Sonntag, 30. März 2025

Vom Pflasterstein zum Edelstein – Niederlausitzer Fundstücke -

 Ein Gerüstquarz als Halbedelstein


Hat nicht jeder von uns schon mal davon geträumt Edelsteine zu finden? Welche die so richtig groß sind? Mal so eine richtig große Klunker? In der Niederlausitz scheint das  möglich zu sein, im Landkreis Elbe-Elster im besonderen. Und ein fotografischer Sonntags-Streifzug am See führte zu einem ungewöhnlichen Fundstück.

Foto 01: Gerüstquarz mit Gesteinstrümmern.

Aus dem Sand an einer Feuerstelle am See, ragte eine gelbliche netzartige Oberfläche heraus. Für das geübte Auge das Muster eines Gerüstquarzes. Doch bei näherer Betrachtung sind kleine Teile mit den Eigenschaften eines Trümmer-Achats zu erkennen. Dazwischen befinden sich fast schlierenartig scharfkantige, Geröllbruchstücke des Wirtsgesteins.

Foto 02: Seitenansicht mit Druse und Trümmerfeld.
Die Bezeichnungen für Halbedelsteine sind nicht normiert sondern orientieren sich mehr am äußeren Erscheinungsbild. Nennen wir das Fundstück der Einfachheit halber Gerüstquarz, denn das Quarzgerüst überwiegt ganz offensichtlich.

Bestimmte Quarze wie Achat, Chalcedon, Amethyst, Bergkristall oder Jaspis, werden von den Sammlern in die Kategorie der Halbedelsteine eingeordnet. Achate fallen durch farbliche Intensität und strukturelle Vielfalt auf. Gerüstquarze mehr durch ihr ungewöhnliches netzartiges Muster. Beide Halbedelsteine sind in der Niederlausitz gar nicht so selten. Ursache sind Vorläuferflüsse von Elbe, Neiße, Spree und Elster, die in geologischer Vergangenheit die Niederlausitz mit ihren Sedimenten aufgefüllt haben. Dabei taten  sich die Vorläufer der Elbe besonders hervor.  

In der Holstein-Warmzeit, vor etwa 320 000 bis 300 000 Jahren, spülte die sogenannte Berliner Elbe mit ihren Sedimenten viele der oben genannte Edelsteine aus Sachsen und Böhmen in den Landkreis Elbe-Elster. In den Landkreisen Oberspreewald-Lausitz, in Teilen  der Oberlausitz und Spree-Neiße-Kreis erledigten das in der zweiten Hälfte des Tertiärs, also vom Miozän vor etwa 23 Millionen Jahren, bis zum Beginn der Eiszeiten vor 1,8 Millionen Jahren, die Senftenberger und Bautzener Elbeverläufe. Ihre mächtigen Kieslager künden noch heute vom Fleiß dieser Flüsse. Ein Grund weshalb im frühen Mittelalter die Niederlausitz ein bisschen Edelstein-Exportland war. Meist handelt es sich um Halbedelsteine von nur wenige Zentimetern. Hier zwei Beispiele von der Kemmener glazialen Hochfläche bei Calau.

Foto 03: Gelblich verfärbter Kemmener Achat vom Dezember 2023.

Foto 04: Kleiner Gerüstquarz vom Mühlberg bei Kemmen, Januar 2024. In der Mitte links sind kleine Kasten- oder Fensterquarze erkennbar.
Doch unser Fundstück hier fällt in jeder Hinsicht aus dem Rahmen. Erst mal durch seine Größe von wenigsten 15 x 10,5 x 10 Zentimeter.

Foto 05: Gerüstquarz mit Lineal zum Größenvergleich.
Ursprungsgestein ist eine Brekzie, ein zerbrochenes und wieder verkittetes Gestein. So etwas entsteht beispielsweise häufig bei Erdbeben, Gebirgsstürzen, Sedimentierung von Flussschottern oder Vulkanausbrüchen. Unser Fundstück hat als Wirtsgestein eine feinkörnige geschichtete Grauwacke. Sie enthält ein rotes Mineral, was aber in den Lösungsprozess der Kieselsäure nicht einbezogen wurde. Folglich den Gerüstquarz nicht einfärbte.

Foto 06 a: Nahaufnahme mit rotem Mineral in der Grauwacke.
Foto 06 b: Makroaufnahme mit rotem Mineral.
Wir können also von einem Erdbeben oder einer Geröllhalde eines Gebirgssturzes ausgehen. Vulkanische Gesteinsfragmente sind nicht enthalten. Da die meisten Gesteinsbruchstücke sehr scharfkantig sind, scheidet ein Transport durch Wasser oder Eis aus. Dafür sind zahlreiche kleine Hohlräume vorhanden. Möglicherweise handelt es sich um eine Störungs-Brekzie wie sie bei Erdbeben entstehen. Darauf deutet die auffällig starke Zerrüttung des Wirtsgesteines.

Foto 07: Nahaufnahme der skelettartigen Quarzgerüste und zahlreichen Hohlräumen.
In der Folgezeit wurden diese Hohlräume von kieselsäurehaltigen Wässern durchströmt. Die Kieselsäure setzte sich darin ab und bildete achatartige Absatzstrukturen. Doch offenbar stand für ein vollständiges Ausfüllen aller Zwischenräume nicht genug Kieselsäure oder Zeit zur Verfügung. Also entwickelte die vorhandene Kieselsäure entlang feiner elektrischer Felder ein typisches Gerüst. Es entstand ein Zwitter aus Gerüstquarz und Achat-Elementen.

Foto 08: Makro-Aufnahme mit feinem Netzwerk aus
gelblichen Quartzgerüsten und winzigen
Kristalldrusen.
An vielen Stellen blieben kleine, mit Quarzkristallen gefüllte, Drusen zurück. Wobei die verschiedenen Farben von den eingespülten Spurenelementen wie Eisenhydroxid und Mangan her rühren.

Foto 09: Nahaufnahme einer Druse mit kleinen Quarzkristallen.
Interessant: Eine der Oberflächen weißt eine Abnutzung auf, wie sie bei Pflastersteinen zu beobachten sind.

Foto 10: Abgenutzte Oberfläche des Gerüstquarzes.

Beim Mittelalterlichen Straßenbau wurden die Pflastersteine selten bearbeitet. Werkzeug war teuer. Also legten die Straßenbauer Steine etwa gleicher Größe möglichst passend aneinander. Seine Größe passt in etwa zu der üblicher mittelalterlicher Kopfsteinpflaster.

So wie es aussieht hat also unser Fundstück bereits eine Karriere als Pflasterstein hinter sich.

Ist das der größte Halbedelstein in der Niederlausitz?

Um das zu klären wurde eine Künstliche Intelligenz (KI) mit der Recherche beauftragt. Hier das Ergebnis:

Frage an ARIA: Wie groß sind die größten Edelsteine und Halbedelsteine in der Niederlausitz?

ARIA: In der Lausitz gibt es einige bemerkenswerte Funde von Edelsteinen und Halbedelsteinen, die in verschiedenen Tagebauen und geologischen Formationen entdeckt wurden. Hier sind einige der größten und bekanntesten:

Achate: In der Niederlausitz, insbesondere in den Tagebauen wie Welzow-Süd und Jänschwalde, wurden beeindruckende Achate gefunden. Diese können Größen von bis zu 30 cm im Durchmesser erreichen.

Amethyst: Amethyst-Kristalle, die in der Region vorkommen, können ebenfalls beachtliche Größen erreichen. Einige Exemplare wurden mit Längen von bis zu 15 cm dokumentiert.

Bergkristall: In den geologischen Formationen der Lausitz sind auch große Bergkristalle zu finden, die bis zu 20 cm lang sein können.

Fluss- und Trümmerachat: Diese Arten von Achaten, die aus Trümmern bestehen, können in der Lausitz in verschiedenen Größen gefunden werden, wobei einige Exemplare bis zu 10 cm groß sind.

Die Lausitz ist bekannt für ihre mineralreiche Geologie, und die Tagebaue bieten eine hervorragende Gelegenheit, verschiedene Edelsteine und Halbedelsteine zu entdecken.


Soweit die Antwort der KI.

Unser Fundstück vom See ist damit nicht der größte Halbedelstein, aber mit über 15 Zentimetern schon ungewöhnlich groß.

Wo kommt unser Fundstück her?

Das ist leider nicht feststellbar weil menschlicher Transport hier eine wichtige Rolle gespielt hat. Insgesamt ist das Fundstück stark abgerundet. Ein Zeichen für den Transport durch Wasser in einem größeren Fluss oder im Eis. Beides ist möglich. 

Aufgrund der oben gezeigten Abnutzungsspuren, ist von einem ehemaligen Pflasterstein auszugehen. Nach dem sein Leben als Pflasterstein endete, wurde er vermutlich in einer Halde im Tagebau verklappt, wo her Jahre später als Lagerfeuerbegrenzung wieder auftauchte.

Was bleibt?

Eine Brekzie, die nach Millionen Jahren zum Pflasterstein wurde und nun als Halbedelstein auf dem Schreibtisch steht. Doch sein Weg soll damit noch nicht zu Ende sein. Es soll einen Sitzplatz im Museum der Minerale und Fossilien in der Niederlausitz finden. Bis auf Weiteres also.
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Blog: Mit 8 Megapixeln durch die Niederlausitz.

Autor: Vel Thurvik
Fotos: Vel Thurvik

Samstag, 29. März 2025

Wenn die Wellen der Wüste das Licht sanft ersticken - Niederlausitzer Landschaften -

Dessert-Light

In der Niederlausitz findest Du viele verschiedene Landschaften. Manche davon sind vom Menschen versehentlich geschaffen. Die kleinen Tertiär-Wüsten am Rande der ehemaligen Tagebaue sind solche Landschaften.
Sandrippeln im Abendlicht am Bergheider See.
Mit der Bergbautätigkeit wurden auch die Sande und Kiese der tertiären Vorläufer der Elbe in der Niederlausitz freigelegt. Einer Zeit, lange vor den Eiszeiten. 

Heute wandern sie als feiner Flugsand entlang von Ufern der Bergbauseen. Nach heftigen Winden ergeben sie Gelegenheiten für ungewöhnliche Fotos.

Samstag, 22. März 2025

Wellen-Störung – Niederlausitzer Fundstücke -

 Es gibt Zufallsfotos, die sind vom Inhalt her einfach aber gerade da macht ihren besonderen Charme aus.

Wellen-Störung im ehemaligen Tagebau Lichterfeld.
In einem kleinen Dünenfeld stört ein kleiner verirrter Stein den Vormarsch der Sanddünen. Jedoch mit Eleganz. Dazu garniert die flach einfallende Abendsonne das Ganze zu einer kontrastreichen Komposition.

Angetroffen wurde dieses kleine Schauspiel am Rande des Bergheider Sees bei Lichterfeld in der Niederlausitz.