiel die Unterstützung der Kirche aus. Für den Ortsverein war das kein Grund aufzugeben, im Gegenteil. Ein Jahr später wurde das erste Etappenziel erreicht.

Foto 2: Fertig gestellte Glocken im Glockenturm Großbahren.
Vorausgegangen war noch eine Zitterpartie, ob die am Dienstag zuvor fehlenden schmiedeeisernen Klöppel rechtzeitig eintreffen würden.

Über die Instandsetzung selbst und einen fotografischen Rundgang durch den historischen Glockenturm berichtete der Blog „Mit 8 Megapixeln durch die Niederlausitz“.

Foto 3: Teilnehmer vor dem Festzelt und historischem Glockenturm Großbahren.
Nun am Samstag Nachmittag 14:00 Uhr war es so weit. Langsam füllt sich das aufgestellte Festzelt mit Großbahrener Einwohnern, vielen Sponsoren, Unterstützern und Persönlichkeiten. Für die Glockensegnung war Pfarrer Maik Hildebrand aus Sonnewalde gekommen. Bevor es losgehen konnte, musste noch ein kleines Kommunikationsproblem zwischen Kirche und Technik behoben werden. Etwas was ein Vereinsmitglied schnell und kompetent erledigte.

Foto 4: Lösung eines kleinen Kommunikationsproblems zwischen Kirche und Beschallungstechnik.
Vor inzwischen über 70 Teilnehmern begann die stellvertretende Ortsvorsteherin Franziska Deißing mit ihrer Eröffnungsrede. Sie schilderte die bisherige Entwicklung und ging auf die erfolgten Bauarbeiten ein. Sie dankte allen Sponsoren, Spendern, Unterstützern, dem Ortsverein Grüne Eiche Großbahren e. V. und insbesondere dem Vereinsvorsitzenden Bernd Lehmann für sein außerordentliches Engagement. Auch die untere Denkmalschutzbehörde wurde nicht vergessen.

Foto 5: Stellvertretende Ortsvorsteherin Franziska Deißing bei ihrer Eröffnungsrede.
Anschließend ergriff Bernd Lehmann das Wort.

Foto 6: Bernd Lehmann.
In den nächsten 20 Minuten ging es mit kurzen Episoden durch die Geschichte des Ortes Großbahren, von den ersten Siedlungsspuren in der Jungsteinzeit, über die Germanen- und Slawenzeit sowie dem Mittelalter, bis hin zu wichtigen Ereignissen in den letzten Jahrzehnten. Natürlich kam auch die Entstehung des Glockenturmes nicht zu kurz.

Foto 7: Gespanntes Publikum in Großbahren.
Das und einiges mehr an Interessantem ist in der Ortschronik Teil I anlässlich der 750-Jahrfeier nachzulesen. An einem weiteren Teil wird aktuell gearbeitet.

Foto 8: Ortschronik Teil 1 von Großbahren.
Dass es für die Einwohner unserer Region auch unschöne Zeiten gab, vermittelte eindrücklich Anica Süßkind. Sie verlas einen Feldpostbrief des Soldaten Otto Belling (Kleinbahren) aus dem Ersten Weltkrieg. Darin schilderte dieser die Begegnung mit französischen Soldaten zu den Weihnachtsfeiertagen 1915 an der Front und das Absurde des Krieges. In Großbahren gab es in diesem Krieg vier Todesopfer.

Foto 9: Anica Süßkind beim Verlesen des Feldpostbriefs von Soldat Otto Belling aus dem Ersten Weltkrieg.
Daraufhin übernahm Pfarrer Hildebrand gekonnt das Rednerpult.

Foto 10: Pfarrer Maik Hildebrand von der Evangelische Kirchengemeinde St. Marien Sonnewalde bei seiner Predigt zur Glockensegnung.
Sein Thema war: Glocken – Ein Zeichen von Tradition, Zeitmessung, Gemeinschaft und Glauben. Angefangen von den historischen Ursprüngen spannte er ein breites Feld an Aspekten über Bedeutung, Wirkung und Vorkommen in unserer Gesellschaft sowie den Einfluss auf Kunst und Literatur auf. Seine Botschaft lautete: Glocken verbinden Tradition, Glauben und Gemeinschaft auf einzigartige Weise und sind ein lebendiges Symbol für die Verbundenheit von Himmel und Erde. Begleitet wurde seine Predigt durch Lieder, die die Anwesenden mitsingen konnten.

Foto 11: Teilnehmer mit den Liedtexten in der Hand.
Nahtlos ging es dann zur Segnung der beiden Glocken (siehe Foto 1 oben) und dem anschließenden Anläuten.

Foto 12: Glöckner Bernd Lehmann und Andrè Deißing beim Anläuten.
Foto 13: Wichtiger Moment für Großbahren, die Glocken läuten wieder.
Foto 14: Einwohner beim Einläuten vor dem historischen Glockenturm Großbahren.
Foto 15: Stille in Großbahren. Nur die Glocken läuten.

Foto 16: Andächtig: Anica Süßkind, stellv. Ortsvorsteherin Franziska Deißing und Pfarrer Maik Hildebrand.
Nach dem Anläuten gab es für die Teilnehmer Kaffee und Kuchen. Rege Gespräche kamen auf.

Foto 17: Gemütliches Beisammensein bei Kaffee und Kuchen.
An der Seitenwand des Glockenturmes fiel noch die Liste der Sponsoren und Unterstützer ins Auge. Sie war überraschend lang.

Foto 18: Liste aller Unterstützer und Sponsoren für die Sanierung der Aufhängung der Glocken.
Für diese gab es eine Wertmarke für Bratwurst und Getränke, mit der Aufschrift „Glockenturmretter“. Ein Grund mal der leichten Rauchentwicklung nachzugehen. Und siehe da, hinter dem Turm war ein kleines Team bei der Grillarbeit.

Foto 19: Vereinsmitglieder v. l. Andrè Deißing, Frank Lehmann und Andreas Erpel beim Grillen für die Teilnehmer.
Damit war der erste Bauabschnitt zur Rettung abgeschlossen. Wie Bernd Lehmann dem Fotografen erläuterte, geht die Spendenaktion zur Finanzierung des zweiten Bauabschnitts weiter. Neben ihm auf dem Tisch stand ein hölzernes Modell des Glockenturms als Spendenbox, gebaut von Jörg Schulze. Ziel war die Finanzierung der Elektrifizierung der Glocken mit digitalem Läutewerk. Als Zeitraum für den zweiten Bauabschnitt ist der Herbst 2026 vorgesehen. Spenden waren also hoch willkommen.

17:30 Uhr. Langsam löste sich die Runde auf. Ein kalter Wind war aufgekommen und am Himmel über dem westlichen Horizont hatte sich eine merkwürdige Wolkenformation entwickelt.

Foto 20: Eigenartige Wolkenwand am westlichen Himmel.
Zeit für den heimischen Computer und die Bildbearbeitung. Für die freundliche Versorgung möchte sich der Fotograf bei den Frauen des  Ortsvereins recht herzlich bedanken.

Links:
Gemeinde Großbahren

Evangelischer Kirchenkreis Niederlausitz

Stadt Sonnewalde
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Blog: Mit 8 Megapixeln durch die Niederlausitz.
Autor: Vel Thurvik
Fotos: Vel Thurvik

Mittwoch, 1. April 2026

Neuer Glockenschlag in Großbahren – Niederlausitzer Begegnungen -

Instandsetzung der Glockenaufhängung im historischen Glockenturm Großbahren


Ein Hinweis von Norbert Zach, Eigentümer des Dorfmuseums Kleinkrausnik, machte neugierig. Aus seiner Nachricht war zu entnehmen das nach 100 Jahren die Aufhängung der beiden Glocken im Glockenturm Großbahren instandgesetzt werden muss. Eine gute Gelegenheit für eher seltene fotografische Einblicke.

Nicht jeder Ort in der Niederlausitz hat seine eigene Kirche. Manchmal hat es sich so ergeben, dass Dörfer lediglich über einen freistehenden Glockenturm verfügen. Großbahren in der Nähe von Sonnewalde gehört dazu. Das unter Denkmalschutz stehende Gebäude ist nicht zu übersehen. Im Gegenteil: Es ist eines der markantesten Gebäude im Ort und befindet sich am Westende des Dorfes, neben der alten Schule.

Foto 1: Glockenturm in Großbahren. Daneben ein Festzelt für Besucher und die Mitarbeiter an den Glocken.
Der Empfang durch den Ortschronisten und Vorsitzenden des Ortsvereins „Grüne Eiche Großbahren e. V.“, Bernd Lehmann, war ausgesprochen freundlich und mündete unmittelbar in eine kleine Führung durch den Turm. Die Sanierung war zwingend nötig geworden, weil die Aufhängung und der Glockenstuhl aufgrund ihres Alters nicht mehr ausreichend tragfähig waren. Folglich drohten die Glocken zu verstummen. Im Ort war man sich sofort einig: Das durfte nicht so bleiben. In zwei Bauabschnitten sollte die Sanierung erfolgen. Im ersten Bauabschnitt wurden die Glockenjoche und Lager saniert werden. Dafür hatten die 45 Mitglieder des Ortsvereins 13.000 € an Spendenmitteln zusammengetragen. Enthalten ist auch eine kleinere Förderung der Denkmalschutzbehörde. Eine ordentliche Leistung. Mit dem zweiten Bauabschnitt ist die Installation eines elektrischen Läutewerkes geplant. Letzteres ist noch nicht vollständig finanziert. Deshalb wird die Spendenaktion fortgeführt.

Foto 2: Schild des Ortsvereines Grüne Eiche Großbahren e. V.
In der ersten Bauphase am Dienstag, den 24.03.2026, wurden die beiden Glocken herabgelassen und die eisernen Joche aus der Zeit nach dem Ersten Weltkrieg durch neue, gekröpfte Eichenjoche ersetzt – solche Glockenjoche, wie sie ursprünglich einmal die beiden Glocken hielten. Eine Einführung zum Thema Glockenstuhl und dessen Montage finden Sie hier: Glockenstuhl Wikipedia.

Foto 3: Die beiden ausgebauten Glocken vor dem Glockenturm Großbahren. Foto von Norbert Zach aus Kleinkrausnik.
Mehr zum Thema Glocken und deren Herstellung finden Sie über einen Link am Ende.

Natürlich hatten die Mitglieder des Vereins für ein passendes Umfeld der Arbeiten an den Glocken gesorgt. Neben dem Turm stand ein größeres Festzelt. Besucher waren willkommen und die Versorgung war abgesichert. Gute Vereinsarbeit eben.

Der 1856 erbaute Glockenturm selbst wurde bereits 1966 und 2014 jeweils teilsaniert. Einzelheiten dazu sind in der Ortschronik Großbahren ab Seite 78 zu finden.

Foto 4: Erstausgabe Ortschronik Großbahren.
An der Wand neben dem Glockenturm lehnte eine große Tafel mit wichtigen Eckpunkten und Ereignissen zur Geschichte des Glockenturms. Zu sehen war auch eine Bauzeichnung aus dem Jahr 1966 und eine Zeichnung des ursprünglichen Aussehen um das Jahr 1900. Beide sind ebenfalls in der Ortschronik zu finden sind.

Foto 5: Tafel mit wichtigen Ereignissen rund um den
Großbahrener Glockenturm.
Wie Bernd Lehmann schilderte, ist der Glockenturm Großbahren auch einmal umgezogen. Wegen unsicherem Untergrund zwar nur wenige Meter, weg von der Straße Richtung Osten, aber immerhin. In diesem Zuge wurde der alte Feldsteinsockel durch einen höheren aus Klinkerrahmen und behauenen Feldsteinen ersetzt. Das haben das Dorf und der Verein gemeinsam bewerkstelligt, ebenso wie viele weitere Arbeiten am Turm selbst. Für die jetzige Instandsetzung der Glockenjoche wurde eine Fachfirma, die Walter Glockenläuteanlagen und Turmuhren KG, aus Luckau, hinzugezogen. Bei den Recherchen im Vorfeld stellte sich überraschendes heraus. Obwohl Großbahren zur Kirche im Nachbarort Gosmar eingepfarrt ist, der Glockenturm und das darunterliegende Grundstück gehören nicht zu einer Kirche, sondern zur Stadt Sonnewalde. Damit fiel die Unterstützung der Kirche weg.

Am Nachmittag hingen die beiden Bronzeglocken wieder im Turm. Nur die schmiedeeisernen Klöppel hatten sich verspätet. Bernd Lehmann hoffte das bis zur vorgesehenen Segnung am Samstag die fehlenden Teile eingetroffen sind.

Foto 6: Beide Glocken im Glockenturm Großbahren, aber noch ohne Klöppel.
Denn zu der geplanten Feier werden neben Pfarrer Hildebrand auch Vertreter der Stadt Sonnewalde, viele Gäste und natürlich die Sponsoren erwartet. Eine Glockenweihe und Anläuten mit unvollständigen Glocken wäre unmöglich.

Hilfsbereit stellte Bernd Lehmann eine Leiter bereit. Mit deren Hilfe war es möglich, einen tieferen fotografischen Blick in den Turm zu werfen. Der Rundblick im Turm brachte eine Reihe interessante Details ans Licht. Auf einem Brett oben rechts standen die ehemalige Turmspitze und die Wetterfahne aus dem Jahr 1966. Daneben lagen Reste des ehemaligen hölzernen Glockenjochs. Allen sah man zweifellos ihr Alter an – vor allem dem Holz.

Foto 7: Ehemalige Turmspitze und Wetterfahne.
Auf dem Brett darunter war eine Aufschrift zu lesen: Einweihung nach Restaurierung 10. Mai 1966.

Foto 8: Brett mit der Inschrift.
Unten im Turm lagen die alten eisernen gekröpften Glockenjoche sowie die ausgebauten Klöppel zur Besichtigung aus. Die eisernen  Glockenjoche verfügten noch über alte Gleitlager, die regelmäßig geölt werden mussten. Oben, hinter der ehemaligen Wetterfahne, war noch eine alte Ölflasche zu sehen.

Foto 9: Ausgebautes ausgebautes gekröpftes Eisenjoch der großen Glocke im Turm.
Im Glockenstuhl waren die neuen hölzernen Glockenjoche bereits eingebaut und an den Kronen der Glocken befestigt.

Foto 10: Neues gekröpftes Glockenjoch aus Eichenholz und massiver Aufhängung.
Sie lagern nun auf neuen und wesentlich solideren Halblagern.

Foto 11: Lager und Befestigung der kleineren Glocke.
Auf einem Querbalken lag der Klöppel der großen Glocke. Sein massives Lederband zum Aufhängen in der Glocke war abgeschnitten.

Foto 12: Eiserner Klöppel der großen Glocke mit abgeschnittenem Lederband.
Dazu schilderte Bernd Lehmann eine Anekdote, die zeigt, dass das Glockenläuten gefährlich sein kann. Das zeitgerechte Läuten war seit langer Zeit Aufgabe der Schüler aus der Dorfschule. Gab es Schulferien, übernahmen das die in der Schule wohnenden Lehrer. Als einmal eine Lehrerin morgens die beiden Glocken läutete, verstummte eine der beiden plötzlich. Auf der Suche nach dem Grund entdeckte die Lehrerin den auf dem Boden liegenden Klöppel. Sie war also nur knapp einem schweren Unfall entgangen. Das jetzt hier durchtrennte Lederband wurde allerdings im Rahmen der Arbeiten abgeschnitten und stammt nicht von dem Beinahe-Unfall.

Auf halber Höhe des Turmes fielen in den Facetten des Fachwerks leicht gebogene Querträger auf. Sie befanden sich an verschiedenen Stellen im Turm.

Foto 13: Gebogene Balken im Turm.
Erst nach einiger Recherche wurde der Zweck klar: Schwingungsdämpfung. Beide Glocken verursachen beim Läuten geringe Biegeschwingungen, die eine Resonanz im Gebäude auslösen. Gebogene Materialien wirken meist elastisch-dämpfend – so auch Holz. Mit den gebogenen Balken werden die Resonanzen auf das Gebälk gedämpft und damit langfristige Schäden am gesamten Gebäude verhindert. Clever.

Mittig im Glockenturm hing die Läuteordnung. Aus ihr sind die Zeiten und die Anzahl der Glockenschläge ersichtlich. Für die Glöckner ist Pünktlichkeit also keine Zier, sondern schlicht unumgänglich.

Foto 15: Läuteordnung Großbahren und darunter
eine Funkuhr.
Dabei ist zu erfahren, es gibt drei Glöckner.

1. Glöckner Bernd Lehmann seit 1980
2. Glöckner seit 2010 Andres Lehmann
3. Ersatzglöckner Andre Deißing

Auf dem Ziegelboden befand sich eine große Ofensau. Sie lag mit der Unterseite nach oben und war Zeugnis der Eisenverhüttung von Raseneisenerz im Rennofen-Verfahren aus einer fernen Vergangenheit. Wie Bernd Lehmann erläuterte, war das Fundstück bei den archäologischen Untersuchungen im Vorfeld der OPAL-Trassierung zutage getreten. Neben vielen anderen Funden wurde es der germanischen Besiedlung in der Gegend zugeordnet. Eine diesbezügliche Dokumentation liegt aber noch nicht vor.

Foto 16: Prähistorische Ofensau vermutlich aus germanischer Zeit.
Auf einem Querträger neben dem Eingang lag aufgerollt das neue Lederband für die  fehlenden Klöppel bereit. Mit einem gewissen Stirnrunzeln weist der Vereinsvorsitzende darauf hin: Klar, die wichtigste Veranstaltung am 28. März 2026, das Einläuten, hängt vom rechtzeitigen Liefern der schmiedeeisernen Klöppel ab.

Foto 17: Lederband für die noch fehlenden Klöppel.
Beim Blick auf den Ziegelboden fallen die handgeschmiedeten Flacheisen zur Befestigung des Turmes auf dem Unterbau ins Auge. Zweifellos eine solide Schmiedearbeit. Sie verhindern ein Verrutschen des Glockenturms auf dem Sockel.

Foto 18: Solide Schmiedearbeit hält dem Glockenturm zusammen und fest verankert.
Kurz vor dem Verlassen des Glockenturms fiel noch die Beurteilung des Denkmalamtes aus dem Jahr 2013 ins Auge. Daneben hing noch einmal die Bauzeichnung aus dem Jahr 1966.

Foto 19: Beurteilung des Glockenturms 2013 durch das Denkmalamt.
Mit dem letzten Bauabschnitt soll ein elektrisches Läutwerk mit digitaler Steuerung erfolgen. Das wird voraussichtlich im Oktober realisiert werden, so Bernd Lehmann.

Am Ende der kleinen Führung legte Bernd Lehmann noch eine Ortschronik vor. Darin ist ab Seite 75 die Geschichte des Glockenturms und der beiden bronzenen Glocken dargestellt. Diese wird nun fortgeschrieben werden.

Unmittelbar neben dem Turm befand sich eine grüne Tafel mit einer Zusammenfassung zum Glockenturm und der Geschichte der Glocken.

Im Festzelt nebenan waren inzwischen mehrere ältere Einwohner eingetroffen. In der Ecke standen Kaffee und Getränke bereit. Es wurde über allerlei Themen gesprochen, natürlich auch über die Glockensanierung. Hinten im Zelt saßen Bernd Lehmann mit Axel Sickert und seinem Bruder.

Foto 20: Bernd Lehmann und die Gebrüder Sickert im Fachgespräch.
Es ging um historische Themen, Einträge in alten Kirchenbüchern, Genealogie und verschiedene ältere Dokumente zur Geschichte und den Ereignissen Großbahrens. Im Gespräch zeichnet sich schnell ab, dass Großbahren und seine umliegenden Ortschaften eine deutlich umfangreichere und interessantere Geschichte haben, als es bisher scheint.

Zwei Tassen Kaffee später, mit einer Einladung zur Glockenweihe und einem Kopf voller interessanter Informationen, geht es zurück an den heimischen Computer.

Weiterführende Links:

Ort Großbahren bei Wikipedia.

Glockenturm Wikipedia

Entstehung und Herstellung von Kirchenglocken Wikipedia

Der Glockenstuhl

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Blog: Mit 8 Megapixeln durch die Niederlausitz.

Autor: Vel Thurvik
Fotos: Vel Thurvik

Link: Mit 8 Megapixeln durch die Niederlausitz

Dienstag, 31. März 2026

Steinbohrschnecke – Niederlausitzer Entdeckungen -

Fund einer Steinbohrschnecke in einem Granodiorit-Pfeiler neben der Kirche in Casel


Eine zufällige und eher überraschende fotografische Beobachtung wurde im Sommer 2025 an der Kirche in Casel (Niederlausitz) gemacht. Auf einem Pfeiler aus Lausitzer Granodiorit schien eine Schnecke damit beschäftigt einen kleinen Gang in das Gestein zu bohren – offenbar eine Steinbohrschnecke. Eine ungewöhnliche Beobachtung, die Anlass zu weiterer Recherche gab.

Foto 1: Steinbohrschnecke in einem Granodiorit-Pfeiler an der Kirche in Casel, Landkreis Spree-Neiße.

Bohrschnecken - ein weltweites Phänomen.


Vor allem in den Weltmeeren sind sie weit verbreitet, treten aber auch auf dem Land auf. Sie gehören zur Gattung der Raubschnecken. Mehr über Raubschnecken findet man bei Wikipedia, Raubschnecken.

Davon gibt es verschiedene Gattungen wie Natica, Polinices und Sinum. Meist dient die Bohrfähigkeit dazu andere hartschalige Lebewesen anzubohren und anschließend auszusaugen. Analog wie bei Bohrmuscheln, siehe Wikipedia Lithophaga, werden auch Löcher zum Schutz und als Wohnort in harte Materialien gebohrt.

Mithilfe ihres Pallialdrüsensekrets und der Reibezunge (Radula) sind diese Schnecken in der Lage, selbst überraschend harte Materialien anzugreifen. Vor der Wiederentdeckung des Betons litt so manch frühere Hafenanlage unter ihrer bohrenden Tätigkeit. Fotos alter römischer und mittelalterlicher Hafenanlagen zeugen eindrucksvoll von diesem „Arbeitseifer“.

Gemeint sind dabei jedoch nicht Steinbohrschnecken als Werkzeug im Steinmetzhandwerk, sondern Vertreter der Familie Naticidae (Nabelschnecken), etwa Lunatia nitida, die für ihre Bohrtechnik bekannt sind.

Hier ein Beispiel einer Steinbohrschnecke, die es sich im Travertin bequem gemacht hat, einem vergleichsweise weichen Gestein. Das Fundstück stammt aus den Kalkablagerungen eines ehemaligen Rügener Süßwassersees.

Foto 2: Steinbohrschnecke in ihrer Wohnkammer im Süßwasser-Travertin auf der Halbinsel Jasmund.
Offenbar hat es in jüngerer geologischer Vergangenheit auch in unserem Raum solche Biotope gegeben. Auf einem zweiten Fundstück sind deutlich Fraßspuren und eine ehemalige Wohnkammer zu erkennen.

Foto 3: Rechts eine verlassene Wohnkammer im Süßwasser-Travertin eines ehem. Süßwassersees der Halbinsel Jasmund.
Foto 4: Fraßspuren einer Steinbohrschnecke im Travertin-Gestein eines ehem. Süßwassersees der Halbinsel Jasmund.
Bei dem oben fotografierten Exemplar (Foto 1) dürfte es sich jedoch um eine eingeschleppte Art handeln. Bisher ließen sich keine öffentlich zugänglichen Berichte über ein Vorkommen in der Niederlausitz finden. Aus Süddeutschland sind dagegen Fälle bekannt, in denen Schneckenarten aus der Mittelmeerregion in Steinbrüche eingeschleppt wurden. Siehe auch: „Vorkommen südeuropäischer Schneckenarten in Steinmetzbetrieben in Südwestdeutschland“, August 2011, State Museum of Natural History Stuttgart.

Möglicherweise handelt es sich um einen Klimafolger im Zusammenhang mit den rasanten Klimaveränderungen der letzten Jahre in der Niederlausitz. Zumindest der Fund auf der Insel Rügen legt nahe, dass es sich nicht um eine Ausnahmeerscheinung handelt.

Es gibt aber auch heimische Arten wie die Glänzende Nabelschnecke (Lunatia nitida). Diese sieht jedoch etwas anders aus und ist vor allem in der Nord- und Ostsee beheimatet. Es handelt sich also um Meeresbohrschnecken.

Was unser Exemplar an der Kirche in Casel bewogen hat ausgerechnet einen Pfeiler anzubohren, wird wohl sein Geheimnis bleiben. Sehr nahrhaft dürfte der Granodiorit nicht sein.

Kein Scherz. Damit wünschen wir allen Lesern noch einen angenehmen April.
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Autor: Vel Thurvik
Fotos: Vel Thurvik

Mittwoch, 25. Februar 2026

Schacksdorf, es zempert – Niederlausitzer Begegnungen -

Eine nicht ganz so ernst gemeinte fotografische Begleitung eines alten Kulturguts in Schacksdorf.


Samstag, der 17. Januar 2026, ist kein Tag wie jeder andere – zumindest nicht in Schacksdorf bei Finsterwalde. Gegen 8:30 Uhr trafen vor dem Dorfgemeinschaftshaus allerlei bunt kostümierte Mitglieder des Freiwilligen Feuerwehrvereins ein. Ein erstes wichtiges Ereignis des neuen Jahres stand an: das Zempern (niedersorbisch) – auf Deutsch „Zampern“.


Foto 1: Schacksdorfer beim Zampern 2026.
Es wird fleißig aus- und aufgerüstet. Bunt geschmückte Handwagen werden beladen, Getränke geholt und die „Teufelsbox“ auf einer umgerüsteten Gehhilfe festgeschnallt. Alles wirkt routiniert und gut abgestimmt – Feuerwehr eben.

Foto 2: Vorbereitungen vor dem Dorfgemeinschaftshaus in Schacksdorf: Befestigung der Musikbox auf einem umgebauten Rollator.
Ein Blick auf die Wetterlage: Temperaturen um den Gefrierpunkt, leichter Wind, hohe Luftfeuchtigkeit und ein durchgehend trüber Himmel – eine Herausforderung fürs Zempern und fürs Fotografieren.

Noch eine gemeinsame Absprache über die Tour und die einzelnen Stationen – der Zeitplan ist eng. Einladungen für das in Kürze stattfindende Kinderzempern werden noch bereit gelegt. Anschließend entsteht ein Gruppenfoto vor dem Dorfgemeinschaftshaus in Schacksdorf. Dafür wurde eines der ältesten Gemeindemitglieder, Frau Helga Habermann, hinzugebeten.

Foto 3: Frau Habermann, Lehrerin im Ruhestand (links), beim Fotoshooting.
Als langjährige Lehrerin fiel ihr die Aufgabe zu, das jährliche Gruppenfoto zu machen – eine Aufgabe, die sie mit Bravour meisterte.

Foto 4: Gruppenfotos der Zemperer vor dem Gemeindehaus Schacksdorf. 
Damit das Unterfangen auf das nötige Fortune hoffen konnte, waren eine Reihe von Glücksboten als Unterstützer eingetroffen – allen voran die Blaue Glücksfee, selbstverständlich ausgerüstet mit einem Zauberstab, der im Laufe des Tages noch einige wichtige Funktionen übernehmen sollte.

Foto 5: 9:49 Uhr. Segen der Blauen Glücksfee Bianca mit dem Zauberstab.
Klar, dann drei Marienkäfer als Glücksboten schlechthin.

Foto 6: Die Schacksdorfer Marienkäfer-Brigade.
Foto 7: Gut vorbereitet – Spendenbox der Marienkäfer-Brigade.
Damit es an himmlischem Beistand nicht mangelte, hatte die Amtskirche sogar zwei ihrer Würdenträger entsandt. Wie sich im Laufe des Tages zeigen sollte, wurde deren himmlische Hilfe wiederholt in Anspruch genommen.

Foto 8: Die Amtskirche, vertreten durch Bruder Daniel und Bruder Peter im Amtsornat.
Als weitere Unterstützer gesellten sich das Einhorn, Bugs Bunny, Mischka, Turtle, Pooh-Bär, Cat und ein Vertreter von Team Rocket dazu. Da Schacksdorfs Geschichte weit in prähistorische Zeiten zurückreicht, ließ es sich Fred Feuerstein nicht nehmen, an diesem Termin teilzunehmen.

Kurz darauf ertönte die Teufelsbox, und mit dem Vorsitzenden Mario Wagner an der Spitze setzte sich der Umzug in Bewegung – zum Nachbarhaus, wo die Gruppe bereits erwartet wurde.

Foto 9: 9:50 Uhr – Zug fröhlicher Zemperer auf der Schacksdorfer Dorfstraße.
Es sollte ein turbulenter, ereignisreicher Tag mit Tänzen, Showeinlagen, Akrobatik, Ersteigungen, Motivationstraining, religiösen Momenten, Sport, himmlischer Erleuchtung und vielem mehr werden – aber der Reihe nach.

Mit Schwung ging es die Dorfstraße hinunter und anschließend wieder hinauf bis in den Mühlweg.

Foto 10: Zemperer in Schacksdorf.
Die Schacksdorfer Einwohner zeigten sich gut vorbereitet und spendenfreudig. Wie es Brauch ist, gaben viele Dorfbewohner Eier und verschiedene Lebensmittel.

Foto 11: Eier bester Qualität für die Zemperer.
Schon nach kurzer Zeit kam auch der Zauberstab der Blauen Fee zum Einsatz – eine äußerst hilfreiche Einrichtung, vor allem für weniger rüstige Dorfbewohner.

Foto 12: 10:12 Uhr – Der Zauberstab im ersten Einsatz.
Foto 13: Wie es Tradition ist, gibt es für die Spender natürlich den gemeinsamen Kurzen.
Foto 14: Selbstverständlich wurde überall dort ein Tänzchen gewagt, wo’s ging.
Foto 15: Und natürlich wurde die Tanzeinlage mit rhythmischem Beifall begleitet.
So ging es weiter durchs Dorf – hier weitere fotografische Eindrücke.

Foto 16: Der Zauberstab erneut im Einsatz.
Foto 17: 10:28 Uhr – Dem Vorsitzenden wurden neue Richtungsvorgaben bekannt gegeben, hier bei der Einweisung der Mitglieder aus dem Wunderland.
Entlang der Strecke warteten auf die Teilnehmer verschiedene Zwischenstopps. Wie sich zeigte, waren sie bei der ungemütlichen Witterung auch nötig. Der erste Zwischenstopp fand bei der stellvertretenden Vorsitzenden Doreen Biskupski statt.

Foto 18: Aufwärmen und kurzes Ausruhen bei den Biskupskis im gemütlichen Kellerraum.
Eine gute Gelegenheit, einen kurzen Blick auf die Hintergründe des Zemperns zu werfen. In den meisten niederlausitzer Dörfern ist das niedersorbische Zempern (deutsch: Zampern) Bestandteil der Fastnacht und eine feste Größe im Jahreslauf – zweifellos ein wichtiges gesellschaftliches Ereignis. Auch in Schacksdorf ist das nicht anders. In der Niederlausitz wird zwischen  einem Samstag Mitte Januar bis Mitte März gezempert. Traditionell ziehen die Zemperer von Hof zu Hof, sammeln Eier, Geld und Lebensmittel, trinken mit den Spendern zumeist einen Schnaps, scherzen und tanzen. Später werden die Spenden für ein gemeinsames Fest oder einen Dorfabend verwendet. Der Termin dafür stand in Schacksdorf bereits fest – siehe Foto.

Foto 19: Schwartenabend in Schacksdorf.
In vorchristlichen sorbisch-wendischen Zeiten diente der Brauch Fruchtbarkeitsriten oder dem Austreiben von Wintergeistern. Während der Christianisierung der sorbisch-wendisch-lusitzschen Völker gelang es der Amtskirche nicht, diese Tradition zu unterbinden. So versuchte es Bischof Johannes IV. von Meißen 1442 mit einem Verbot des Umzuges. Allerdings erfolglos wie wir heute in Schacksdorf sehen. Spätere Kirchenfürsten war da etwas cleverer, verliehen dem Brauch ein christliches Gewand und sprach ihm ihre Duldung zu. Vermutlich blieb auch nichts anderes übrig, denn in anderen Gegenden des Reiches gab es in der vorösterlichen Jahreszeit ähnliche Bräuche.

Über die Niederlausitz zwischen Schwarzer Elster, Neiße und Bober (Polen) haben sich im Laufe der Jahrhunderte verschiedene Ausführungen des Zemperns (auch Semperns) entwickelt. In der heutigen Welt der hohen Mobilität und des Pendlerlebens hat diese Tradition eine andere, wichtige verbindende Funktion im Dorf übernommen.

Wer mehr über das Zempern wissen möchte, findet hier weiterführende Informationen und Quellen: Zempern Wikipedia

Einen etwas ausführlicheren Aufsatz haben Susanne Hose und Christina Kliem auf der Internetseite: Sorabicon veröffentlicht.

Doch zurück in die Gegenwart. Nach zwei Gruppenfotos mit den Wirtsleuten …

Foto 20: Gruppenfoto mit den freundlichen Spendern.
Foto 21: Herr Biskupski im Kreise der Zemperer Schacksdorf.
… ging es weiter, vorbei am ehemaligen Feuerwehrgerätehaus in die Massener Straße. Dort ergab sich die nächste Gelegenheit für einen Tanz – etwas, das der Vorsitzende persönlich in die Hand nahm.

Foto 22: Tanz mit der Hausherrin in der Massener Straße.
Foto 23: Zwischenzeitlicher Autostopp in der Massener Straße.
Hunde und Menschen sind ja seit Jahrtausenden enge Partner – in Schacksdorf wurde das eindrucksvoll belegt. Fred Feuerstein traf einen alten Bekannten wieder.

Foto 24: Wiedersehen macht Freude.
Zurück in der Dorfstraße erhielt der Trupp Verstärkung durch einen Eishockeyspieler. Anschließend gab es bei den Fröschkes einen nächsten Aufwärmstopp – übrigens garniert mit sehr lecker belegten Brötchen.
Foto 25: Aufwärmen in Moe’s Tavern.
Foto 26: Fred Feuerstein und Team Rocket in der Pausenpose.
Überhaupt bekam der Zug im weiteren Verlauf Zuwachs. In Moe’s Tavern gesellte sich ein Bär dazu. Und auch vor den Senioren im Ort machte der faszinierende Sog des Zemperns nicht Halt. So wurde kurze Zeit später „Das alte Paar“ von der guten Laune der Truppe unerbittlich mitgerissen.

Foto 27: Zuwachs durch das alte Paar.
Aufgewärmt, gestärkt und verstärkt ging es zwei Häuser weiter. Unter der Beobachtung der schwarzen Katze landete der Zug an der Nummer 23.

Foto 28: Dorfplausch beim Zempern. Neugierig betrachtet die sonst scheue Hauskatze vom Fenster oben das bunte Treiben.

Gleich danach kam es zur ersten sportlichen Bewährungsprobe. Traditionell wird in Schacksdorf beim Zempern das Leben an der Gelben Wand auf den Kopf gestellt.

Foto 29: Traditioneller Gruppen-Kopfstand an der Gelben Wand.
Natürlich gab es auch Einzelvorführungen mit solidarischer Unterstützung.

Foto 30: Unterstützung für das Einhorn.
Foto 31: Auch Bären mussten einmal Kopf stehen.
Nach der sportlichen Einlage bogen die Zemperer in die Sallgaster Straße ab.

Foto 32: Zemperer in der Sallgaster Straße.
Zemperer sind harte Gesellen – das hat deren Technik offenbar unterschätzt, und der Akku der Teufelsbox kapitulierte vor den niedrigen Temperaturen. Ein Umstand, der das lustige Völkchen jedoch nicht aufhielt. Es folgte das nächste Highlight des Umzugs: Gruppenfotos, nach Geschlechtern getrennt, in der Bushaltestelle.

Foto 33: Traditionelles Frauengruppenfoto in der Bushaltestelle Schacksdorf.
Foto 34: Einweisung des Nachzüglers.
Foto 35: Männer-Gruppenfoto.
Kurzfristig wurde auch ein Ersatz für die Teufelsbox beschafft – na ja, Feuerwehr eben.

Foto 36: Freundlicher Empfang am Ende der Sallgaster Straße.
Am anderen Ende der Sallgaster Straße gab es neben einem herzlichen Empfang auch einen typischen Zemper-Rollentausch.

Foto 37: Rollentausch der Generationen.
An der Gaststätte Schacksdorf wurden die Zemperer vom neuen Besitzer aus Schwaben begrüßt. Er zeigte sich auf das Treiben sichtlich neugierig, meinte aber auch in Schwaben gibt es so etwas.

Foto 38: Würdevoll waltete Glücksfee Bianca ihres Amtes.
Nach dem Empfang vor dem Elster-Stübel Schacksdorf führte der Weg des Zuges weiter in die Chaussee. Mit dem Besuch aus den Weiten des Alls wuchs die Teilnehmerzahl auf 25 an. Nein, nicht E.T., sondern eine Astronautin begrüßte die Zemperer – wie? Natürlich astronautisch.

Foto 39: Himmlische Begegnung. Wer hätte gedacht, dass sich Glaube und Wissenschaft einmal in den Armen liegen würden? In Schacksdorf geht so etwas.

Eine so große Teilnehmerzahl rief prompt die Staatsmacht auf den Plan. Diese schickte ihren örtlichen polizeilichen Ordnungshüter Jeremy, der sein Amt sofort mit voller Ernsthaftigkeit aufnahm.

Foto 40: Freundlich beantwortete das Einhorn die Fragen des strengen Schacksdorfer Ordnungshüters.
Offenbar konnte das Wesen aus der Märchenwelt jegliches Misstrauen der Polizei zerstreuen, worauf sich der Ordnungshüter dem Umzug zum Zweck der weiteren Beobachtung anschloss. Ordnung muss ja sein.

Am frühen Nachmittag legten die Zemperer einen Zwischenstopp bei den Brauers ein. Dort erwartete die bunte Truppe ein leckerer Empfang mit warmen Würstchen, Schmalz- und Leberwurststullen.

Foto 41: Herzlicher Empfang im Hof der Familie Brauer.
Foto 42: Gekonnt übernahm die Verteilung des Essens die Marienkäfer-Brigade.
An dieser Stelle noch mal Dank an Familie Brauer und die übrigen Wirtsleute für die nette, aufwärmende Bewirtung des Fotografen.

Getarnt im Schnee, ein heimlicher schweigsamer Beobachter. Um welchen Dienst es sich handelt war nicht festzustellen.

Foto 43:  Scheinbar traute die Staatsmacht dem Treiben im Orte nicht so recht.
Hier kam es zu einem spontanen religiösen Ereignis. Einer der Teilnehmer schüttete dem Vertreter der Amtskirche sein Herz und seine Sünden aus. Um welche es sich handelt bleibt selbstverständlich Beichtgeheimnis. So schlimm kann es nicht gewesen sein. Es wurde Absolution erteilt.

Foto 44: Spontane Beichte vor einem der Schacksdorfer Mönche.
Inzwischen ging es für die übrigen Zemperer mit einem kurzen Fußballspiel weiter.

Foto 45: Fußball in Schacksdorf beim Zempern.
Foto 46: Tor im Busch.
Wieder auf der Chausseestraße empfingen die Zemperer eisiger Wind und spürbar fallende Temperaturen. Geologisch gesehen liegt dieser Teil Schacksdorfs auf einer uralten eiszeitlichen Grundmoräne. Offenbar hatte eine der Eiszeiten beschlossen, sich am Umzug zu beteiligen – zumindest mit ihrem eiskalten Gruß. Doch so etwas schreckte die Schacksdorfer Zemperer nicht, schließlich hatte man hier alle Eiszeiten überlebt.

Foto 47: Voller Entschlusskraft geht es weiter.
In der Finsterwalder Straße 10 wurde der Zug mit einer großen Flasche Glühwein begrüßt – was angesichts des glazialen Hauchs lautstark bejubelt wurde.

Foto 48: Glühwein zur Begrüßung bei Familie Nestler.
Doch dabei sollte es nicht bleiben: Kurz darauf erschien der Hausherr Norbert Nestler mit seiner Klingenthaler Piano-Harmonika „Barcarole“ – buchstäblich ein Instrument mit Geschichte. Norbert griff sofort mit Leidenschaft in die Tasten. Kunst kommt eben von Können – logisch, dass es bei den Zemperern kein Halten mehr gab.

Foto 49: Norbert Nestler spielt gekonnt und kräftig auf.
In den nächsten zwanzig Minuten ging es mit einem bunten Potpourri durch die Welt der Stimmungsmusik.

Foto 50: Zemperer beim Schunkeln. Selbstverständlich übernahm der Vorsitzende die musikalische Direktion.

Foto 51: Tanz der Schacksdorfer Zemperer.
Foto 52: Unvermeidlich auch die Polonaise.
Wieder auf der Finsterwalder Straße erwarteten die Zemperer das mobile Versorgungsteam Ramona und Werner Winkel mit Pfannkuchen und Kaffee.

Foto 53: Brutal lecker – Platte mit Pfannkuchen und Kaffee, serviert direkt aus dem Kofferraum.
Foto 54: Pfandkuchen-Qualitätstest des Vorsitzenden. Werner Winkel ließ keinerlei Zweifel an der Qualität der Versorgung aufkommen.
Während die mobile Versorgung im Gange war, ergab sich die Gelegenheit, sich einmal nach den Organisatoren zu erkundigen.

Der Freiwillige Feuerwehrverein zählt 54 Mitglieder. Entstanden ist der Verein aus der Freiwilligen Feuerwehr heraus. Irgendwann war die Idee da – und wurde einfach umgesetzt. Selbstorganisation war auf den Dörfern schon immer ein wichtiger Faktor; sie sorgt bis heute für eine stabile Vereinslandschaft.

Wann das alles genau begann, kann auch Doreen Biskupski nicht mehr mit Sicherheit sagen. Vorsitzender Mario Wagner geht inzwischen von etwa zehn Jahren aus. Im Laufe der Zeit hat sich eine Aufgabenverteilung ergeben: Jeder macht das, was er gut kann. Für die digitale Seite ist Kim Biskupski zuständig. Die Gruppe organisiert nicht nur das Zempern, sondern auch weitere Veranstaltungen wie Osterfeuer, Maibaum, Erntefest, etc.

Für Versammlungen und Beratungen trifft man sich im Dorfgemeinschaftshaus, das früher die Grundschule war. Mit viel Eigeninitiative und Förderung durch die Amtsgemeinde Massen wurde dort ein kleines Veranstaltungszentrum mit Versammlungsraum und Küche aufgebaut. Als neuestes Projekt entsteht im Hof eine Mehrzwecküberdachung; im Frühjahr sollen die Bauarbeiten fortgesetzt werden.

Nach der mobilen Stärkung ging es weiter – Ziel war die Schacksdorfer Wassermühle. Doch zunächst wurde in der Finsterwalder Straße weiter getanzt, und die Senioren legten ein ordentliches Solo hin.

Foto 55: Senioren mit einem flotten Asphalt-Solo.
Foto 56: 15:22 Uhr – es kam zu einem weiteren religiösen Ereignis: traditionelle Anbetung eines geheimnisvollen Symbols in der Finsterwalder Straße.
Foto 57: Begleitet von spontanem Jubel.
Foto 58: 15:30 Uhr – in der Weststraße gab es bei Angela Schmidt zur Stärkung Nachmittagskuchen und Kaffee.
Foto 59: Familie Schmidt mit dem Vorsitzenden.
Schacksdorf ist nicht nur ein Ort mit Traditionen, sondern auch mit Erfindergeist. Deshalb wurde unterwegs eine Innovation vorgestellt.

Foto 60: Die Schacksdorfer Glasnaben-Radhalterung.
Gleich danach folgte die nächste Überraschung: Ein schwarzes Auto erschien, und ein Mann spendete den Zemperern Geld. Wie sich im Gespräch herausstellte, war er Unternehmer und eigens vom Flugplatzgelände gekommen, um zur Veranstaltung etwas beizutragen. Die Freude war groß.

Foto 61: Unter den wachsamen Augen des Ordnungshüters Jeremy nimmt der Vorsitzende die Spende des freundlichen Sponsors entgegen.
Nach einem weiteren Motivationstraining an der Nummer 15a, natürlich unter Anleitung der Blauen Glücksfee, näherte sich der Umzug der ehemaligen Schacksdorfer Wassermühle. In der historischen Mühle wartete Familie Dries schon mit gedeckten Tischen, Gulaschsuppe und heißem Kaffee.


Foto 62: Familie Dries in der Schacksdorfer Wassermühle.
Das wurde von den Zemperern angesichts der ungemütlichen Temperaturen dankbar angenommen. Schließlich war der Zug bereits über sechs Stunden unterwegs.

Foto 63: Heiße Gulaschsuppe in der Schacksdorfer Wassermühle.
Gegen 16:40 Uhr sind die Zemperer wieder im Mühlweg unterwegs. Mittlerweile beginnt es zu dämmern, was das Fotografieren etwas komplizierter macht, den Zug aber nicht im Mindesten bremst.

Foto 64: Blaue Glücksfee bei ihrer Arbeit im Mühlweg.
In der Pension Luckow wird den Zemperern noch einmal ein wärmender Aufenthalt ermöglicht.

Foto 65: Entspannter Aufenthalt in der Pension Luckow.
Dabei kommt es zum vorerst letzten religiösen Ereignis des langen Tages. Haben wir uns nicht alle schon einmal gefragt, wie die Amtskirchen zu ihren himmlischen Erkenntnissen gelangen? Jenen Moment tiefster Einsicht und Bewusstwerdung der wahren Natur der Realität? Völlig unerwartet bot sich hier die Gelegenheit, einen kurzen Augenblick himmlischer Übermittlung – der Erleuchtung – zu beobachten. Ein Glücksfall. Über den Inhalt der Botschaften war allerdings nichts zu erfahren.

Foto 66: Der Moment himmlischer Erleuchtung eines Vertreters der Amtskirche in Schacksdorf.
Kurz nach 17:00 Uhr ist der fröhliche Umzug wieder unterwegs. Inzwischen ist es dunkel geworden.

Schon seit über 100 000 Jahren bringen Lagerfeuer Menschen zusammen. In Schacksdorf fanden die Zemperer bei Ulli Möller ein Wärmendes samt Kessel mit Punsch vor.

Foto 67: Ulli Möller zusammen mit den Schacksdorfer Zemperern.
Foto 68: Inzwischen hatte die Amtskirche den Transport und die Betreuung der Lebensmittel übernommen.
Wie unschwer zu erkennen ist, macht sich ein Wagen voller Eier und weiterer Lebensmittel auf den Weg zum Dorfgemeinschaftshaus.

Im Birkenweg gibt es noch drei Zwischenstopps. Danach geht es weiter in Richtung Endstation.

Foto 69: Zwischenstopp im Birkenweg.
Gegen 17:50 Uhr: Ankunft im Dorfgemeinschaftshaus Schacksdorf. Nach über acht Stunden durch die Straßen Schacksdorfs geht ein ereignisreicher Tag zu Ende.

Foto 70: Kleine Auswertung des Tages.
Nicht einfach, die Spenden der Macht des Zauberstabs abzuringen.

Foto 71: Die Glücksfee beim Ausleeren ihres Zauberstabs.
Die Frauen haben inzwischen die Kassenverwaltung übernommen. Natürlich wird genau gezählt – schließlich soll das Geld den Schwartenabend finanzieren. Aus dem Großteil der Eier soll per Beschluss Eierlikör hergestellt werden.

Foto 72: Auszählung der Spenden.
Bilanz: Auch wenn es kalt war, „das Wetter hat gestimmt“, meint der Vorsitzende. Die gut abgestimmte Organisation der Teilnehmern hat zum Erfolg geführt. Und die Einwohner von Schacksdorf haben den Umzug immer freundlich begrüßt. Ein gelungenes Zempern, so Mario Wagner.

Dank an Markus Müller für die Idee der fotografischen Begleitung.

Foto 73: Markus Müller im Dorfgemeinschaftshaus Schacksdorf.
An dieser Stelle noch mal Herzlichen Dank vom Fotografen für die überaus freundliche Aufnahme.
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Blog: Mit 8 Megapixeln durch die Niederlausitz.

Autor: Vel Thurvik
Fotos: Vel Thurvik