Mittwoch, 17. Dezember 2025

Uebigau im Abendlicht – Niederlausitzer Erkundungen -

Ein abendlicher Streifzug durch die westliche Altstadt von Uebigau


Schöne Ansichten und Augenblicke lassen manchmal das eigentliche Ziel einer Fahrt in den Hintergrund treten. Uebigau im Abendlicht war so ein Anlass. Hochdruckgebiet Gisela servierte dem Himmel über der kleinen Niederlausitzer Stadt ein strahlendes Blau. Und die schon recht tief stehende Sonne, sorgte in den Straßen für kontrastreiche Ansichten. Beste Voraussetzungen für einen kleinen fotografischen Streifzug durch Uebigaus westliche Altstadt.

Geschäftiges Treiben auf dem Markt Uebigau.
Auf dem Markt des ehemaligen Ackerbürgerstädtchens ist an diesem Freitagabend noch reichlich Betrieb. Kinder klettern auf den Steinbänken vor dem Stadtbrunnen herum, weshalb Fotos vom Brunnen auf später verschoben werden.

Torgauer Straße Ecke Kreuzstraße mit Blick zum historischen Markt Uebigau.
Ein Blick rund um den Markt, lässt ein recht breites Spektrum historischen Häuser und baulicher Epochen erkennen. Auf dem Weg zur Stadtbrücke über den Neugraben, fallen eine Reihe schön sanierter Häuserfronten auf. Beispielsweise die der Bäckerei am Markt.

Back- und Konditorwaren mit Cafee, Tee am Markt Ecke Torgauer Straße.
In der Kreuzstraße fällt das nächste stilvoll sanierte Fachwerkhaus ins Auge.

Hübsch saniertes Fachwerkhaus in der Kreuzstraße.
Wie bei den meisten Niederlausitzer Kleinstädten, hat die Ersterwähnung eines festen Ortes wenig mit der tatsächlichen Entstehung zu tun. So auch in Uebigau. Und irgendwie spürt man das beim schlendern durch die Straßen, die auf den ersten Augenblick merkwürdig angeordnet erscheinen. Deutlich wird das an der Führung der geschlängelten Torgauer Straße. Auffällig auch die Verläufe der Schulgasse, Kreuzstraße, Hirtenstraße, Schlossstraße und Ringstraße.

Schulgasse am Abzweig Kreuzstraße.
Die schmale Schulgasse führt direkt zur ehemaligen Lateinschule.
Durchblick zur Ringstraße mit schön erhaltenen Transformatorhaus am Neugraben.
Denkt man sich jedoch ein paar Jahrhunderte zurück, erklärt sich die Anordnung besser. In einer Zeit wo auch kleine Städte auf einen Kompromiss zwischen Verteidigung, Wirtschaft und Handel ausgerichtet werden mussten, herrschten andere räumliche Zwänge vor. Dazu bestimmte die Landschaft zwischen morastigen Altarmenresten der Schwarzen Elster, Kaisers Lache und Fluth, die Form der Stadt. Wobei Letzteres schon im 16. Jahrhundert zweifellos ein hydrologisches Meisterwerk darstellte.

Gebogene Ringstraße am Neugraben, der ehemaligen Fluth.
Markantestes Bauwerk an der Torgauer Straße, die Brücke über den Neugraben.

Brücke über den Neugraben.
Wappen der Stadt Uebigau im Brückengeländer. Ausdruck der Bereitschaft einer Stadt zur Wehrhaftigkeit.
Überraschender Weise bietet sich von der Brücke ein guter fotografischer Rundblick. Bei der engen Bebauung war das nicht zu erwarten. Hier ein paar Eindrücke.

Wildnis am Neugraben in Richtung Hinterm alten Schloss.
Spätherbstlicher Garten am Neugraben.
Torgauer Straße in Richtung Vorstadt.
Torgauer Straße Richtung Marktplatz.
Beim Rundblick fällt ein weiteres markantes Bauwerk Uebigaus auf. Die Kirche Sankt Nikolai.

Durchblick durch die Stadthäuser zu Evangelischen Kirche Sankt Nikolai.
Doch folgen wir erst mal der Ringstraße entlang des Neugrabens.

Neugraben und Ringstraße mit markanter Kirche Sankt Nikolai im Hintergrund.
Schöner herbstlicher Anblick, die Wiese am Neugraben Richtung Friedhof.
An den Bauwerken beider Uferseiten wird klar, hier standen historische Mühlen. Im Mauerwerk prangt eine zugemauerte Bogentür.

Eine Bogentür in der Mauer führt direkt zur Grabenseite.
Natürlicher Herbstschmuck, Roter Wein an einem Gebäude am Ufer des Neugraben.
Vorbei am ehemaligen Trafohäuschen, führt die gut gepflasterte Straße zu einer Anordnung dreier kleiner Häuser auf einer Straßeninsel. Die kleinen Häuser wirken verlassen, bieten aber trotzdem schöne Motive.

Häuserinsel an der ehemaligen Stadtmühle Uebigau.
Hauseingang mit Bewuchs.
Direkt daneben befindet sich die historische Stadtmühle samt Wohnhaus. Ehemalige Mahlsteine verschiedener Größe weisen den Weg.
Historische Wassermühle der Stadt Uebigau.
Mahlsteine vor der historischen Stadtmühle Uebigau.
Unmittelbar über dem Neugraben das hölzerne mechanische Laufwerk der historischen Mühle.

Interessanter Anblick. Das Laufwerk der Mühle im Abendlicht.
Warum der Zugang gesperrt ist wird schnell deutlich. Hier herumklettern würde kaputtklettern bedeuten.

Sperrwerk (Wehr) der historischen Stadtmühle Uebigau.
Wer mehr über die Stadtmühle Uebigau wissen möchte, hier ein Link: Visitenkarte Uebigau-Wahrenbrück

Auch ein Besuch im Heimatmuseum in der Doberluger Straße, ist in dem Zusammenhang sicher nützlich. Link: Heimatmuseum Uebigau

Bei dem insgesamt recht gut erhaltenen Objekt, stellt sich die Frage nach eventueller  Restauration und Einrichtung einer Schaumühle.

Von der Mühle aus zeigt der Neugraben gleich noch mal seine herbstliche Schönheit.

Neugraben in Herbstfarben.
Um die Stadtmühle und Häuserinsel finden sich einige nette fotografische Details. Beleg einer aufmerksamen und pflegenden Hand im Umfeld.

Wasserpumpe im Herbstkleid.
Hier liegen über eine halbe Milliarde Jahre auf dem Boden. Felsenstücke der Rothstein-Formation. In der westlichen Niederlausitz nicht selten, aber sehr sehr alt.

566 Millionen Jahre alte Beetbegrenzung, Felsgesteine der Rothstein-Formation.
Darunter eine sogenannte Brekzie, ein Zeugnis heftiger tektonischer Verwerfungen aus der Entstehungszeit des Cadomischen Gebirges.

Typische Felsen-Brekzie der Rothstein-Formation.
Ein Gestein aus einer Zeit, als das Leben auf diesem Planeten noch nicht entschieden hatte, was es mal werden wollte. Es war die Zeit Ediacara-Fauna. Eine Welt auf dem Meeresgrund mit Lebewesen, die jeden Science-Fiction Film zweifellos Ehre gemacht hätten.

Wieder in der gut gepflasterten Ringstraße.

Hübscher Anblick in der gepflegten Ringstraße.
In der Kirchstraße bestimmt die Evangelische Kirche Sankt Nikolai das Bild. Gut restauriert, bietet sie einen schönen Blickfang.

Evangelische Kirche Sankt Nikolai in der Abendsonne.
Wer mehr über das Gebäude und seine Geschichte sucht, ein passender Link: Evangelische Kirche Sankt Nikolai Uebigau

Und nun ein paar fotografische Eindrücke rund um die Kirche.

Schmale Verlängerung der Straße An der Kirche zum Neugraben.
Es gibt Augenblicke, da weist die Sonne den Weg. Und dieser zeigt kurioser Weise direkt zum Eingang der Kirche.

Interessanter Lichteffekt zum Eingangstor der Kirche Sankt Nikolai.
Doch auch ein Blick zurück belohnt mit interessanten Lichteffekten.

Rückblick Richtung Ringstraße.
Auch das Kirchengebäude selbst ist sehenswert.

Kirche von der Ostseite.
Auf dem Gelände stehen zwei Denkmale zur Erinnerung an unschöne Zeiten. In Anbetracht der aktuellen weltpolitischen Begehrlichkeiten, sollte jeder diesen Anblick mal sacken lassen.

Denkmal an die Gefallenen des 1. Weltkrieges in Uebigau.
Und den noch schlimmeren 2. Weltkrieg.
Gut auf dem Gelände integriert, Gemeinderaum der Kirche Sankt Nikolai.
Südseite der Kirche Sankt Nikolai in Uebigau.
Eingang am Turm und architektonische auffälliges es Treppenhaus.
Wieder in der Schulgasse, bietet das Pfarramt mit seinem schönen Fachwerk einen abendlichen Blickfang.

Pfarramt Evangelisches Pfarramt Uebigau.
Gleich daneben, sehr praktisch, die ehemalige Lateinschule.

Lateinschule als Denkmal.
Weiter geht es durch die Pfarrstraße in die Nordstraße.

Pfarrstraße Richtung Kirche mit Abzweig der Nordstraße.
Ab der Nordstraße gibt es erst mal bauliches Kontrastprogramm. Verlassene Gebäude. Einzelne in ruinösen Zustand. Wie es scheint, ist die Stadtsanierung bis hierher erst in kleinen Schritten vorgedrungen. Doch Gut Ding braucht seine Zeit und eben Geld.

An dem Haus gleich auf der Ecke zur Pfarrstraße, ist die Sanierung irgendwann stehen geblieben.
Unmittelbar an der Einmündung Ringstraße steht ein kleiner verschachtelter alter Gebäudekomplex. Dessen Zweck erschließt sich von außen nicht recht.

Auffälliger Gebäudekomplex an der Ringstraße Ecke Nordstraße.
Etwas weiter nördlich gibt es wieder gute Entwicklungen zu sehen. Die Nordstraße wandelt sich in eine Eigenheimsiedlung.

Eigenheime in der Nordstraße mit der markanten Kirche Sankt Nikolai im Hintergrund.
Und Kunst am Garten gibt es ebenfalls zu sehen.
Am Ende der Nordstraße öffnet sich ein weiter Blick und überrascht mit herbstlicher Tiefland-Landschaft. Wieder Zeit für einen fotografischen Rundblick.

Weiter Blick über die Herbstliche Landschaft am Neugraben.
Der Solarpark Richtung Norden.
Über den Gärten der Stadt tritt der Kirchturm der Sankt Nikolai Kirche imposant in Erscheinung.
Hier unterquert der Neugraben die Straße zum Gewerbegebiet Nord und bieten ein paar schöne Ansichten.

Brücke über den Neugraben.
Herbstlich gelbe Birken am Neugraben südlich der Brücke.
Wenn sich der Spätherbst an das Brückengeländer klammert.
Mit einem letzten Blick übers Land geht es zurück in die Stadt. Der Termin wartet, doch für die nächsten Tage ist eine Fortsetzung des Streifzuges durch die Niederlausitzer Kleinstadt anvisiert.

Neugraben und Wiesen.
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Blog: Mit 8 Megapixeln durch die Niederlausitz.

Autor: Vel Thurvik
Fotos: Vel Thurvik

Samstag, 6. Dezember 2025

Wenn Milliarden bei Kemmen am Wegesrand liegen - Niederlausitzer Fundstücke -

Loftahammar-Gneisgranit, ein Stück Schwedens in Kemmen


Um politischen Begehrlichkeiten gleich vorzubeugen, nein es geht nicht ums Geld, hier geht es um Jahre.

Beim Stöbern in den Erosionsrinnen am Mühlberg bei Kemmen /Niederlausitz, fällt ein schwarz-dunkelrotes Stück Fels auf. Fleischfarbene große Kalifeldspäte und Lagen aus schwarzem Biotit. Ein dunkler Granit?

Foto des Gneis-Granit vom Mühlberg bei Kemmen.
Doch es fehlt der typische graue Quarz. Plagioklas ist auch nicht zu erkennen. Die hereinbrechende Dunkelheit lässt eine nähere Betrachtung nicht mehr zu. Nach der Reinigung wandert das Fundstück in die Kiste der noch zu bestimmenden Gesteine. Zwei Jahre später liegt der Findling wieder auf dem Schreibtisch. Ordentlich abfotografiert und unter der Lupe, offenbart er langsam seine Zusammensetzung, Herkunft und Geschichte.

Das Gestein besteht überwiegend aus großen dunklen fleischfarbenem Kalifeldspatkristallen. Mindestens 70%. Quarz ist nun unter der Lupe entdeckt und mit weniger als 10% vertreten. Er ist teilweise in einzelnen kleinen Kristallen als auch kleinkörnig in Lagen zwischen dem Biotit und Kalifeldspat erkennbar. Biotit mit deutlich mehr als 20%, bildet durchweg dunkle Lagen zwischen den Kalifeldspäten. Er ist eingeregelt, was zu einem gneisartigen Gefüge führt. Einige Feldspatkristalle sind mehr als 2 cm groß und leicht augenförmig ausgeprägt. Der Vierte im Bunde, Plagioklas tritt nicht in Erscheinung und ist weder unter der Lupe noch Mikroskop erkennbar.

Unser Fundstück hat also ein typisch porphyrisches Gefüge und ist leicht metamorph überprägt. Der dunkle Habitus des Fundstück und der geringe Anteil an Quarz, deuten auf ein leicht basisches oder intermediäres Ursprungsgestein hin.

Rückseite des Gneis-Granit vom Mühlberg mit gut erkennbarer Lagenstruktur.
Wegen der besseren Erkennbarkeit der Minerale ist zum Vergleich ein Falschfarben-Foto dabei.

Gneis-Granit invertiert fotografiert.

Herkunft, Geschichte und Vorkommen


Recherchen und Literatur nach zu urteilen, ist dieses Gestein vor 1,8 bis 1,9 Milliarden Jahren in Ostschweden, Lofthahammar-Gebiet, während der svekofennischen Gebirgsbildungsphase, in Präkambrische metamorphe Gesteine intrudiert (eingedrungen).

Ursache ist die Kollisionen mehrerer Inselbögen und Mikroplatten (Terrane) mit dem archäischen Karelien-Kraton, ein etwa 3 Milliarden Jahre alter Kontinentalkern. Zweifellos eine tektonisch sehr aufregende Zeit. Es handelt sich also um eine Kollisionszone tektonischer Platten, ähnlich wie sie 1,4 Milliarden Jahre später, während der varizischen Gebirgsbildung in der Niederlausitz erfolgen sollte.

Während des Gebirgsbildungsprozesses kam es wegen der hohen Temperaturen und des enormen Drucks bei der Kollision, zu einer metamorphen Veränderung des Gesteines. In der Folge ordneten sich die schwarzen Biotitminerale lagenartig zwischen die Kalifeldspatkristalle ein. Der vorhandene Quarz wurde dabei mitgenommen.

Der Loftahammar-Gneisgranit gehört zu einer Gruppe an Graniten, Gneis-Graniten und Augengneisen die zwischen Edsbruk und Loftahammar, Ostgotland, auftreten. Gleichzeitig ist diese Region Schwedens wiederholt Quellgebiet verschiedener Gletscherströme nach Mitteleuropa gewesen. Damit wird der Reiseweg klar. Abgeladen wurde das Fundstück während der letzten Saaleeiszeit (Warthestadium), vor circa 126 000 Jahren, in den Grundmoränen um Kemmen. Eine lange Reise für so ein altes Gestein.

Karte Herkunftsgebietes und Fundort. Quelle: Openstreetmap.de
In der mittleren und östlichen Niederlausitz kommt dieses eiszeitliche Geschiebe öfters vor, teilweise mit ausgeprägten augenförmigen dunkelroten Kalifeldspäten. Geschnitten und poliert ein hübsches Gestein.

Es soll nicht unerwähnt bleiben, dass auch in anderen Gebieten Schwedens vergleichbare Gesteine auftreten. Beispielsweise und Upland, Nerike, Norrland und weiteren Regionen. Verwechslungen sind also möglich.

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Quellen:

Prof. Dr. Ing Julius Hesemann
Kristalline Geschiebe der nordischen Vereisung
Geologisches Landesamt Nordrhein-Westfalen
Seite 54 und 55

Schweden - Magmatite - Loftahammar-Gneisgranit

skan-kristallin.de Loftahammar

Gesteine
Walter Maresch, Olaf Medenbach, Hans-Dieter Trochim
Mosaik Verlag

Wkipedia.de/Svekofenniden

Freunde der Geowissenschaften an der Universität Göttingen
Schwedenexkursion 2015, Begleitheft 
Geologische Übersicht, Seiten 7 bis 10

Sonntag, 23. November 2025

Sonnenuntergang an der Schwarzen Elster – Niederlausitzer Beobachtungen -

 Es gibt Situationen, an denen kann man als Fotograf nicht ohne Weiteres vorbeifahren. Beispielsweise einem schönen Sonnenuntergang an den Ufern der Schwarzen Elster.

Blick von der Brücke über die Schwarzen Elster Richtung Uebigau.
Das Urstromtal der Schwarzen Elster ist arm an größeren Erhebungen. Von der Brücke über die Schwarze Elster bei München, hat man jedoch einen guten Überblick über das weite flache Land, bis weit hinter Uebigau. Wenn dann noch das freundliches Hochdruckgebiet Giesela den passenden klaren Himmel fabriziert, was soll da noch schief gehen. Hier einige fotografische Belege.

Zwischen den Brückengeländern ist der markante Turm der Evangelischen Kirche Sankt Nikolai in Uebigau erkennbar.
In dem flach einfallenden Abendlicht entwickelt selbst der Fluss Schwarze Elster die Neigung für gewinnende Fotos.

Die Schwarze Elster im Abendlicht in Richtung Nordwesten. Im dunklen Wasser spiegeln sich Büschel von Riedgras.
In Richtung Südosten verfängt der Blick über den Fluss mit einen sanften Himmelspektakel. Sein friedliches Bild lässt ein Urstromtal zweier Eiszeiten kaum glaubhaft erscheinen.

Sanfte Federwolken über dem Urstromtal der Schwarzen Elster.
In Richtung Osten wird die ehemalige Wassermühle vom München in blass-rotes Licht getaucht.

Wassermühle in München /Niederlausitz mit Wehr und Mündung des Mählgrabens.
In zwischen wird es dunkel. Über den Auen in Richtung Süden leuchtet noch mal kurz eine goldene Federwolke auf.

Goldener Himmelsstreifen über dem Eiswinkel im Süden.
Zeit weiterzufahren, der heimischen Kaffeetasse entgegen.

Heimkehrer fliegt über der Schwarzen Elster.
Letzter Blick zurück Richtung Sonnenuntergang.

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Blog: Mit 8 Megapixeln durch die Niederlausitz.
Autor: Vel Thurvik
Fotos: Vel Thurvik

Sonntag, 9. November 2025

Uebigau die Stadt mit dem goldenen Schlosspark – Niederlausitzer Erkundungen -

Ein fotografischer Streifzug durch den Schlosspark mit ein bisschen hydrologische Geschichte und Geologie

Auf dem Rückweg vom Steuerberater blieb in Uebigau der Blick am Schlosspark hängen. Goldener Herbst eben. Und der recht vielfältige Baumbestand im gut hergerichteten Schlosspark, zeigte jetzt seine Farben.

Schloss und Park Uebigau November 2025.
Gelegenheit macht Fotos. Und Zeit war auch etwas. Los ging es vom Parkplatz an der Doberluger Straße.

Blick in den Schlosspark Uebigau vom Parkplatz aus.
Gleich dahinter beginnt ein kleines Gewässer was bogenförmig Richtung Parkmitte führt.

Der Bogenteich im Schlosspark Uebigau.
Dort mündet auch ein Weg aus der Badergasse in den Schlosspark.

Mit seinen ca. 2 Hektar erscheint der Uebigauer Schlosspark nicht sehr sonderlich groß. Für Menschen die nicht so gut zu Fuß sind oder einfach um eine ruhige Runde spazieren zu gehen, genau die richtige Größe. Selbst für Rollstuhlfahrer, wie wir noch sehen werden, eine gute Idee, denn es gibt nur ein geringes Gefälle.

Ein gut befestigter Weg führte links des Bogenteiches in den Schlosspark hinein.

Weg am Bogenteich.
Hervorgegangen ist er als Vorpark des Rittergutes im 19. Jahrhundert. Nachfolgende Besitzer des Schlosses haben es verstanden den kleinen Park weiterzuentwickeln. Wer mehr dazu erfahren möchte, kann hier nachsehen: Elbe-Elster Tourismus

Doch auch das Rittergut dürfte seinen Vorläufer gehabt haben. Möglicherweise eine slawischen Wall- oder frühdeutschen Burganlage. Wegen der Lage vor einer Niederung und in der Nähe eines strategisch wichtigen Handelsweges Richtung Osten, prädestiniert für solche historischen Bauwerke.

Stadt Uebigau und Schlosspark haben eine wechselvolle Geschichte. Mehr dazu hier: Historischer Stadtkern Uebigau

Einige Herbst-Impressionen entlang des Parkweges.

Eichenspiegel im Bogenteich.
Weiter in Zentrum des Schlossparkes trifft man auf einen Ringweg und allerlei Aussichten auf das hübsche kleine neogotische Schloss.

Weiter in Zentrum des Schlossparkes trifft man auf einen Ringweg und allerlei Aussichten auf das hübsche kleine neogotische Schloss. Auch scheint der Stadtgärtner der Versuchung weitgehend widerstanden zu haben, in den Kronen der alten Eichen herum zu schnippeln.

Alter Eichenbestand im Seitenlicht der spätnachmittäglichen Sonne im Zentrum des Schlossparks Uebigau.
Rückblick über den Bogenteich.
Auffällig das leichte Gefälle Richtung Wiesen am Horst. Ein späterer Blick auf eine Geomorphologische Karte der Hohlformen im Gelände, erklärt warum. Es handelt sich um die größte geschlossene Senke der ganzen Gegend und springt deshalb ins Auge. Ein  Teil dieser Senke durchzieht den Schlosspark. Siehe Karte.

Geomorphologisch-hydrologische Skizze des Geländes vom Schlosspark und südlicher Umgebung. Die Kartenskizze wurde auf der Grundlage von Daten des LBGR erarbeitet.
Der blaue Bereich auf der Karte kennzeichnet eine ehemalige geschlossene Hohlform im Gelände. Clever gelöst, der Schlossteich im Zentrum ist unmittelbar davon erfasst. Offenbar hatten die Erbauer des Parks gute Kenntnisse über die geologischen Verhältnisse.

Wer sich die Böden zu den Wiesen hin näher ansieht, bemerkt bald die ehemaligen leicht feinsandigen Moorböden. Typische Böden also, wie sie seit dem Ende der letzten Eiszeit vor 11 500 Jahren, oft in der Niederlausitz entstanden. Meist in verlandeten Flussschleifen und Altarmen der Flüsse. Die Betrachtung der Wiese Richtung Horst, lässt auf ehemalige verlandete Altarme schließen. Folgt man gedanklich den geschwungen Bögen der ehemaligen Altarme, führen diese durch den Bogenteich und Parkstraße zur Kirchhainer Straße. Auf der Rückfahrt ein kurzer Besuch der Straße zum Gewerbegebiet  Nord. Dort bestätigt sich die Vermutung. Einer der Altarme eines Flusses, möglicherweise der Schwarzen Elster, hat mal an dieser Stelle die Stadt durchquert und wurde später überbaut. Sollte hier mal ein Damm mit Straße darauf existiert haben, wäre dieser in dem ehemals morastigen Gelände gut zu kontrollieren gewesen.

Sichtachse von der Terrasse vor dem Schloss Uebigau über den Schlossteich nach Südosten in den Horst.
Wer vom Bogenteich kommend weiter in Richtung Schlossgebäude streift, betritt eine kaum wahrnehmbare Erhöhung. Eine Art kleine Terrasse. Sie erstreckt sich zum Schloss und in die Stadt Uebigau hinein.

Leichter Anstieg nach links zum Schloss.
Von der Terrasse vor dem Schloss lassen sich verschiedene schöne Sichtachsen erkennen. Einfach dort mal stehen bleiben und diese selbst erkunden, lohnt sich.

Unmittelbar neben dem Schlossgebäude hat sich ein Baum in ein Kleid prächtiger Herbstfarben geworfen.

Herbstlaub macht hübsche Bäume.
Er ist aber nicht der einzige.

Gleich dahinter ein kleiner botanischer Nachahmer des Herbstkleides.
Geschickt verteilt gibt es im Schlosspark Sitzbänke. Meist an Plätzen die auch einen guten Blick durch den Parkt ermöglichen. Das durchdachte Konzept zeigt sich schon kurz hinter dem Eingang am Bogenteich.

Eine der weißen Sitzbänke am Schlossteich.
Als spontaner Besucher kann man schlecht der Versuchung widerstehen, um das kleine Schloss herum zu gehen und den Schlosshof zu besichtigen. Dort bot sich ein bemerkenswert schönes Fotomotiv. Das aktuelle Hoch Giesela sorgte für einen tiefblauen, nahezu wolkenlosen Hintergrund.

Schloss Uebigau im Spätnachmittagslicht.
Während auf der Parkseite noch kräftig gewerkelt wird, ist die Hofseite fertig und optisch sehr gut gelungen. Gleiches gilt für die umliegenden Gebäude.

Schönes Fachwerkhaus beim Blick Richtung Marktgasse, Schlossstraße und Badergasse.

Doch zurück zum Neugraben. Und der bietet unter der tief stehenden Sonne ein paar beeindruckende Farbenspiele.

Auf dem Weg dorthin fällt eine Bodenveränderung auf. Sand, fein- bis schwach kiesig. Typische Fluss- oder Urstromtalablagerungen. Keine Moorbildungen oder vergleichbare torfartige Böden, wie oben beschrieben. Folglich befinden sich Schloss und dieser Teil der Stadt auf wesentlich wasserdurchlässigerem Boden, als die Teile des tieferliegenden Schlossparks. In Anbetracht der Tatsache das die Niederlausitz in der Vergangenheit deutlich nasser war als heute, nur logisch. Zum Siedeln benötigten die Menschen und Tiere halbwegs trockenes Land, sonst faulten ihnen die Gebäude einfach weg. Wer hat auch schon gern nasse Füße. Damit wird klar, die Grenze zwischen nassen Böden und den sandig-kiesigen Böden verläuft unmittelbar hinter dem Schlossgebäude vorbei. Womit sich auch die geringfügig höhere Lage des Geländes erklärt. Wir haben es vermutlich mit einer höheren Niederterrasse, einer Flussterrasse zu tun, die über dem heutigen Aueniveau liegt und aus flussbedingten Ablagerungen besteht. Solche Terrassen wurde während einer eigenständigen warmzeitlichen Phase, vor der Weichsel-Kaltzeit gebildet, was von guten Kenntnissen der historischen Erbauer über Bodenverhältnisse von Stadt, Park und Schloss zeugt.

Der Neugraben westlich des Schlossparks, von der Brücke aus gesehen.
Laub in der kleinen Stromschnelle im Neugraben.
Bei späteren Recherchen stellt sich heraus, der Neugraben ist zweifellos ein bemerkenswertes hydrologisches Bauwerk. Er entspringt südöstlich bei Neumühl aus der Schwarzen Elster, kreuzt den Rödergraben in der Nähe der Wahrenbrücker Straße, reguliert die Gewässer im Schlosspark und durchquert die Stadt Uebigau. Von da ab beginnt eine lange Reise durch die Niederung links der Schwarzen Elster bis nach Jessen. Sein Zweck wird schnell ersichtlich: Wassermühlen und Entwässerung des Landes.

Neugraben verlässt an der Straße zum Gewerbepark Uebigau Richtung Norden.
Dabei werden Lapine, Scheidelache aufgenommen, der Kiebitzsee tangiert, weiter die  Lönnewitzer Landlache, der Weißgraben und zwei Arme der Saulache Buckau aufgenommen. Bei Rahnisdorf verlässt der Neugraben das Land Brandenburg. Auf anhaltinischer Seite fließt er unbeschadet durch die eher trockne Annaburger Heide, nimmt den Mollgraben auf, durchquert und versorgt Annaburg und seine Gewässer, stellt die Verbindung zum Bruchgraben her und tangiert etwa 4 Kilometer südlich von Jessen das Schöpfwerk bei Gerbisbach, wobei der Rottengraben noch aufgenommen wird. Nach der Unterquerung der L114 östlich von Grabo, mündet er in einen mit der Schwarzen Elster verbundenen Altarm. Für die Erbauer zweifellos eine Herausforderung, überwindet das als Kanal ausgebaute Gewässer Gegenden mit erheblichen Höhenunterschieden. Das muss man erst mal ausrechnen. Eine respektable ingenieurtechnische Leistung. Mehr Informationen zum Neugraben und seiner Geschichte hier: Geschichte des Neugraben

Doch zurück zum Schlosspark. Ab der Neugrabenrücke führt ein längerer Rundweg entlang des Grabens zu den Wiesen am Horst. Gelegenheit für weitere schöne Herbst-Fotomotive.

Wiesen am Weg zum Alten Schloss.
Strohballen am Ufer des Neugrabens.
Reflektion im Wasser des Neugrabens Uebigau.
Am Rundweg findet sich überraschend ein kleines steinernes Denkmal. Dessen Sinn sich aber nicht im Vorbeigehen ergründen lässt.

Denkmal am Wegesrand im Schlosspark Uebigau.
Nicht immer in Parks selbstverständlich, die Bedingungen auch als Behinderter alle Wege unkompliziert zu nutzen. Sehr erfreulich das die Parkverwaltung das bedacht hat.

Mit Rollstuhl im Schlosspark mobil.
Einige Bäume neigen sich im Park bedenklich in Windrichtung. Ursache scheint der instabile moorige Boden zu sein.

Erhebliche Neigungswinkel einiger alter Bäume im Schlosspark.
Ein Grund mal einen Blick ins geologische Profil des Untergrundes zu werfen. Das zeigt unter den holozänen anmoorigen Boden erwartungsgemäß Flusssande und Kiese der frühen Weichsel-Eiszeit (115.000 – 60.000 Jahre v.u.Z.). Darunter folgen ältere Ablagerungen der Elster-Eiszeiten. Jüngere eiszeitlich Sedimente lassen sich nicht erkennen, da sich Uebigau im Lausitzer Urstromtal befindet und seit dem Ende der letzten beiden Saale Eiszeiten von den abtauenden Eismassen und Vorgängerflüssen weitgehend fortgeschwemmt wurden.

Etwas weiter am Weg findet sich eine Bank aus Granitblöcken. Daneben der gewaltige Rest eines Baumstumpfes. Es muss eine beeindruckende Dreikronen-Eiche gewesen sein. Sicher mal ein ein schöner Blickfang.

Granitbank am Südende des Schlossparks.
Von hier bietet sich ein schöner Blick über die umgebenden Wiesen.

Wiesen und Häuser am Horstweg.
Durchblick über den Neugraben zu den Windkraftanlagen Richtung Beiersdorf.
Einen erhobenen Zeigefinger gibt es im Schlosspark auch. An was er mahnt ist nicht ersichtlich, bietet aber einen interessanten Kontrast zum buntem Umfeld.

Baumruine am Südende des Schlossparks.
Am Wegrand taucht ein weiteres kleines Denkmal aus rotem Granit auf. Gravur: 30 Jahre Frauenchor der Stadt Uebigau.

Gedenkstein Frauenchor Uebigau aus dem Jahre 2011.
Vorbei am Chor-Gedenkstein noch ein kleiner Rundblick, bevor der farbenfrohe Rückweg beginnt.

In der Nachmittagssonne platziert, Bank am anderen Ufer des Neugraben.
Bereits auf dem Rückweg, bietet sich noch mal ein schönes Fotomotiv über die Horstwiese Richtung Blaue Bank. Was es damit auf sicht hat, erschließt sich erst bei deren Besuch. Sie befindet genau in der Sichtachse gegenüber der Wiese zum Schloss Uebigau.

Die Wiese Richtung Horst.
Die durch die farbigen Bäume durchscheinende Spätnachmittagssonne zaubert schöne Lichteffekt auf den Boden.

Lichtspiele auf dem Parkboden.
Schiefe Bäume entwickeln manchmal einen interessanten fotografischen Charme.

Zuneigung mal anders. Zumindest optisch.
Rechts schimmert ein helles Gebäude mit schmalen hohen Fenstern durch die Bäume. Erst bei der Annäherung erweist es sich als ein Kirchengebäude. Doch es scheint leer zu sein. Zumindest ist es ein schöner Blickfang durch die Bäume.

Leerstehende Kirche am östlichen Parkrand in Uebigau.
Etwa neunzig Fotos später sinkt die Sonne hinter der Stadtsilhouette. Ein letzter Blick zurück.

Reflektion der Abendsonne auf dem Schlossteich Uebigau.

Danach geht es zurück an die heimische Kaffeetasse.