Samstag, 20. Dezember 2025

Tornitzer Lesebude – Niederlausitzer Entdeckungen -

 In der Niederlausitz gibt es einsame Dörfer, es gibt verlassene Dörfer und vergessene Dörfer. Und dann gibt es Tornitz. Wer war daran Schuld? Natürlich die Eisenbahn und die Bauern, wer auch sonst. Zumindest an dieser zufälligen Entdeckung. Um das Wortspiel-Mysterium aufzuklären, ein Traktor und eine geschlossene Schranke sorgten für einen  Umweg. Dieser führte über Briesen und den etwas abgelegenen Ort Tornitz, am Ostende des Landkreises Oberspreewald-Lausitz (OSL).

Auf der Durchfahrt fiel ein etwas eigenartiges Ensemble auf. Eine gelbe Lesebude. Grund genug zum fotografischen Zwischenstopp.

Lesebude, Mitfahrerbank, Schwarzes Brett und Freiluft-Zeitschriftenständer in Tornitz.
Bei der Zufahrt zum Ort entstand der optische Eindruck, das Dorf wolle sich verstecken. Zwischen Waldgebiet und Briesener Wiesen erstreckte sich eine Baumreihe. Nur einige bunte Hausgiebel lugten dazwischen hervor. Doch fürs verstecken gibt es bei Tornitz keine Gründe.

Fast verstecktes Dorf Tornitz.
Ein solchen Ensemble im Ort aufzustellen, zeugt zumindest von rührigen Einwohnern mit Sinn fürs nicht Alltägliche. Mit der gelben Lesebude aus schräg angeordneten Brettern, schiefen symbolisierten roten und grünen Fenstern, ist den Initiatoren schon mal ein ordentliche Hinkucker gelungen. Ein Glastisch mit grüner Holzbank davor lädt zum verweilen ein.

Schräges Ambiente aber ein Hinkucker, die Tornitzer Lesebude.
Davor hat sich ein Freiluft-Zeitungsständer eingefunden. Warum nicht mal die Zeitung vom Nachbarn lesen, muss sich hier jemand gedacht haben.

Zeitschriften-Recycling mal anders.
In der Natur haben Jungtiere meist eine unauffällige Farbgebung. Des Schutzes wegen. Und wie es scheint, hat die Lesebude ein Junges zur Welt gebracht. Versteckt hinter dem Zeitungsständer, eine graue Kinder-Lesebude.

Die Kinder-Lesebude von Tornitz.
Zu dem Trio hatte sich eine rote Mitfahrerbank gesellt. Auch mal ein Novum. Daneben ein kleiner Mast mit schwenkbaren Richtungsschilder. Wüstenhain steht als erstes Schild drauf.
Mitfahrerbank von Tornitz.
Bei der späteren Recherche stellte sich heraus: Die Initiative geht auf eine Idee eines Einwohners zurück und wurde als Antrag der Linken im Stadtrat Vetschau eingebracht. Ideen muss man eben haben, wenn der Bus nicht immer kommt. Wer mehr darüber wissen möchte, hier ein Link: Stadt Vetschau Mitfahrerbank

Inzwischen wird das Ganze von einer gelben Fahrrad-Reparaturstation garniert. Die wirkt durchdacht und ausgesprochen neu.

Fahrrad-Reparaturstation Tornitz.
Offenbar ist der Weg über Tornitz für Fahrradtouristen interessant. Liegt auch auf der Hand, denn der Gräfendorfer See ist nicht übermäßig weit entfernt.

Doch zurück zur Lesebude und ihrem Nachwuchs. Sehr erfreulich, beim Blick ins Innere offenbart sich Ordnung und Sauberkeit. Da sieht also jemand nach dem Rechten.

Blick ins Innere der gelben Lesebude.
An der Tür ist eine Übersicht oder Wegweiser durch die Literatursparten angebracht. Eine Medaille gab es für die Idee auch schon.

Wegweiser an der Tür.
Die Literaturauswahl wirkt nicht langweilig. Es ist für ein breites Spektrum an Leselust etwas dabei. An der Tür befindet sich unten ein Briefkasten für Anregungen. Gute Idee.

Die neusten Zugänge an Literatur sind innen repräsentativ angeordnet.
In der Nachwuchs-Lesebude für Kinder sieht es auch ordentlich aus.

Blick ins Innere der Kinder-Lesebude.
In dessen Regalen ist noch etwas Platz. Ein Grund mal die heimischen Bücherregale zu inspizieren, denn da sind einige Leser schon länger aus dem Lesealter heraus gewachsen.

Erst zum Schluss fiel ein nettes Detail auf. Unter dem Glastisch vor der Lesebude steht ein kleines Gesteck.

Weihnachtliches Gesteck unter dem Lesetisch.
Zweifellos hat diese Anlage 2015 mal mit der Lesebude begonnen. Wovon ein Schild in Form eines gelben Buches zeugt. Doch sie scheint über die Zeit gewachsen zu sein. Was auffällt, es wird sich darum gekümmert. Auch das ist bei solchen Projekten nicht alltäglich.

Bilanz: Tornitz mag ein etwas abgelegener Ort sein. Doch langweilig ist er nicht.

Wieder an der Schranke, diesmal ohne Traktor, Eisenbahn soll ja schließlich fahren, gab es noch mal einen Blick zurück zu einem Dorf das Ideen hat.

Tornitz im schwindenden winterlichen Abendlicht.

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Blog: Mit 8 Megapixeln durch die Niederlausitz.
Autor: Vel Thurvik
Fotos: Vel Thurvik

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