Sonntag, 11. Januar 2026

Winterdienst und von denen, die zur Unzeit arbeiten – Niederlausitzer Begegnungen -

 Die meisten Menschen mögen schöne Winterbilder mit reichlich Schnee und kalter, klarer Luft. Abgesehen von denen, die zur Unzeit und bei jedem Wetter unterwegs sein müssen. Es sind die Menschen, die zu jeder Tageszeit unsere Welt am Laufen halten. Der Winterstraßendienst gehört zweifellos dazu.

Winterdienstfahrzeug am 10. Januar 2026 in Höhe der Stadtwerke Finsterwalde /Niederlausitz.
Wer kennt es nicht – das dumpf kratzende Geräusch, die grummelnden Motoren und die flackernden gelben Lichter der Fahrzeuge, wenn sie sich nachts durch die Straßen schieben? Bei Schichtarbeitern und Frühaufstehern sorgen diese Geräusche für Beruhigung. Unsicherheit schwindet. Jetzt wissen sie: Es wird geräumt, gestreut. Jetzt kann ich sicherer fahren, laufen oder wie auch immer vorwärtskommen.

Gleich zu Anfang des Jahres 2026 gab das Tiefdruckgebiet Ellis der Niederlausitz eine Gastrolle – und den Winterdiensten, ob auf den Straßen oder Schienen, Gelegenheit, sich zu beweisen. Das taten sie.

Auf dem Rückweg von einer Versammlung, zu später Stunde und im dichten Schneetreiben, war ein Räumfahrzeug dabei, sich durch einen Kreisverkehr der Stadt zu arbeiten. Wer hat schon einmal darüber nachgedacht, wie viele Züge ein Räumfahrzeug benötigt, um einen simplen Kreisverkehr mit vier zulaufenden Straßen samt Fußgängerüberwegen und Radwegen zu beräumen? Und das, ohne die gerade getane Arbeit gleich wieder zuzuschieben – eine Herausforderung an die Logik.

Kreisverkehr in Finsterwalde im Abendlicht. Im Hintergrund das Heizkraftwerk.
Oder beim Beräumen einer Straße mit vielen Autos? Oft schlampig geparkt.

Fahrradwege sind ein wichtiges Gut – nicht nur für Fahrradfahrer, sondern auch für den Winterdienst. Wohin aber mit etwa 30 Zentimetern Neuschnee, wenn Politiker bei ihren Forderungen und Entscheidungen eher von Ideologien und Philosophien als von Praktikabilität geleitet waren – und so etwas schlicht nicht in Betracht gezogen haben?

Blick in eine gut geräumte Nebenstraße in Finsterwalde.
Würden Straßen anders gebaut, wenn ein erfahrener Fahrer des Straßenwinterdienstes bei der Planung mit am Tisch säße? Nachdenkenswert, oder?

Im Gang eines Supermarktes diskutierte ein Paar lautstark darüber, dass seine Straße „früh“ noch nicht geräumt war. Was unter früh zu verstehen ist, war nicht zu erfahren. Offenbar haben die beiden nie darüber nachgedacht, wie viele Straßen eine Stadt haben kann – vor allem Nebenstraßen. Und da gibt es ja noch das Umland mit seinen Dörfern.

Geräumte Straße an der Evangelischen Kirche mit Parkbucht.
Bei starkem Schneefall oder Eisglätte sind die Einsatzkräfte des Winterdienstes oft in wechselnden Schichten rund um die Uhr im Einsatz – teilweise an sieben Tagen in der Woche –, um die Straßen befahrbar zu halten. Der Winterdienst ist somit kein einmaliger Vorgang, sondern ein kontinuierlicher Prozess, der sich über den gesamten Winter erstrecken kann, abhängig von den jeweiligen Wetterbedingungen.

Winterlandschaft mit Sonnenuntergang in der Stadt.
Wenn sich also in der Nacht wieder einmal ein Fahrzeug grummelnd und blinkend durch die Straßen schiebt – an die Menschen hinter dem Steuer denken. Schnee schieben kann eine Herausforderung sein. Und wenn die Straße einmal nicht rechtzeitig frei ist oder es Geduld erfordert, hinter dem Streufahrzeug herzufahren: Ruhe bewahren. Einfach mal daran denken, was wäre, wenn der Mensch im Fahrzeug da vorn jetzt nicht fahren würde?
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Blog: Mit 8 Megapixeln durch die Niederlausitz.
Autor: Vel Thurvik
Fotos: Vel Thurvik

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