Ein fotografischer Streifzug durch den Schlosspark mit ein bisschen hydrologischer Geschichte und Bodengeologie
Auf dem Rückweg vom Steuerberater blieb in Uebigau der Blick am Schlosspark hängen. Goldener Herbst eben. Und der recht vielfältige Baumbestand im gut hergerichteten Schlosspark, zeigte jetzt seine Farben.| Schloss und Park Uebigau November 2025. |
| Blick in den Schlosspark Uebigau vom Parkplatz aus. |
| Der Bogenteich im Schlosspark Uebigau. |
Mit seinen ca. 2 Hektar erscheint der Uebigauer Schlosspark nicht sehr sonderlich groß. Für Menschen die nicht so gut zu Fuß sind oder einfach um eine ruhige Runde spazieren zu gehen, genau die richtige Größe. Selbst für Rollstuhlfahrer, wie wir noch sehen werden, eine gute Idee, denn es gibt keine Stufen und nur ein geringes Gefälle.
Ein gut befestigter Weg führt links des Bogenteiches in den Schlosspark hinein.
| Weg am Bogenteich. |
Doch auch das Rittergut dürfte seinen Vorläufer gehabt haben. Möglicherweise eine slawischen Wall- oder frühdeutschen Burganlage. Wegen der Lage vor einer Niederung und in der Nähe eines strategisch wichtigen Handelsweges Richtung Osten, prädestiniert für solche historischen Bauwerke.
Stadt Uebigau und Schlosspark haben eine wechselvolle Geschichte. Mehr dazu hier: Historischer Stadtkern Uebigau
Einige Herbst-Impressionen entlang des Parkweges.
| Eichenspiegel im Bogenteich. |
Weiter im Zentrum des Schlossparks trifft man auf einen Ringweg und verschiedene Aussichtspunkte auf das hübsche, kleine neogotische Schloss. Auch scheint der Stadtgärtner der Versuchung weitgehend widerstanden zu haben, in den Kronen der alten Eichen herumzuschnippeln.
| Im Zentrum des Schlossparks Uebigau ein alter Eichenbestand im Seitenlicht der spätnachmittäglichen Sonne. |
| Rückblick über den Bogenteich. |
| Geomorphologisch-hydrologische Skizze des Geländes vom Schlosspark und südlicher Umgebung. Die Kartenskizze wurde auf der Grundlage von Daten des LBGR erarbeitet. |
Wer sich die Böden an den Wiesenrändern genauer ansieht, bemerkt bald die dunklen leicht feinsandigen Moorböden – typische Böden also, wie sie seit dem Ende der letzten Eiszeit vor rund 12 400 Jahren in der Niederlausitz häufig entstanden sind. Sie bildeten sich meist in verlandeten Flussschleifen und Altarmen der größeren Flüsse.
Die Betrachtung der Wiesen in Richtung Horst, lässt auf ehemalige verlandete Altarme schließen. Folgt man gedanklich den geschwungenen Bögen dieser früheren Flusssysteme, so führen sie über den Bogenteich und die Parkstraße bis zur Kirchhainer Straße.
Auf der Rückfahrt bietet sich ein kurzer Abstecher in die Straße zum Gewerbegebiet Nord an. Dort bestätigt sich die Vermutung: Einer der Altarme eines Flusses – möglicherweise der Schwarzen Elster – hat einst an dieser Stelle die Stadt durchquert und wurde später überbaut.
Sollte hier tatsächlich ein Damm mit einer Straße darauf existiert haben, wäre dieser im ehemals morastigen Gelände gut zu kontrollieren gewesen.
| Sichtachse von der Terrasse vor dem Schloss Uebigau über den Schlossteich nach Südosten in den Horst. |
| Leichter Anstieg nach links zum Schloss. |
Unmittelbar neben dem Schlossgebäude hat sich ein Baum in ein Kleid prächtiger Herbstfarben geworfen.
| Herbstlaub macht hübsche Bäume. |
| Gleich dahinter ein kleiner botanischer Nachahmer des Herbstkleides. |
| Eine der weißen Sitzbänke am Schlossteich. |
| Schloss Uebigau im Spätnachmittagslicht. |
| Schönes Fachwerkhaus beim Blick Richtung Marktgasse, Schlossstraße und Badergasse. |
Doch zurück zum Neugraben. Und der bietet unter der tief stehenden Sonne ein paar beeindruckende Farbenspiele.
Auf dem Weg dorthin fällt eine Bodenveränderung auf. Feiner Sand bis schwach kiesig. Typische Fluss- oder Urstromtalablagerungen. Keine Moorbildungen oder vergleichbare torfartige Böden, wie oben beschrieben. Folglich befinden sich das Schloss und dieser Teil der Stadt auf wesentlich wasserdurchlässigerem Boden, als die Teile des tieferliegenden Schlossparks. In Anbetracht der Tatsache, dass die Niederlausitz in der Vergangenheit deutlich nasser war als heute, ist das nur logisch. Zum Siedeln benötigten Menschen und Tiere halbwegs trockenes Land – sonst faulten ihre Gebäude einfach weg.
Wer hat schon gern nasse Füße? Damit wird klar: Die Grenze zwischen den nassen Böden und den sandig‑kiesigen Böden verläuft unmittelbar hinter dem Schlossgebäude. Das erklärt auch die geringfügig höhere Lage des Geländes. Vermutlich haben wir es hier mit einer höheren Niederterrasse, also einer Flussterrasse zu tun, die über dem heutigen Aueniveau liegt und aus flussbedingten Ablagerungen besteht. Solche Terrassen wurden während einer eigenständigen warmzeitlichen Phase vor der Weichsel‑Kaltzeit gebildet – ein Hinweis auf das gute Verständnis der historischen Erbauer von Stadt, Park und Schloss für die Bodenverhältnisse.
| Der Neugraben westlich des Schlossparks, von der Brücke aus gesehen. |
| Laub in der kleinen Stromschnelle im Neugraben. |
| Neugraben verlässt an der Straße zum Gewerbepark Uebigau Richtung Norden. |
Dabei werden Lapine und Scheidelache aufgenommen, der Kiebitzsee tangiert sowie weiter die Lönnewitzer Landlache, der Weißgraben und zwei Arme der Saulache‑Buckau. Bei Rahnisdorf verlässt der Neugraben das Land Brandenburg.
Auf anhaltinischer Seite fließt er unbeschadet durch die eher trockene Annaburger Heide, nimmt den Mollgraben auf, durchquert und versorgt Annaburg und dessen Gewässer, stellt die Verbindung zum Bruchgraben her und tangiert etwa vier Kilometer südlich von Jessen das Schöpfwerk bei Gerbisbach, wobei auch der Rottengraben aufgenommen wird. Nach der Unterquerung der L 114 östlich von Grabo mündet er in einen mit der Schwarzen Elster verbundenen Altarm. Für die Erbauer zweifellos eine Herausforderung, überwindet das als Kanal ausgebaute Gewässer Gegenden mit erheblichen Höhenunterschieden. Das muss man erst mal ausrechnen. Eine respektable ingenieurtechnische Leistung. Mehr Informationen zum Neugraben und seiner Geschichte hier: Geschichte des Neugraben
Doch zurück zum Schlosspark. Ab der Neugrabenrücke führt ein längerer Rundweg entlang des Grabens zu den Wiesen am Horst. Gelegenheit für weitere schöne Herbst-Fotomotive.
| Wiesen am Weg zum Alten Schloss. |
| Strohballen am Ufer des Neugrabens. |
| Reflektion im Wasser des Neugrabens Uebigau. |
| Denkmal am Wegesrand im Schlosspark Uebigau. |
| Mit Rollstuhl im Schlosspark mobil. |
| Erhebliche Neigungswinkel einiger alter Bäume im Schlosspark. |
Etwas weiter am Weg findet sich eine Bank aus Granitblöcken. Daneben der gewaltige Rest eines Baumstumpfes. Es muss eine beeindruckende Dreikronen-Eiche gewesen sein. Sicher mal ein schöner Blickfang.
| Granitbank am Südende des Schlossparks. |
| Wiesen und Häuser am Horstweg. |
| Baumruine am Südende des Schlossparks. |
| Gedenkstein Frauenchor Uebigau aus dem Jahre 2011. |
| In der Nachmittagssonne platziert, Bank am anderen Ufer des Neugraben. |
| Die Wiese Richtung Horst. |
| Lichtspiele auf dem Parkboden. |
| Zuneigung mal anders. Zumindest optisch. |
| Leerstehende Kirche am östlichen Parkrand in Uebigau. |
| Reflektion der Abendsonne auf dem Schlossteich Uebigau. |
Danach geht es zurück zur heimischen Kaffeetasse.
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Quellen:
Stadtmühle Uebigau
https://de.wikipedia.org/wiki/Stadtmühle_Uebigau
Schloss Uebigau
https://commons.wikimedia.org/wiki/Category:Schloss_Uebigau?uselang=de
Landesamt für Bergbau, Geologie und Rohstoffe (LBGR)
https://lbgr.brandenburg.de/lbgr/de/service-seiten-lbgr/analoge-geologische-karten/atlas-zur-geologie-von-brandenburg
Werner Stackebrandt, Grundzüge des geologischen Baus Brandenburg
aus Brandenburger geologische Beiträge, Heft 5 1998 (2), s. 3 - 7
Die geologische Entwicklung des Bezirks Cottbus
W. NOWEL, Natur und Landschaft Bez. Cottbus NLBC, Heft 3, Cottbus 1981
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Blog: Mit 8 Megapixeln durch die Niederlausitz.
Autor: Vel Thurvik
Fotos: Vel Thurvik
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