Dienstag, 31. März 2026

Steinbohrschnecke – Niederlausitzer Entdeckungen -

Fund einer Steinbohrschnecke in einem Granodiorit-Pfeiler neben der Kirche in Casel


Eine zufällige und eher überraschende fotografische Beobachtung wurde im Sommer 2025 an der Kirche in Casel (Niederlausitz) gemacht. Auf einem Pfeiler aus Lausitzer Granodiorit schien eine Schnecke damit beschäftigt einen kleinen Gang in das Gestein zu bohren – offenbar eine Steinbohrschnecke. Eine ungewöhnliche Beobachtung, die Anlass zu weiterer Recherche gab.

Foto 1: Steinbohrschnecke in einem Granodiorit-Pfeiler an der Kirche in Casel, Landkreis Spree-Neiße.

Bohrschnecken - ein weltweites Phänomen.


Vor allem in den Weltmeeren sind sie weit verbreitet, treten aber auch auf dem Land auf. Sie gehören zur Gattung der Raubschnecken. Mehr über Raubschnecken findet man bei Wikipedia, Raubschnecken.

Davon gibt es verschiedene Gattungen wie Natica, Polinices und Sinum. Meist dient die Bohrfähigkeit dazu andere hartschalige Lebewesen anzubohren und anschließend auszusaugen. Analog wie bei Bohrmuscheln, siehe Wikipedia Lithophaga, werden auch Löcher zum Schutz und als Wohnort in harte Materialien gebohrt.

Mithilfe ihres Pallialdrüsensekrets und der Reibezunge (Radula) sind diese Schnecken in der Lage, selbst überraschend harte Materialien anzugreifen. Vor der Wiederentdeckung des Betons litt so manch frühere Hafenanlage unter ihrer bohrenden Tätigkeit. Fotos alter römischer und mittelalterlicher Hafenanlagen zeugen eindrucksvoll von diesem „Arbeitseifer“.

Gemeint sind dabei jedoch nicht Steinbohrschnecken als Werkzeug im Steinmetzhandwerk, sondern Vertreter der Familie Naticidae (Nabelschnecken), etwa Lunatia nitida, die für ihre Bohrtechnik bekannt sind.

Hier ein Beispiel einer Steinbohrschnecke, die es sich im Travertin bequem gemacht hat, einem vergleichsweise weichen Gestein. Das Fundstück stammt aus den Kalkablagerungen eines ehemaligen Rügener Süßwassersees.

Foto 2: Steinbohrschnecke in ihrer Wohnkammer im Süßwasser-Travertin auf der Halbinsel Jasmund.
Offenbar hat es in jüngerer geologischer Vergangenheit auch in unserem Raum solche Biotope gegeben. Auf einem zweiten Fundstück sind deutlich Fraßspuren und eine ehemalige Wohnkammer zu erkennen.

Foto 3: Rechts eine verlassene Wohnkammer im Süßwasser-Travertin eines ehem. Süßwassersees der Halbinsel Jasmund.
Foto 4: Fraßspuren einer Steinbohrschnecke im Travertin-Gestein eines ehem. Süßwassersees der Halbinsel Jasmund.
Bei dem oben fotografierten Exemplar (Foto 1) dürfte es sich jedoch um eine eingeschleppte Art handeln. Bisher ließen sich keine öffentlich zugänglichen Berichte über ein Vorkommen in der Niederlausitz finden. Aus Süddeutschland sind dagegen Fälle bekannt, in denen Schneckenarten aus der Mittelmeerregion in Steinbrüche eingeschleppt wurden. Siehe auch: „Vorkommen südeuropäischer Schneckenarten in Steinmetzbetrieben in Südwestdeutschland“, August 2011, State Museum of Natural History Stuttgart.

Möglicherweise handelt es sich um einen Klimafolger im Zusammenhang mit den rasanten Klimaveränderungen der letzten Jahre in der Niederlausitz. Zumindest der Fund auf der Insel Rügen legt nahe, dass es sich nicht um eine Ausnahmeerscheinung handelt.

Es gibt aber auch heimische Arten wie die Glänzende Nabelschnecke (Lunatia nitida). Diese sieht jedoch etwas anders aus und ist vor allem in der Nord- und Ostsee beheimatet. Es handelt sich also um Meeresbohrschnecken.

Was unser Exemplar an der Kirche in Casel bewogen hat ausgerechnet einen Pfeiler anzubohren, wird wohl sein Geheimnis bleiben. Sehr nahrhaft dürfte der Granodiorit nicht sein.

Kein Scherz. Damit wünschen wir allen Lesern noch einen angenehmen April.
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Blog: Mit 8 Megapixeln durch die Niederlausitz.
Autor: Vel Thurvik
Fotos: Vel Thurvik

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