Fotografische Fundsache Bahnhof Kunersdorf
Bei Wühlen in alten Kisten kommen manchmal doch interessante Dinge ans Tageslicht. So auch einige ältere schwarz-weiß Fotos vom Bahnhof Kunersdorf (Spree-Neiße Kreis) aus dem Jahr 1980. Der Eingemeindung geschuldet, nannte sich der Bahnhof bis 2003 Bahnhof Papitz, niedersorbisch Popojce.
Bahnhof Kunersdorf befand sich im Streckenkilometer km 105,04 der Strecke Berlin Cottbus. Zum Bahnhof gehörten noch folgende Stellwerke und Dienstposten:
- Weichenwärterstellwerk W 2
- Schrankenposten Po 79, Ortsverbindung Dahlitz - Kolkwitz
- Schrankenposten Po 74, Ortsverbindung Krieschow - Milkersdorf Vorwerk
- Schrankenposten Po 75, Ortsverbindung Eichow-Wasserwerk in Richtung Babow
- Haltepunkt Kolkwitz Nord mit Fahrkartenausgabe.
Im Bahnhof Kunersdorf selbst befand sich eine mechanische Vollschranke, der Fahrdienstleiter-Dienstraum kombiniert mit Fahrkartenausgabe, Gepäckabfertigung. Im hinteren Teil des Gebäudes befand sie der Dienstraum des Leiters des Bahnhofes und ein beheizter Warteraum für Reisende. Letzter war nur von der Ostseite zugänglich.
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| Bahnhof Kunersdorf von der Westseite aus gesehen. |
Hinter dem Bahnhofsgebäude in Richtung Cottbus befand sich noch ein Ölraum als alleinstehendes Ziegelgebäude. An dieser Stelle entstand später der Relaisraum, als 1987 mit der Stellwerkskonzentration (Rationalisierungsmaßnahme) der Weichenwärter W 2 entfiel.
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| Bahnhof Kunersdorf 1980. Bahnsteig 1 mit Blick Richtung Osten. |
Da die Strecke zwischen Lübbenau und Cottbus bis Dato eingleisig ist, war die Kreuzungs- und Überholmöglichkeit in Kunersdorf von entscheidender Bedeutung für die Durchlassfähigkeit in beide Richtungen.
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| Bahnhof Kunersdorf in den Neunzigern. Die mechanische Vollschranke. |
Nach dem Umbau des Bahnhofs 1997 bis 1998 verlor der Bahnhof seine Kreuzungs- und Überholmöglichkeit. Ein Umstand der sich wenige Jahre später sehr negativ auf die Durchlassfähigkeit, insbesondere des Reiseverkehrs der Strecke, auswirken sollte. Im Bahnhof blieb nur ein Gleisstummel von Gleis 2, der nur von der Vetschauer Seite aus über zwei Weichen und eine Gleissperre angebunden blieb.
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Bahnhof Kunersdorf, der Fahrdienstleiterarbeitsplatz mit Zugnummernmeldeanlage, analogem Zugfunk und Fernsprechern (Kommandoschrank).
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| Bahnhof Kunersdorf, Fahrdienstleiterarbeitsplatz mit Beistelltisch und Digitalem Zugfunk in Form von Dicora C. |
Der baulich sehr schlechte Zustand des Stellwerkes lässt sich an den Fenstern gut erkennen.
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| Bahnhof Kunersdorf. Der Vorbau für die Schrankenwinde. |
Im Eingangsbereich zum Stellwerk der mechanische Schrankenbock mit Schrankenwindenverschluss. Rechts an der Wand die Freischaltung für die Fahrwegprüfung in Form von Schlüssel mit elektrischer Anbindung.
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| Bahnhof Kunersdorf, Fahrdienstleiter H. beim schließen der mechanischen Vollschranke. |
Immer im Blickpunkt der dörflichen Öffentlichkeit der Fahrdienstleiter beim schließen der Schranke.
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| Bahnhof Kunersdorf, niedersorbisch/wendisch Kosobuz, bei Nacht. |
Während seiner gesamten Geschichte ist der Bahnhof rund um die Uhr besetzt gewesen.
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| Bahnhof Kunersdorf, Regionalexpress bei der Durchfahrt durch den Bahnhof 2003. |
Verkehrshalte hatten lediglich Regionalbahnen. Hier noch DB Regio.
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| Bahnhof Kunersdorf. |
An der Stelle des Fahrradständers befand sich bis Mitte der 90er Jahre des letzten Jahrhunderts die öffentliche Toilette.
Weichenwärterstellwerk W 2
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| Bahnhof Kunersdorf, Stellwerk W 2. |
An der Ortsverbindung Kunersdorf Siedlung Waldstraße /Klein Limberg nach Dahlitz befand sich auf halben Weg das 1967 gebaute Stellwerk W 2 für den Weichenwärter. Ein altes Vorläufergebäude auf der anderen Gleisseite wurde damit abgelöst.
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| Altes Weichenwärter-Stellwerk bis 1967 und späterer Kohleschuppen. |
Im Backsteingebäude des Vorläuferstellwerkes hatte der Weichenwärter einen sehr kleinen Aufenthaltsraum. Darin war das Schlüsselwerk des Stellwerks über das die mechanischen Handweichen 9 und 10 über Schlüssel eingebunden waren. Mit dem Neubau des Stellwerks W 2 gegenüber, diente das alte Gebäude als Kohlenschuppen.
Bis Anfang der 80ziger Jahre war die mechanische Vollschranke nicht signalabhängig. Sie wurde von innerhalb des Stellwerkes bedient.
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Bahnhof Kunersdorf. Innenraum des Weichenwärter-Stellwerkes W 2. |
Innen befand sich ein mechanisches Stellwerke mit elektrischen Signalen, die aber an Signalhebel angebunden waren. Eine mechanische Vollschranke, vom Innenraum des Stellwerks aus bedient, sicherte den Bahnübergang. Ab 1982 wurde aus der Schranke eine Anrufschranke.
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| Schreibtisch, Fernsprecher und Blockwerk des Weichenwärters W 2 Papitz. |
Auf einem kleinen Schreibtisch aus den 50er Jahren standen zwei Fernsprecher. Einer diente als Bahnhofsringleitung. Der Zweite war mit der Zugmeldeleitung Kunersdorf, Schrankenposten 79 in Dahlitz, Haltepunkt Kolkwitz Nord und dem Stellwerk Cbn verbunden.
Hinter dem Blockwerk befand sich ein Heißluft-Kachelofen.
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| Bahnhof Kunersdorf, Stellwerk W 2. Personenzug Königs Wusterhausen Richtung Cottbus. |
Mit der Stellwerkskonzentration 1989 wurden die beiden Weichen 9 und 10 sowie die Signale des Stellwerkes an ein Gleispult WSSB Bauform 2 beim Fahrdienstleiter angebunden. Durch die Aufgabe der Ortsverbindung von der Waldstraße Kunersdorf nach Dahlitz, entfiel schon einige Jahre vorher Bahnübergang.
Mit Beginn des 1. Weltkrieges 1914 wurde in Kunersdorf ein Verkehrshalt eingerichtet. Ziel war damals die Arbeiter besser zu den Fabriken in Cottbus und Berlin befördern zu können. Zudem hatte ein reger Landhandel auf dem Bahnhof Papitz eingesetzt. In der Folge entstanden ein Gleisanschluss, Güterboden sowie eine Kopf- und Seitenrampe. Anfang der 90er Jahre wurden die Bedienung des Anschlusses und die Verladetätigkeit endgültig aufgegeben.
Von den übrigen Stellwerken die zum Bahnhof Kunersdorf gehörten, waren keine Fotos zu finden.
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Blog: Mit 8 Megapixeln durch die Niederlausitz.
Autor: Vel Thurvik
Fotos: Vel Thurvik
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